150 Jahre Möbel vom Rabenauer Burgberg: Wie aus einer alten Ritterburg ein bis heute erfolgreiches Möbelwerk wurde

Für alle LeserEs gibt wohl derzeit niemanden in Sachsen, der mehr über die sächsische Möbelindustrie und ihre Geschichte weiß als der Historiker Thomas Nabert. Schon 2014 hat er sich mit dem großen Übersichtswerk „Möbel für alle“ tief hineingekniet in die Geschichte der sächsischen Möbelbauer, damals für das Deutsche Stuhlbaumuseum in Rabenau. Und auch diesmal ging die Reise nach Rabenau. Auf den Rabenauer Burgberg.
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Die Burg dort sucht man im kleinen 4.000-Einwohnerstädtchen Rabenau (zu dem seit der Eingemeindung 1994 auch Oelsa gehört) inzwischen vergeblich. 1869, dem Jahr, in dem die Geschichte der Möbelfabrik auf dem Burgberg begann, waren die Ruinen der Burg noch zu sehen. Natürlich lässt Nabert auch den Ausflug in die Vorgeschichte nicht weg, als das Gebiet östlich von Dresden den Burggrafen von Dohna gehörte, die sich über 200 Jahre mit allen Mitteln gegen die unersättlichen Wettiner wehrten. Dazu gehörte auch der Bau mehrerer Schutzburgen in ihrem Herrschaftsgebiet. Eine davon war die Burg Rabenau über dem Oelsbachtal. Noch heute ist der oben auf dem Bergsporn thronenden Möbelfabrik anzusehen, was für ein idealer Ort das zum Bau einer Burg war.

Die Burg wurde in der Dohnaschen Fehde von den Wettinern erobert, die Burggrafen von Dohna wurden niedergeworfen und bis ins 19. Jahrhundert verlor die Burg erst ihren Wehrcharakter, später auch ihre Funktion als Amtssitz. Zuletzt wurde sie gar zum Spielball diverser Immobilienkäufer, die den Rest immer weiter herunterwirtschafteten, bis es eigentlich egal war, auch noch den Rest zu überbauen. Das geschah ab 1866, als der Rabenauer „Fabrikant“ Carl August Ferdinand Reuter das Freigut auf dem Burgberg kaufte und die Gebäude zu Manufaktur- und Wohngebäuden umbaute, den Grundstock der 1869 gegründeten Sächsischen Holzindustrie-Gesellschaft, die für dieses dicke Jubiläumsbuch den Beginn darstellt.

Reuter war eigentlich anfangs kein Fabrikant im heutigen Sinne, denn er fabrizierte noch keine Möbel, sondern agierte für die vielen in Rabenau ansässigen Möbelbauer als Zwischenhändler. Dabei hatte er sich fast ohne Schulbildung alles selbst angeeignet. Das kaufmännische Talent muss ihm angeboren gewesen sein, denn mit seiner Fähigkeit, ein verlässliches Handelsnetz für die Rabenauer Möbelstücke aufzubauen, war er auch für seine Zeit ein Pionier. Und entsprechend auch umstritten.

Denn wahrscheinlich murrten die Rabenauer Möbeltischler auch ein wenig zu Recht, wie er die Abnahmepreise für ihre Möbelstücke drückte und dabei selbst so reich wurde, dass er schon frühzeitig ganze Häuser in Rabenau aufkaufen konnte, um darin Möbellager einzurichten. Andererseits garantierte er ihnen die Abnahme großer Stückzahlen in einer Zeit, wo es dem einzelnen Möbeltischler praktisch nicht möglich war, selbst mit seinem Sortiment über Land zu ziehen. In Vorzeiten – das hat Nabert ja schon in „Möbel für alle“ erzählt – mussten die Rabenauer ihre Stühle zu Fuß, auf dem Rücken oder auf dem Schiebbock, nach Dresden transportieren und bekamen dabei mit den Dresdner Möbelbauern heftigen Ärger.

Reuter steht also nicht nur für einen neuen Unternehmertypus, er steht auch für den Beginn der sächsischen Möbelindustrie, die genau in dieser Zeit davon profitierte, dass das Thonet’sche Patent zum Verformen von Holz auslief und nun auch Fabriken außerhalb Böhmens Stühle nach dem Thonet’schen Verfahren herstellen konnten. Da war Reuter nicht der einzige.

Aber der junge Markt des sich ausbildenden Kleinbürgertums war so attraktiv, dass in ganz Sachsen hunderte Möbelfabriken aus dem Boden sprossen, die im Lauf der Gründerzeit auch vermehrt von der alten Werkstattproduktion zur Arbeitsteilung und der Nutzung dampfgetriebener Maschinen übergingen. Der Burgberg wurde immer mehr mit Werksgebäuden überbaut, eine Seilbahn schaffte Verbindung zum Holzlager unten im Tal und im Grunde war die „Große Bude“ auf dem Berg bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein ein Erfolg.

Aber 1911 geriet die Holzindustrie-Gesellschaft in die Krise und wurde in den Folgejahren liquidiert, sodass das Werksgelände 1925 leerstand, als es der Möbelfabrikant Oskar Wolf aus Oelsa kaufte, der dann auch mit neuen Gebäuden und neuen Maschinen auf dem Burgberg wieder eine Möbelproduktion aufbaute. Sein Ende kam 1945, als er von den sowjetischen Besatzern verhaftet und in eins ihrer Internierungslager gesperrt wurde, wo er wahrscheinlich zu Tode kam. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt, seine Fabrik wurde enteignet und ging später als VEB in den immer größer werdenden Möbelkombinaten der DDR auf.

Und so wenig, wie sich Nabert scheute, die politischen und die daraus folgenden wirtschaftlichen Entwicklungen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im anschließenden NS-Reich zu schildern, so wenig scheut er sich auch vor der Möbelindustrie-Geschichte der DDR, in der der Rabenauer Betrieb immer eine tragende Rolle spielte. Er stellte nicht nur hochwertige Möbel für die DDR-Bevölkerung her, von denen heute wohl noch tausende Stück in ostdeutschen Wohnstuben stehen dürften, er stellte auch gefragte Produkte für den Export her und war zuletzt auch einer der wichtigsten Lieferanten von IKEA in der DDR.

Was wohl ein Glücksfall war für die Fabrik auf dem Burgberg, denn daher verfügte sie 1989 nicht nur über intakte Gebäude und (weil Exportbetrieb) einen modernen Maschinenpark, sie hatte auch ein belastbares Netz von Handelsbeziehung in den Westen. Etwas, was viele andere DDR-Betriebe nicht hatten, die oft schon deshalb bald jegliche Produktion einstellen mussten, weil ihre Handelspartner alle im Osten, gar in der Sowjetunion saßen. Diese Exportgeschäfte erledigten sich mit der Einführung der D-Mark im Sommer 1990 praktisch von heute auf morgen.

Ein Umstand, auf den Nabert ziemlich deutlich eingeht, weil heute immer wieder gern vergessen wird, dass es nicht die Treuhand war, die der DDR-Wirtschaft das Licht ausblies, sondern einerseits ein über Jahrzehnte erfolgtes Abwirtschaften ganzer Fabriken, die 1989 praktisch schon technisch 30 Jahre veraltet waren, zum anderen durch die Einführung einer harten Währung, die Produkte aus DDR-Betrieben im Sommer 1990 über Nacht drei Mal teurer machte. Der damalige Bundesbankpräsident benannte die Brisanz dieser Währungsunion für die DDR-Wirtschaft fast als einziger.

Der Glücksfall für Rabenau war das noch relativ junge und unternehmungslustige Management, das das Werk auf dem Burgberg tatsächlich kaufen konnte und dem es in den nächsten Jahren tatsächlich gelang, die Polstermöbel Oelsa GmbH mit modernen und gefragten Möbelkollektionen am Markt platzieren zu können. Sodass die Polstermöbel Oelsa GmbH, die auch dieses faktenreiche Buch herausgegeben hat, zu den wenigen Vorzeigebetrieben in Sachsen gehört, die die „Wende“ tatsächlich überlebt haben und noch heute zeigen können, zu was ein unternehmerischer Mittelstand fähig ist.

Und da Thomas Nabert auch auf das Betriebsarchiv und das Archiv des Stuhlbaumuseums Rabenau zurückgreifen konnte, ist der 450 Seiten starke Band auch reich mit Fotos gespickt, die neben der Entwicklung des Werkgeländes auch Einblicke in die Produktion zu den unterschiedlichen Zeitabschnitten ermöglichen, dazu reich bebilderte Produktkataloge aus allen geschilderten Zeitepochen, sodass der Leser einen Eindruck bekommt, wie rasant sich die Möbelstile und Wohnbedingungen der Käufer in dieser Zeit änderten. Denn einige der Zeitabschnitte waren ja durch deutliche Wohlstandsschübe gekennzeichnet, die einerseits mit vermehrtem Wohnungsbau in den Städten einhergingen, aber eben auch mit einem wachsenden Bedarf an praktischen oder auch repräsentativen Möbeln für die neu entstehenden Haushalte.

Immer wieder gibt es auch Seitenblicke auf die anderen, kleineren Möbelproduktionsstätten in Rabenau, Oelsa und Umgebung, wo die Möbelmacher seit Jahrhunderten zuhause sind. Auch in Rabenau selbst gab es mehrere kleine Möbelfabriken, die lange Zeit neben der „Großen Bude“ existierten, bis auch noch die letzten dann in der DDR den immer unübersichtlicheren Möbelkombinaten inkorporiert wurden. Auch hier wird wieder deutlich, wie fatal die gnadenlose Durchsetzung der Planwirtschaft für die DDR tatsächlich war. Am Beispiel von Oskar Wolf wird zwar deutlich, dass der Kampf gegen das Unternehmertum in erster Linie ideologisch geprägt war – die neuen Besatzer wollten eine Quelle möglichen Widerstandes radikal ausmerzen.

Aber mit den Unternehmern verschwand aus den meisten Betrieben auch die Selbstverantwortung und der Wille, unter gegebenen Umständen dennoch eine erfolgreiche Produktionsstrecke auf die Beine zu stellen. Andreas Käppler, der letzte Betriebsleiter, steht für die Ausnahme, konnte er 1990, als es an die Privatisierung ging, immerhin schon auf eine jüngere erfolgreiche Betriebsgeschichte zurückblicken. Und er konnte die Belegschaft überzeugen, den Weg mitzugehen, auch wenn 1990 überhaupt noch nicht klar war, was für harte Jahre noch kommen würden.

Aber auch das Ende des Buches zeigt, dass die harten Jahre für Unternehmer eigentlich nie zu Ende sind. Heute sind es die fatalen Auswirkungen einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Globalisierung und einer überbordenden Bürokratie, die den sächsischen Mittelständlern zu schaffen machen.

Entstanden ist so eine 150-jährige Betriebschronik, die in der sächsischen Wirtschaftsgeschichte der Gegenwart wohl ihresgleichen suchen dürfte. Aber wahrscheinlich braucht es wirklich ein erfolgreiches Unternehmen, das zum großen Jubiläum beschließt, die eigene Geschichte einmal in ein dickes Buch packen zu lassen. Was natürlich mit den tausenden Betrieben, die nach 1990 von der Landkarte verschwunden sind, gar nicht mehr geht. Da bräuchte es eher staatliche Forschungsprogramme, um diesen (verschwundenen) Teil der sächsischen Wirtschaftsgeschichte aufzuarbeiten.

Was nicht einmal beschämend wäre. Denn an den „fleißigen Sachsen“ liegt es ja nicht, dass dieses Land 1990 kaum noch konkurrenzfähig war. Das hatten andere Leute verbockt. Und dazu gehören auch die nach 1945 völlig ungleich verteilten Reparationslasten in den einzelnen Besatzungszonen. Allein Sachsen hat mehr als doppelt so viele Fabriken durch Demontage verloren als alle drei westlichen Besatzungszonen zusammen.

Und diesen Basisrückstand hat die DDR bis zum Schluss nicht wieder aufholen können. Deswegen sind Unternehmen wie die Polstermöbel Oelsa GmbH auch ein beinah ermutigendes Beispiel dafür, dass es eben doch gelingt, so ein Unternehmen über die Zeiten zu retten, wenn ein paar ganz materielle Voraussetzungen gesichert sind. Aber das hat auch die Treuhand erst nach drei Jahren so richtig begriffen. Aber da war es zu spät.

Thomas Nabert „150 Jahre Möbel vom Rabenauer Burgberg“, Pro Leipzig, Leipzig 2019, 49 Euro.

Möbel für alle: Ein massives Stück Buch zu einem gar nicht (nur) hölzernen Thema

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