Die sponnen gar nicht, die Römer

Ein kleines Erweckerbüchlein für Knoblauchesser

Für alle LeserÜber Knoblauch ist eigentlich fast alles gesagt. Die Knolle ist gesund und wenn man jeden Tag zwei rohe Zehen verzehrt, wird man 110 Jahre alt. Da hat man dann zwar nicht mehr viele Freunde, es sei denn, die futtern auch alle jeden Tag ihre Knoblauchzehen. Aber man ist noch da und kann die jungen Tattergreise ärgern, indem man Kamellen aus seiner Jugend erzählt. Damals, weißte noch, als ich mit Bismarck ...?

Heute weiß man, dass es nicht nur die Vitamine A, B, C und so weiter sind, die die Knolle so wundersam machen, sondern vor allem das Allicin. Da hab ich gleich mal weiter geschaut, denn das verrät Ute Scheffler in ihrem Büchlein nicht: Es sind die Zerfallsprodukte des Allicins, die erst den speziellen Knoblauchduft ergeben.

Aber alles passt ja auch nicht in so ein Büchlein. Immerhin gilt es, noch die 5.000-jährige Vorgeschichte des Knoblauchs zu erzählen, den sich die Pharaonen mit ins Grab geben ließen und die römischen Soldaten in einem gesunden Brotaufstrich namens Moretum gleich zum Frühstück reinzogen, bevor sie ein paar Gallier und Germanen niedermetzelten. Vielleicht haben Goscinny und Uderzo ja nur was falsch verstanden beim Studium des alten Cäsar: Es sollte wohl nicht Zaubertrank heißen, sondern Zauberpaste. Und es waren die Römer, die sie sich aufs frisch gebackene Weißbrot schmierten, nicht die Gallier. Motto: Knoblauch besiegt Wildschwein.

Worauf Ute Scheffler nicht weiter eingeht. Denn bekanntlich holten sich Gallier und Germanen den Knoblauch in die eigenen Gärten und Küchen. Die Geschichte nahm eine andere Wendung. Und heute gibt es nicht nur eine chemische Analyse dessen, was im Knoblauch alles wirkt und riecht. Es gibt auch etliche Rezepte, wie man sich Säfte, Breichen und Elixiere für die Hausapotheke aus Knoblauch oder mit Knoblauch herstellen kann. Womit sich der Knoblauch natürlich einreiht in die Vielzahl hilfreicher Kräuter und Knollen, die bei der Gesundheit helfen können.

Natürlich gibt es auch Informationen über die Vielfalt der erhältlichen Knoblaucharten, über Lagerung und Einsatz in der Küche, bevor es losgeht auf Seite 47 mit lauter Rezepten mit Knoblauch drin – von seiner Verwendung in scharfen Dipps übers sehr heutig wirkende Moretum, Lombardisches Rührei und Oma Friedas Knoblauchsuppe bis hin zu Knoblauchkartoffeln, Bauern-Risotto und Pasta à la Mama. Es ist wie immer: Rezepte und Fotos regen den Appetit an. Vielleicht sollte man dem Verlag einfach empfehlen, eines der Rezepte einfach schon mal aufs Vorblatt zu drucken mit allen nötigen Mengenangaben, dann kann man das Knoblauchgericht schon mal brutzeln lassen, während man sich im Büchlein hungrig liest.

Zum Beispiel das mit den würzigen Bratkartoffeln, bei dem erstaunlicherweise ein paar Sardellen den Weg in die Pfanne antreten. Die Sardellen haben uns schon vorher beim Zwiebelkuchen überrascht. Darauf muss man erst mal kommen, dass sich diese neugierigen Fischlein auch in solche Gerichte verirren können. Aber vielleicht mögen sie ja Knoblauch besonders und man wird sie gar nicht mehr los, wenn man sich die Zwiebelverwandte erst mal in einem großen Topf auf dem Südbalkon herangezüchtet hat? Ja, zum Eigenanbau von Knoblauch im Garten und auf dem Fensterbrett gibt’s auch ein paar Tipps.

Und wer Tiere mag, kann dann ungefähr bei den Bratkartoffeln aufhören zu blättern, danach kommen dann nur noch die tragischen Geschichten von Kaninchen, Lämmchen, Kälbchen und Hähnchen, denen die beigegebenen 40 Knoblauchzehen natürlich gar nicht zu einem längeren Leben verholfen haben. Das haben nur die Vertilger dieser würzigen Fleischgerichte, erst recht, wenn sie aufs Hähnchen verzichten und dafür den Knoblauch verspachteln. Denn die Knoblauchzehen werden ja mitgebrutzelt im Ofen und dürfen hinterher frisch aufs beigelegte Brot gedrückt werden.

Ein ziemlich anregendes Büchlein, das wieder mal zeigt, dass man mit Zwiebeln und ihren Verwandten nur kreativ umgehen muss, und schon wird man 110 und lacht sich eins über die ganzen Leute, die zwischendurch mit phantasielosem Fastfood alle weggestorben sind. Wer Grips im Kopf hat, legt sich keine Hanfplantage an, sondern ein Gärtchen mit Knoblauch, den man zwischen Erdbeeren, Möhren und Gurken prima verstecken kann.

Ute Scheffler Knoblauch, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2017, 5 Euro.

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