Teil 2: Wie roch denn eigentlich die Boomtown Leipzig?

Für alle LeserEs gibt zwar viele Monografien, die den Glanz dieses prosperierenden Leipzig der „Gründerzeit“ beschreiben. War ja auch alles atemberaubend und eindrucksvoll. Aber gerade im Detail merkt man auch in dieser dicken Stadtgeschichte, dass sich da in der Vergangenheit so mancher Autor vom Jubel hat blenden lassen. Und so taucht hier skizzenhaft neben dem alten, vergoldeten Selbstbild der „Boomstadt“ das Bild eines viel realeren Leipzig auf, das viel spannender ist, weil es wieder zum menschlichen Alltag zurückkehrt.

Denn bevor man über die großen sozialen Wohnprojekte spricht (über die in den letzten Jahren viel geschrieben wurde), muss man sich mit dem eigentlichen Wohnelend in der Stadt beschäftigen, was bisher nur wenige Forscher getan haben. In Blitzlichtern taucht es auf, wenn von der Tagelöhnerarmut im Seeburgviertel berichtet wird oder von den überbelegten (und überteuerten) Mietskasernen, in denen die Leipziger Industriearbeiter lebten, während sich die Reichen ihre durchaus eindrucksvollen Villen an der Tauchnitzstraße oder der Käthe-Kollwitz-Straße bauten.

Und da taucht mehrfach ein Mann als Gewährsmann auf, der den Widerspruch der Zeit wie kein anderer in sich vereinte: Traugott Ernst Friedrich Hasse, Leiter des Leipziger Statistikamtes, Reichstagsabgeordneter der Nationalliberalen, aber auch ein stark völkisch und kolonial argumentierender Mann. Aber gerade er war es, der die Arbeit mit Zahlen und Fakten ernst nahm und die erschreckenden Wohnverhältnisse der Industriearbeiter und Tagelöhner thematisierte und Lösungen anmahnte.

Wobei die Abschreckungspolitik gegen Zugezogene vor allem von der sächsischen Staatsregierung betrieben wurde. Oder mal Michael Schäfer zitiert: „An die Ortspolizeibehörden in Sachsen ging die Anweisung, alle Arbeiter ohne Legitimationskarte auszuweisen und die Namen der Ausgewiesenen im Gendarmerieblatt bekanntzumachen. Das Sesshaftwerden der ausländischen Polen sollte in jedem Fall verhindert werden.“

Das klingelt einem dann doch in den Ohren. Vor allem, weil es behördlicher Unfug und Mumpitz war, denn die polnischen Arbeitskräfte wurden gerade in der sächsischen Landwirtschaft dringend gebraucht. Aber das Denken ist einem irgendwie vertraut: Zum Arbeiten dürfen sie kommen, aber dableiben sollen sie nicht.

Aber gerade in Leipzig war das schierer Humbug, denn die wachsende Industriestadt brauchte jede Arbeitskraft, die zuwanderte. Das Resümee von Schäfer: „Letztlich konnten alle Maßnahmen die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte nicht verhindern.“

Oder mal so formuliert: Das späte 19. Jahrhundert ist ein schönes Lehrstück darüber, warum konservative Ordnungspolitik hinten und vorn nicht funktioniert. Nicht weil irgendwie die Sozis und Liberalen dazwischenfunken, sondern weil alles, was Menschen tun, wirtschaftlich bedingt ist. Wirtschaftsentwicklung bestimmt, wie viele Menschen in einer Stadt ihr Auskommen finden, wie viel Forschung an einer Universität stattfindet (und Leipzigs Universität entwickelte sich in diesen erstaunlichen 40 Jahren zu einer Forschungsuniversität der Weltspitze, was ja bekanntlich die später aufkommenden Nazis gnadenlos zerstörten), wie gut das Schulwesen ausgebaut ist, wie viel Kultur sich etablieren kann, wie sich das Lebensniveau der Arbeiter und Arbeiterinnen entwickelt usw.

Da vergisst man fast, dass es ja auch noch ein ausgeprägtes Militärwesen gab, ein gigantisches Vergnügungsangebot und für alle sichtbar wachsende Umweltprobleme. Was ja bei den üblichen Leipziger Märchenerzählungen um Dr. Schreber und seine Gärten fast immer vergessen wird: dass das eigentlich als eine große Rettungsaktion für die Kinder der Proletarier begann, die in den ungesunden Wohnungen in der alten Stadt zu wenig Luft, Sonne und Bewegung bekamen. Schrebergärten wurden daraus erst in den Hungerzeiten, als die armen Familien die Parzellen am Rand der Turnplätze zur Erzeugung dringend benötigter Nahrungsmittel nutzten.

Der Braunkohlebergbau wird kurz gestreift. Fast wünschte man sich zusätzlich zu den bereichernd eingesetzten „Schlaglichtern“ in den Kapiteln auch noch erzählerische Schilderungen. Denn natürlich sind die aus Akten herauslesbaren Fakten und Statistiken erst einmal trocken, auch wenn sich viele Autorinnen und Autoren Mühe geben, das Leben in der Stadt da und dort lebendig werden zu lassen. Der kurze Blick in die überbelegten, ungesunden und übelriechenden Arbeiterwohnungen macht es ja nur zu deutlich.

Und dabei hatte Leipzig ja schon modernere Trinkwasserleitungen und eine Kanalisation. Aber bis 1894 flossen die Abwässer der Stadt ungeklärt in die Flüsse. Es muss barbarisch gestunken haben. Anett  Müller: „Die immer größer werdenden Abwassermengen beeinträchtigten die Flüsse massiv und nachhaltig. Sie konnten sich nicht mehr selbst reinigen, die zugeleiteten Abfallstoffe faulten und entzogen Sauerstoff, sodass es zu einem Fischsterben kam.“

Damals begannen die Leipziger damit, die ersten Mühlgräben zu überwölben und das Pleiße-Elster-Auensystem zu regulieren. Nicht nur aus Hochwasserschutzgründen sondern auch aus hygienischen. Man wünschte sich praktisch direkt daneben eine Statistik der Epidemien in der Stadt.

Aber dann wiegt man das Buch in der Hand: Nein, es passt wirklich nicht alles in einen auf 1.000 Seiten konzipierten Band. Und die Leipziger Stadtforscher wollen ja auch noch was zu tun haben. Das Wörtchen Desiderat taucht in mehreren Beiträgen auf. Das sind Forschungsbestände, die einfach noch nicht aufgearbeitet sind.

Und selbst beim Thema Kanalisation wird das sichtbar, wenn man (eher beiläufig) erfährt, das sich zwar die vielen tausenden Arbeiterfamilien zumeist einfach aus Kostengründen in den Gemeinden jenseits der Stadtgrenzen ansiedelten und dort in Windeseile ganze Wohnquartiere aus dem Acker gestampft wurden, praktischerweise gleich neben den rauchenden Schloten der Fabriken in Schleußig, Plagwitz, Reudnitz – aber meist mussten sich die Bewohner ihr Trinkwasser noch vom Brunnen holen und ein Schleusensystem wie in Leipzig gab es auch noch nicht. Das gab es erst, als die Gemeinden – oft nach jahrzehntelangem dringenden Betteln – endlich eingemeindet wurden.

Aber genau an solchen Punkten wird das Leben in der damaligen Stadt sichtbar. Und dass die Forschung zu den eingemeindeten Orten ebenfalls zu großen Teilen noch Desiderat ist, wissen die emsigen Historiker. Viel zu lange hat sich Leipziger Stadtgeschichte immer nur auf die alte Innenstadt konzentriert und keinen Blick gehabt für die radikalen Umwälzungen in den einstigen Dörfern drumherum. Mittlerweile wissen die Forscher zwar, dass es herrliche Statistiken zu Dampfmaschinen samt PS-Zahl in den Fabriken gibt. Aber selbst das scheinbar gut erforschte Thema Verkehr ist voller Lücken.

Während das Eisenbahnwesen und die Geschichte der Straßenbahn gut erforscht sind, merkt man gerade beim letzten Bild im Buch (zwei Doppeldeckerbusse am Völkerschlachtdenkmal) auf einmal auf und merkt: Über die beginnende Motorisierung in der Stadt hat man ja gar nichts gelesen, nichts über Taxis und Droschken, nur mal kurz was über das Leipziger Automodell Dux. Aber auch nichts über Pferde in der Stadt und innerstädtische Lastentransporte, das, was in heutigen Leipziger Diskussionen als Wirtschaftsverkehr beschrieben wird.

Dem Fahrrad ist zwar ein sportliches Kapitel gewidmet – aber als Alltagstransportmittel taucht es nur kurz auf: Mit einem Radfahrverbot in der Peters- und der Grimmaischen Straße. Nicht weil das mit dem Fußverkehr kollidierte, sondern weil die meisten Leipziger Angestellten augenscheinlich mit dem Rad unterwegs waren, was zu einer Radfahrerüberlastung in der Innenstadt führte.

Das sind – natürlich – immer die schönsten Stellen in so einem Buch, die Stellen, an denen das reale Leben der Stadtbewohner greifbar wird, an denen auch direkte Vergleiche mit dem eigenen Leben möglich sind. Beim Thema der damals modern werdenden Kaufhäuser wird auf einmal schon so früh das Konsum(rausch)dilemma der Gegenwart sichtbar. Mit den Beiträgen zum Völkerschlachtdenkmal wird das Dilemma des Kaiserreichs greifbar, das seinen Patriotismus auch hier in der heroischen Pose suchte.

Mit den Blicken auf Musik und bildende Kunst zum Jahrhundertende wird sichtbar, wie sehr eine kleine, stockkonservative Minderheit auch den Kunstgeschmack dominierte – natürlich über das Geld. Das dicke Geld ist nun einmal oft bei Leuten, die nicht nur eine konservative Weltsicht haben, sondern auch einen ebensolchen Kunstgeschmack.

Und wenn dann der 1914 verstorbene Carl Felsche zwar Geld an die Stadt zum Ankauf von Gemälden vermacht, aber nur „wirkliche Kunstwerke“ gekauft sehen will und „keine Schmierereien“ von Klinger, Meunier oder Corinth, ahnt man, wie lähmend das auf der Stadt lastete. In diesem Fall lehnte die Stadt die Schenkung ab. Das ging wirklich zu weit. Gerade bei Klinger hatte man sich längst besonnen und war auch bereit, richtig Geld auszugeben, um die Arbeiten dieses Leipziger Künstlers auch fürs Bildermuseum zu sichern.

Solche Stellen sind wie kleine Seitenausgänge, die geradezu einladen, hier mal kurz durchzuschlüpfen, obwohl man ganz genau weiß, dass hier noch viel Forschungsarbeit für Leipzigs Stadthistoriker liegt. Das werden wir unter Garantie noch in vielen einzelnen Studien und thematischen Bänden auch aus dem Universitätsverlag bekommen.

Aber wer aufmerksam liest, findet viele solcher Streiflichter auf den knapp 900 Seiten eigentlichen Text, alles thematisch gegliedert und durch einzelne „Schlaglichter“ zu besonders spannenden Personen (Carl Heine zum Beispiel oder Fritz Baedeker) oder besonderen Traditionen, Orten und Ereignissen aufgelockert. Natürlich ist das jede Menge Stoff, deshalb gibt es auch ein ordentliches Register dazu, damit man sich auch anhand von Personen oder Stichworten schnell einfinden kann. Und natürlich ist auch dieser Band gespickt mit Bildern. Das Auge darf abschweifen.

Am Ende weiß man, wie dicht gepackt dieses „lange 19. Jahrhundert“ war. Und dass bis 1911 auch nichts darauf hindeutete, dass dieses Land im Aufschwung in einen blutigen Krieg marschieren würde. Was einen an die Mediengeschichte der Stadt erinnert, die auch immer nur kurz gestreift wird, weil in Leipzig damals mehrere Zeitungen und Zeitschriften zu Hause waren, die deutschlandweit ausstrahlten – von den „Grenzboten“ über die „Illustrierte Zeitung“ und die „Gartenlaube“ bis hin zu den Musikfachschriften und den aufkommenden Tageszeitungen.

Ein Desiderat? In gewisser Weise schon, auch wenn es einzelne Monografien schon gibt. Aber der eben gerade erwähnte 1. Weltkrieg ist ohne mediale Vorarbeit nicht denkbar. Gerade die Zeit nach 1871 ist geprägt von vielen Entwicklungen in die Moderne hinein, die uns heute noch tagtäglich beschäftigen.

Die Dreiteilung im Buch (1815 bis 1830, 1830 bis 1871 und 1871 bis 1914) macht zumindest deutlich, dass man es in diesem kurzen Zeitabschnitt mit drei sehr verschiedenen Städten zu tun hat. Als hätte sich Leipzig in diesem Jahrhundert mindestens zwei Mal gehäutet und nach jeder Häutung anders ausgesehen, sich anders angefühlt, auch eine ganz andere Atmosphäre gehabt. Und das ist nicht nur der beschleunigte Prozess hin zur Großstadt. Das ist eine Veränderung auf allen Ebenen – und eine stetige Ausdifferenzierung der Stadtgesellschaft. Berufe verschwanden, neue kamen dazu. Aus Wahlvereinen wurden Parteien – einige davon so radikal, dass man ebenfalls wieder an das Getöse der Gegenwart denkt.

Also jede Menge Lesefutter für alle, die so ein Gefühl dafür bekommen wollen, wie aus einer (nur scheinbar verschnarchten) Biedermeierstadt eine lärmende und nimmerruhende Großstadt werden konnte, die einer ganzen Region ihren Stempel aufdrückte.

Susanne Schötz Geschichte der Stadt Leipzig, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2018, 49 Euro.

Stadtgeschichte
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