Erwachsenwerden hinter Gittern: Wie Falk Mrázek 1978 mutig Knast riskierte, um den Weg in die Freiheit zu finden

Für alle LeserNancy Aris hat recht, wenn sie im Vorwort zu diesem Buch betont, dass die öffentlichen Erinnerungen an die DDR auseinanderfallen. Die einen meinen, sie hätten nichts auszustehen gehabt. Die anderen können von Repressionen erzählen, die ihr ganzes Leben verändert haben. Manchmal staunt man schon, wie wenig manche Menschen wirklich mitkriegen vom eigenen Leben. Die Geschichte von Falk Mrázek erzählt davon, dass die Verklärung eigentlich nur funktioniert, wenn man die Begegnungen mit der Staatsmacht völlig verdrängt.

Natürlich erzeugen Diktaturen auch ihre Schönwetterstimmung. Sie schaffen Gruppenzugehörigkeiten und Rituale, meist auch – wie in der DDR – überwältigende Bilder von Solidarität und einer lichten Zukunft. Nur hinterfragen durfte man sie nicht. Dann bekam man Probleme mit dogmatischen Lehrern und Vorgesetzten, landete man unversehens in geradezu kafkaesken Situationen. Und die Wahrheit ist auch: Das wussten alle Bewohner des ummauerten Ländchens. Sie konnten es zwar verdrängen.

Aber jedem Kind wurde von seinen Eltern frühzeitig beigebracht, in der Öffentlichkeit anders zu sprechen als zu Hause, sich vor Polizisten und Parteisekretären zu hüten, lieber den ganzen Quatsch im Staatsbürgerkundeunterricht runterzuleiern und die Konfrontation zu vermeiden. Vielleicht in kritischen und gläubigen Elternhäusern noch etwas stärker als in atheistischen und eher opportunistischen.

Denn Dogmatismus ist etwas, das der kleine Herr K. nicht erfassen kann. Dogmatismus reagiert unberechenbar, wenn er infrage gestellt wird. Und er schafft sich seine dienstbaren Gralshüter und Uniformträger, die auf jede Abweichung mit ihren Systematiken der Überwältigung und Bestrafung reagieren.

Wer ihre Aufmerksamkeit weckte, wurde sie nicht mehr los, der wurde zum Beobachtungs- und Erziehungsobjekt.

Und während das vielen sensiblen, schlicht neugierigen und kreativen Menschen geschah, ohne dass sie es je darauf angelegt hätten, Stasi und Parteibonzen zu reizen, suchten andere diese Konfrontation, weil sie mit diesem Staat nichts mehr zu tun haben wollten. Unter ihnen natürlich all jene, die Erich Honeckers Unterschrift unter die Schlussakte von Helsinki 1975 wirklich ernst nahmen, die ja sogar im „Neuen Deutschland“ abgedruckt worden war. Wenn der Staatschef diese Schlussakte unterzeichnet, dann bedeutet das doch wohl auch, dass die darin verbrieften Rechte auch für jeden DDR-Bürger gelten, oder?

Falk Mrázeks Eltern jedenfalls nahmen die Sache ernst und stellten einen Ausreiseantrag zur „Familienzusammenführung“. So wie tausende andere DDR-Bürger in dieser Zeit auch. Und sie erlebten dann, dass die Behörden ganz und gar nicht geneigt waren, diese Anträge zu befürworten. Man ließ die Antragsteller schmoren, sorgte auch gleichzeitig dafür, dass ihre beruflichen Karrieren endeten oder – wie im Fall von Falk Mrázek – die Schullaufbahn. Ein Einser-Zeugnis am Ende der 10. Klasse genügte nicht mehr, auch noch die Abiturstufe zu besuchen. Der Traum vom Studium war geplatzt.

Und während der Junge aus Bischofswerda gezwungenermaßen eine Lehre begann, begannen in ihm auch Pläne zu reifen, mit einem gewissen Druck Bewegung in die Sache mit dem familiären Ausreiseantrag zu bringen. Kurz vor seinem 18. Geburtstag fuhr er nach Berlin und drang direkt am Brandenburger Tor in den Grenzsicherungsstreifen ein, wurde logischerweise verhaftet und bald wegen versuchter Republikflucht angeklagt.

Und wahrscheinlich hätte er nie dieses Buch geschrieben, wenn ihn nicht Volker Bausch bei einem Besuch im einstigen Stasi-Gefängnis auf dem Kaßberg in Chemnitz dazu überredet hätte, seine Geschichte aufzuschreiben. Denn wenn diese Geschichten nicht erzählt werden, verschwinden sie aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis, wird die DDR weiter verharmlost und wird bei Menschen, denen das Engagement in der Demokratie fremd ist, zum Sehnsuchtsort.

Sie können sich nicht vorstellen, wie abgeschlossene Regime funktionieren. Sie können sich augenscheinlich auch die lähmende Stimmung in der DDR nicht mehr vorstellen, die sich 1989 so vehement entlud.

Da war Falk Mrázek längst im Westen, hatte sich seinen Traum von Abitur, Studium und Journalistenlaufbahn erfüllt.

Aber als er sich 1978 auf den Weg nach Berlin machte, wusste er noch nicht wirklich, wie die Untersuchungshaftanstalten, Gefängnisse und Arbeitslager in der DDR aussahen und funktionierten. Denn die waren für die Öffentlichkeit systematisch abgeschirmt. Nur ihr Ruf ging als schwelendes Gerücht durchs Land – Schwedt und Bautzen waren solche Synonyme, die allgegenwärtig waren, die Stasi-Haftanstalt Kaßberg in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) eher nicht. Sie war eher ein Gerücht unter all jenen, die raus wollten aus der DDR und zumindest gehört hatten, dass Menschen, die vom Westen „freigekauft“ wurden, alle über Karl-Marx-Stadt verbracht wurden.

Am Ende landete auch Falk Mrázek auf dem Kaßberg. Aber er ahnte nicht, was er bis dahin alles durchmachen würde. Akribisch schildert er in diesem Buch, wie die Idee zu seiner Aktion am Brandenburger Tor entstand, wie er die Verhaftung und die Tage in der Untersuchungshaft erlebte, die Verhöre, die Gerichtsverhandlung und die Verschickungen in immer neue Haftanstalten mit ihren nach Urin und Desinfektionsmitteln stinkenden Zellen.

Was er überhaupt nicht auf dem Radar hatte, war der Einsatz im Straflager Bitterfeld, wo Strafgefangene unter unzumutbaren Bedingungen in der Chemie-und Aluminium-Produktion eingesetzt wurden – ohne Schutzausrüstungen, mit uralten Maschinen aus der Vorkriegszeit und unter permanenter Gefahr von Bränden und Explosionen.

Und seine Schilderungen vom grauen, smogverdunkelten Bitterfeld erinnern ebenfalls an etwas, was die Leichtgläubigen heute einfach vergessen wollen: Unter welch umweltschädlichen Bedingungen im Chemiedreieck um Bitterfeld produziert wurde und wie die DDR-Wirtschaft auf Verschleiß gefahren wurde.

Zumindest ein Bild zu diesem Straflager gibt es im Buch. Gerade diese Anlagen, die davon erzählten, wie rücksichtslos die Staatsmacht mit ihren Strafgefangenen umging, verschwanden 1990 verblüffend schnell. Und die vielen, die hier unter unwürdigen Bedingungen lebten und arbeiteten, haben in der Regel eben nicht aufgeschrieben, was sie erlebt haben.

Was übrigens an die psychologische Seite dieser Geschichte erinnert: In der DDR selbst waren sie zum Schweigen verdonnert. Und viele leiden unter dem Trauma bis heute. Nicht alle fanden unter den unaushaltbaren Bedingungen Freunde, wie es Falk mit dem älteren Strafgefangenen Peter gelang, der ihn in brenzligen Situationen unter die Fittiche nahm und beschützte. Daraus entstand eine Freundschaft fürs Leben.

Und mehrfach betont der Autor, dass er einem Menschen wie Peter unter normalen Umständen nie begegnet wäre. Eine Aussage, die noch etwas anderes impliziert. Denn ihre Erinnerungen haben fast nur Menschen aufgeschrieben, die auch akademische Bildungsgänge durchlaufen haben. Viele von ihnen später sogar erfolgreich als Forscher, Schriftsteller oder – wie Falk Mrázek – als Journalisten. Es kann durchaus sein, dass gerade die Erinnerungen der eher „bildungsfernen“ Betroffenen, die mit dem Strafregime der DDR aneinandergerieten, nicht festgehalten werden und damit komplett aus der Überlieferung verschwinden.

Denn unübersehbar ist in vielen Veröffentlichungen in dieser Buchreihe des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur auch, dass die meisten Autor/-innen sich ihrer Widerständigkeit und aller Implikationen eines Mutes zum aufrechten Gang schon damals sehr bewusst waren. Sie haben ihr ganz persönliches Verhältnis zum Land, in dem sie lebten, und den Möglichkeiten, ihre Lebensträume darin zu verwirklichen, reflektiert. Weshalb oft auch der Eindruck entsteht, dass der Widerstand in der DDR vor allem von Intellektuellen getragen wurde.

Von Menschen, die sich mit dem So-Seienden nicht abzufinden bereit waren. Und die auch sehr genau empfanden, wie die Mechanismen der Entmutigung, der Schikane und psychischen Zermürbung im Knast und in den Verhören funktionierten. Das wird auch bei Falk Mrázek deutlich, der seine Leser/-innen auch mit hineinnimmt in die langen Phasen der Ungewissheit, in denen Gefangene in der DDR gehalten wurden – ohne konkrete Informationen, was man mit ihnen vorhatte, wie lange sie in den tristen Zellen bleiben würden, ob sich ihr Prozess überhaupt weiterentwickelte.

Was sich dieser junge Mensch, der in der Untersuchungshaft seinen 18. Geburtstag beging, nicht immer gefallen ließ. Immer wieder begehrte er auf, forderte die uniformierten Befehlsträger heraus, nicht wissend, ob das nicht zu weiterer Strafverschärfung führen würde.

Die Hoffnung, am Ende dann doch in den Westen entlassen zu werden, ließ ihn durchhalten. Und im Juni 1979 war seine beklemmende Odyssee dann tatsächlich vorbei, konnte er mit einem jener legendären Reisebusse in den Westen ausreisen.

Ohne die freundliche Aufforderung aus der Kaßberg-Gedenkstätte in Chemnitz hätte er seine Geschichte wohl nie aufgeschrieben, eine Geschichte, die tatsächlich zeigt, wie schmal der Grat war zwischen der friedlichen Koexistenz mit der Staatsmacht und der Begegnung mit all ihren Strafwerkzeugen, die auch deshalb funktionierten, weil sie die Friedlichen und Braven einschüchterten.

Man lernte, die Konfrontation mit der Staatsmacht zu vermeiden. Viele haben das bis heute verinnerlicht. Auch das gehört zur ostdeutschen Geschichte. Die rot-gelbe Buchreihe ist ein sehr lesenswertes Angebot für alle, ihre Scheu vor der dunklen Seite der Wahrheit zu überwinden. Es ist wichtig, gerade wenn Autoren wie Falk Mrázek schildern, wie Widerständigkeit zur Lebensmaxime werden kann.

Falk Mrázek Erwachsenwerden hinter Gittern, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, 12 Euro.

Mut zum Protest: 14 Porträts von Menschen, die sich ihren Widerstandsgeist nicht austreiben ließen

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

RezensionenAutobiografieDDR-Geschichte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Machen Sie die Weinteichsenke endlich zum Naturschutzgebiet
Reste einer Betonbrücke am Weinteichgraben. Foto: BI Markkleeberg-Ost

Foto: BI Markkleeberg-Ost

Für alle LeserEigentlich wissen es auch die gewählten Vertreter in den Kommunen und Landkreisen, dass das Verbauen von Landschaft und der Verlust weiterer Felder und Biotope nicht mehr so weitergehen kann. Nicht nur wegen des Klimawandels, auch wegen des längst unübersehbaren Artensterbens. Was immer geschützt werden kann, muss jetzt unter Schutz gestellt werden. Doch auch in Markkleeberg tut man sich schwer damit, diese Konsequenz zu ziehen. Die Bürgerinitiative Markkleeberg-Ost bekommt jetzt prominente Unterstützung für die Weinteichsenke.
Antonia Mertsching: Ein Grundeinkommen wäre gerade für die sächsischen Kohleregionen ein Zukunftsthema
Das Kraftwerk Boxberg in der Lausitz. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDer Corona-Shutdown hat auch etwas gezeigt, was den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst ist: Wie labil unsere Art des Wirtschaftens ist, wie wenig Stillstand genügt, um ein ganzes System zum Kippen zu bringen, Unternehmen pleitieren und Menschen in Arbeitslosigkeit stürzen zu lassen. Und das, obwohl gleichzeitig hunderttausende systemrelevante Arbeitsplätze nicht besetzt und miserabel bezahlt sind. Doch als kurz die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen aufflammte, waren sofort die Löschtrupps im Einsatz.
Dienstag, der 26. Mai 2020: Sachsen will große Familienfeiern und Busreisen wieder erlauben
Busreisen durch Sachsen könnten bald wieder möglich sein. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBund und Länder haben sich darauf geeinigt, Kontaktverbote und Maskenpflicht bis Ende Juni zu verlängern. Ob es wirklich so kommt, entscheidet aber jedes Bundesland für sich. In Sachsen dürfte es auf die verabredete Linie hinauslaufen, jedoch sind Lockerungen in anderen Bereichen geplant. Neuigkeiten gibt‘s auch zum Schutzschirm für Kommunen und den „Identitären“ in Halle. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 26. Mai 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Kunstraum D21 öffnet wieder: Eine Ausstellung zum menschlichen Körper als Medium und Inszenierung
Corpo. Foto: Melissa Leander Lücking

Foto: Melissa Leander Lücking

Für alle LeserStück für Stück kehrt das gewohnte Leben zurück, wenn auch noch auf längere Zeit unter Auflagen, denn das Coronavirus ist nach wie vor unterwegs. Also gelten nicht nur in Gaststätten und Kabaretts die wichtigen Hygiene-Regeln. Sie gelten auch in Galerien. Doch wenigstens dürfen sie wieder öffnen, auch die kleineren wie der Kunstraum D21 in der Demmeringstraße 21, wo am Freitag, 29. Mai, eine höchst aktuelle Ausstellung eröffnet.
Ein Insbrucker Architekturbüro entwirft neue Kita und Musikakademie am Dösner Weg
So sollen Kita und Musikakademie auf dem Gelände von Gurken-Schumann aussehen. Visualisierung: Snøhetta, Innsbruck, Österreich

Visualisierung: Snøhetta, Innsbruck, Österreich

Für alle LeserSo langsam nimmt das künftige Baugebiet am Bayerischen Bahnhof Gestalt an. Nachdem die ersten Architekturentwürfe zur geplanten Wohnbebauung an der Kohlenstraße schon gezeigt wurden, bekommt jetzt auch die künftige Kindertagesstätte auf dem einstigen Gelände von Gurken-Schumann ein Gesicht. Diesmal hat ein norwegisches Architekturbüro mit Sitz in Österreich den Wettbewerb gewonnen.
Sachverständigenanhörung zum Volksantrag Gemeinschaftsschule bleibt voller Widersprüche
Nicht nur Knaben haben so ihre Probleme mit Sachsens Schulen. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserEs war noch nicht die Entscheidung, auch wenn Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, sich nach der am Montag, 25. Mai, durchgeführten Sachverständigenanhörung zum Volksantrag „Längeres gemeinsames Lernen in Sachsen“ sicher war: „Schulfrieden wird endlich hergestellt“. Tatsächlich konnte sie ja selbst beobachten, dass es nach wie vor große Widersprüche gibt – auch zwischen Volksantrag und Regierungskoalition.
Massive Umsatzeinbrüche bei sächsischen Einzelhändlern und deutliche Zuwächse bei Supermärkten und Online-Handel
Wegen Corona geschlossen: Restaurants, Gaststätten und Hotels sind seit Wochen zu. Die Beschäftigten haben nun mit enormen Lohneinbußen zu kämpfen, warnt die Gewerkschaft NGG. Foto: NGG

Foto: NGG

Für alle LeserAm Montag, 25. Mai, veröffentlichte nicht nur das Bundesamt für Statistik Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal – und animierte Medien wie den „Spiegel“ wieder zu Klamaukmeldungen wie „Coronakrise trifft deutsche Wirtschaft mit Wucht“ – mit Vergleichen, bei denen die überschwänglichen Verfasser gleich mal auf die Weltfinanzkrise von 2008/2009 zurückgriffen. Aber tatsächlich weiß noch niemand, wie heftig die Auswirkungen des Corona-Shutdown wirklich werden.
Stadtwerke Leipzig und Abfallverband gründen neue Projektentwicklungsgesellschaft für erneuerbare Energieerzeugung
Selbst vom Völkerschlachtdenkmal aus zu sehen: die Deponie Seehausen. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAngekündigt hatten es die Stadtwerke Leipzig schon länger, dass sie ihre Anteile an Windkraft- und Solaranlagen ausbauen wollen, um ihren Strommix weiter umweltverträglich zu machen. Manchmal gibt es besondere Gelegenheiten, mit denen ein großer Schritt dazu möglich wird. So wie jetzt, da die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (WEV) darangeht, die künftige Nutzung der Deponie Seehausen im Leipziger Norden zu planen.
Auch die Verluste sind drin: Der erste gesamtdeutsche Atlas der Tagfalter und Widderchen ist erschienen
Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. Foto: UFZ

Foto: UFZ

Für alle LeserSeit 2017, seit der Veröffentlichung der sogenannten Krefeld-Studie, sind die deutschen Umweltforscher hellwach. Sie wussten zwar schon vorher, dass es überall Verluste an Insekten gab, massive Rückgänge und Totalverluste. Aber seit der medialen Berichterstattung zur Krefeld-Studie wissen sie auch, dass sie mit ihren Erkenntnissen nicht hinter dem Berg halten dürfen. Sie brauchen die Öffentlichkeit, um die Politik endlich zu echten Reformen zu bringen. Dazu gehört auch ein neuer Schmetterlingsatlas, den es so vorher nicht gab.
Montag, der 25. Mai 2020: Kretschmer will Kontaktverbote und Maskenpflicht in Sachsen fortsetzen
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Foto (Archiv): Michael Freitag

Foto (Archiv): Michael Freitag

Für alle LeserFolgt Sachsen bald dem Beispiel von Thüringen und verabschiedet sich von Kontaktverboten und Maskenpflicht? Wohl nicht, sagt zumindest Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Unabhängig davon gibt‘s weiterhin ausreichend Corona-bezogenen Diskussionsstoff: zu Demos, Gestaltung des Schulunterrichts und Unterbringung in Asyleinrichtungen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 25. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Broilers Open Airs verlegt auf 2021
Quelle: Semmel Concerts

Quelle: Semmel Concerts

Die wegen der COVID-19-Pandemie durch behördliche Auflagen abgesagten Termine der BROILERS OPEN AIRS 2020 konnten komplett auf das nächste Jahr verschoben werden. Die Band freut sich, nun endlich die Termine für 2021 bekannt geben zu können.
Für eingezäunte Hundewiesen ist einfach kein Platz mehr in Leipzigs Parks
Nur mit Leine: Mit Wuff im Park. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie Idee war eigentlich ganz vernünftig, so aus Hundehalterperspektive: Wenn es umzäunte Hundewiesen gäbe, könnte man den Hund dort einfach von der Leine lassen, der könnte sich austoben und käme dabei spielenden Kindern, Picknickern und Radfahrern nicht in die Quere. Doch dieser Petition abzuhelfen sieht das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport keine Chance. Es gibt einfach zu wenig Platz in Leipzigs Parks.
Sachsens Justiz gerät mitten hinein in einen selbst organisierten Schweinezyklus
Die Altersstruktur der Richterinnen und Richter in Sachsen (Dezember 2019). Grafik: Freistaat Sachsen /SMJus

Grafik: Freistaat Sachsen /SMJus

Für alle LeserDass es in Sachsens Justiz einen derartigen Rückstau an Verfahren gibt, hat vor allem zwei Gründe: Den Personalmangel, der ab 2009 auch die sächsischen Gerichte erfasste, nachdem CDU und FDP ein resolutes Personalsparprogramm aufgelegt hatten, und die Überalterung vieler Richter. Die ist zumindest für den rechtspolitischen Sprecher der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt, ein deutlicher Grund zur Polemik. Denn 1990 gab es ja einen umfassenden Elitenwechsel.
Stadtverwaltung will jetzt doch RBL Media mit dem Putzen der Spritzschutzgeländer beauftragen
„Alle nach Halle“ am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDa hatte sich Leipzigs Verwaltung einiges vorgenommen, als sie die Werbekonzession für die Leipziger Haltestellenhäuschen neu ausschrieb und die Spritzschutzgeländer gleichzeitig extra ausschreiben musste. Seit knapp einem Jahr ist zu beobachten, was passiert, wenn man keine Anschlussregelung findet: Sie werden zunehmend mit Graffiti verschmiert und niemand scheint Kraft und Zeit zu haben, sie zu schrubben. Jetzt soll der neue Werbepartner RBL die Pflege der Geländer doch noch übernehmen.
Grüne beantragen eine echte Reduktion der Lichtverschmutzung als Zielstellung im Leipziger Lichtmasterplan
Nächtlich erleuchtetes Naturkundemuseum an der Lortzingstraße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEine Lichtschutzsatzung für Leipzig gibt es nicht, das sei auch rechtlich nicht möglich, hatte Leipzigs Verwaltung im vergangenen Jahr betont, als sie ihre neue Strategie zum Umbau der Leipziger Stadtbeleuchtung vorstellte. Dabei ging es vor allem um den Ersatz der alten, energieaufwendigen Leuchtkörper durch sparsamere LED-Lampen, aber weniger um eine Minderung der Lichtlast. Auch wenn der Stadtverwaltung schon so ein bisschen bewusst ist, wie sehr Lichtverschmutzung besonders die Insektenvielfalt beeinträchtigt.