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The old Hanseatic City, wo auch die Dukes lieber Urlaub machten

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    Die Zeichen stehen auf Versöhnung. Auch in Rostock. 1942 waren es Bomber der Royal Airforce, die die alte Hansestadt Rostock vier Tage lang bombardierten. Nicht ganz grundlos, denn hier baute Heinkel Kriegsflugzeuge und auf der Neptun-Werft wurde für die Kriegsmarine gebaut. So dass Rostock nach Lübeck die zweite Stadt war, die die Briten bombardierten. Heute aber kommen sie natürlich als Touristen.

    Und sie finden eine Stadt vor, die natürlich gezeichnet ist vom 20. Jahrhundert. Aber die Zeugen der Vergangenheit stehen zum Glück noch da – fein restauriert und gerettet. Gebaute Erinnerung an eine Zeit, als diese Stadt tonangebend in der Hanse war. Der Bürgerstolz wurde in rotem Backstein gebaut. Oder – wie am Neuen Markt zu sehen – in maritimer Farbigkeit. Man wandelt durch die Jahrhunderte, trifft auf Moderne, die mitten hinein gebaut ist in mittelalterliche Klostermauern. Ist nur die Frage: Was lockt die Briten hierher? Das Blücher Memorial vielleicht, das an den kämpferischsten Sohn der Stadt erinnert? Oder der Wind einer großen Vergangenheit. Denn Rostock war immer eine umkämpfte Stadt – Dänen, Schweden, Brandenburger, Mecklenburger. Immer wieder mal wechselten die Flaggen über der Stadt. Hafenort war das Gebiet an der Warnow schon um 700 herum.

    Aber eine richtig offene Stadt wurde das erst ab 1849, als die alte Stadtbefestigung abgebaut wurde und nur ein paar Tortürme stehen blieben, diese hübschen Wahrzeichen einstiger Wehrhaftigkeit. Heute reüssiert Rostock als Universitätsstadt und Zugang zu Warnemünde, diesem beliebten Bade-Vorort, den es praktischerweise gleich dazu gibt in Steffi Böttgers Stadtbesuch – wenn man es an einem Tage schafft und nicht hängen bleibt im Rostock Cultural History Museum oder im Kempowski Archive. Walter Kempowskis „German Chronicle“ dürfte auch die Engländer und Amerikaner interessieren.

    Verfügbar ist der Autor auf dem englischen Buchmarkt. Aktueller Bestseller ist sein Buch „Swansong 1945: A Collective Diary of the Last Days of the Third Reich“.

    Wer aufmerksam ist, ahnt, wie viel Geschichte in so einer Stadt steckt. Nicht nur in der offiziellen und administrativen. Auch und gerade in der der Familien, denn man bezieht ja nicht als Nichts Position zu seinem Leben und seiner Zeit, sondern immer aus der Perspektive des Hauses, in dem man aufwächst, und der Familie, die einen prägt. Kempowski war der Sohn eines „shipping agent“, wurde von den Sowjets eingesperrt, konnte erst im Westen studieren. So wird ein Leben natürlich rastlos. Und Brüche bleiben zurück, von denen in Rostock etliche zu sehen sind. Was etwas Besonderes ist. Das muss man sich auch als Stadtgesellschaft erst einmal zutrauen. Nicht alles wieder historisieren, sondern das Neue hereinlassen und trotzdem genug vom alten schmucken Hanse-Städtchen zeigen, so dass – wer diese schönen deutschen Küstenstädte mag – hier doch wieder diese Buddenbrock-Welt riechen und ahnen kann, auch wenn die natürlich nach Lübeck gehört, der einstigen Hanse-Partner-Stadt von Rostock.

    Aber die alten hanseatischen Händler pflegten einen ganz ähnlichen Lebensstil. Ein wenig davon kann man noch ahnen in den alten Straßen der Stadt. Da stolpert man eher verblüfft über den Ducal Palace, denn als Residenzstadt ist Rostock irgendwie nicht denkbar. Vielleicht ging es auch Karl Leopold und den anderen Dukes of Mecklenburg-Schwerin so: Man war eher Gast in der Stadt, residiert wurde in Schwerin. Selbst Christian Ludwig, der sich das barocke Schlösschen bauen ließ, war wohl eher mal da, um sich vom Regierungsärger in Schwerin zu erholen. Später brachten die Dukes und Grand Dukes hier die Witwen ihrer Vorgänger unter. Oder vielleicht hatten sich die Frauen auch das Recht erkämpft, sich nach ihrer Lebensarbeit als Herzogsgemahlin in Rostock endlich ein paar schöne Tage zu machen. Wer weiß?

    Heute nutzt die Universität das barocke Haus. Und wer sich ein paar schöne Tage macht in Rostock, der fährt an Sonnentagen eben nach Warnemünde raus, badet und schnuppert am Alten Strom einfach die Gegenwart der See und schaut den Fischkuttern zu, wie sie raus- und reinfahren. Und die Wellen schlappen. Und wenn man dann Appetit bekommt, ist das wohl der schönste Weg, um den Tag abzurunden „with a big piece of smoked or fried fish at one of the fish stalls at the end of the promenade“.

    Steffi Böttger Rostock in One Day, Lehmstedt Verlag, Leipzig 2016, 4,95 Euro.

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