Wer eine Reise tut, der kann etwas entdecken. Der kann zu diesem Zweck aber auch ganz gezielt losfahren. Zum Beispiel, um eine Landschaft von lauter mit Herzblut betriebenen Läden zu erkunden, die zeigen, dass die Zukunft vielleicht doch nachhaltiger, regionaler und näher sein kann, als man sich das als gewöhnlicher Supermarktkunde so ausmalt. Dazu muss man freilich ein wenig ins Land hineinfahren. Und man entdeckt eine Menge, wie Manja Reinhardt feststellen kann.
Das Buch, das sie hier nun für den Wartberg Verlag zusammengestellt hat, ist kein Reiseführer. Aber es ist eine gute Anregung, sich tatsächlich einmal auf die Socken zu machen, ein etwas anderes Sachsen kennenzulernen. Beginnend fast vor der Leipziger Haustür und bis in die verschiedensten Regionen des Freistaats führend, wo Hofbesitzer, Handwerker, Brauer und Destillateure lauter Produkte anbieten, die vor Ort erzeugt wurden. Echte regionale Produkte.
Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 82 solcher regional verankerter Läden und Manufakturen, die Manja Reinhardt gefunden hat. Manche schon lange weltberühmt, wie die Pulsnitzer Lebkuchen-Bäcker, die Schnitzer aus Seiffen oder die Spitzenkünstler aus Plauen. Andere Landwirtschaftsbetriebe sind tief in ihrer Region verankert, die in ihren Hofläden zeigen, was eine nachhaltige Landwirtschaft in Sachsen alles erzeugen kann.
Lauter attraktive Ziele in jeder Region
Die meisten Läden und Manufakturen stellt Manja Reinhardt in einem bebilderten Porträt vor, schildert Geschichte, Betreiber und die Besonderheiten im Angebot. Jede Region bekommt so ein kleines Ensemble attraktiver Anbieter – ergänzt um kleinere Tipps für jene Anbieter, die man außerdem noch in der Nähe finden kann.
Und Finden ist ein gutes Stichwort, denn alle Läden und Manufakturen, die Manja Reinhardt gefunden hat, sind nicht nach Regionen sortiert, sondern alphabetisch nach den Orten, wo man sie finden kann – vom Arzbergher Ortsteil Pülswerda, wo man dem Elbweiderind begegnen kann, bis Zwickau mit den Marienthaler Früchtchen. Leipzig ist da zum Beispiel mit Gut und Hofladen „Ernte mich“ in Liebertwolkwitz zu finden.
Und Angebote in der Leipziger Nähe findet man auch in den Markranstädter Ortsteilen Frankenheim und Schkölen mit dem Holzspielzeugmacher Wolfram Liebe und dem Töpferhof Ulrike Rost. Grimma ist mit der Gänsezucht Eskildsen und dem Straußenland Glöckner vertreten, Eilenburg mit dem Trüffeljäger und Torgau mit der Hofmolkerei Bennewitz.
Wer die Leipziger Region kennt, weiß, dass das nicht alles ist, dass hier sogar noch einige Manufakturen und Bio-Höfe mit ihren Angeboten fehlen. Aber gerade das lässt ahnen, wie reich die Landschaft der Anbieter jenseits der großen Supermarktketten immer noch oder schon wieder ist. Und dass es sich tatsächlich lohnt, den ein oder anderen Anbieter fest in sein eigenes Einkaufsprogramm einzubauen, weil es dort Dinge gibt, die es nur hier in der Region gibt. Das können Wurstspezialitäten genauso sein wie die vor Ort hergestellten Liköre, Öle und Biere.
Regional und besonders
Sie alle erzählen vom Stolz derer, die sie herstellen. Aber auch vom besonderen Geschmack der Region. Und natürlich von etwas, was viele mit dem Begriff von Heimat verbinden: dem Gefühl, dass es hier etwas Besonderes und Unverwechselbares gibt. Ob das Süßigkeiten aus der Wehlener Bonbonmanufaktur sind, Ziegenwein aus Radebeul oder Kaffee aus der Kaffeerösterei Plauen …
Gibt es doch auch in Leipzig, sagt der Genießer. Stimmt. Und wieder bekommt man so eine Ahnung: Da gibt es längst viel, viel mehr, das wahrscheinlich den Rahmen eines solchen Buches sprengen würde.
Und was eben zeigt, dass es jenseits der politisch so gern gepriesenen großen „Wirtschaft“ auch längst viele Akteure gibt, die wieder auf lokale Produktion und kleine, lokale Vermarktungswege setzen. Viele Hofläden darunter, auf denen die nachhaltig bewirtschafteten Güter ihre selbsterzeugten Produkte direkt vermarkten. Jeder Laden eine Einladung, sich auf den Weg zu machen, um sich hier regelmäßig mit den Produkten der Region einzudecken.
Aber auch etliche Handwerksbetriebe, die das Besondere im Angebot haben – die Mühle Miltitz in Klipphausen etwa, wo man direkt die hier gemahlenen Gewürze erwerben kann, die Kräutermanufaktur Sagan in Brockau oder die Lindenwerkstätten in Borsdorf – wieder direkt vor den Toren Leipzigs.
Und da vieles gut mit Bahn und Fahrrad zu erreichen ist, ist jeder dieser Orte letztlich ein echter Ausflugstipp. Und dazu noch einer, bei dem man weiß, dass man sich am Ziel den Rucksack vollpacken kann mit lauter Dingen, welche man zu Hause gut gebrauchen kann oder welche die Küche mit Dingen bereichern, die man so nur in der Region findet.
Sodass Manja Reinhardts Buch indirekt eben doch so eine Art Ratgeber für bereichende Ausflüge geworden ist in ein Land, das man meistens nicht mit dieser tatsächlich vorhandenen Vielfalt von Hofläden und Manufakturen in Verbindung bringt.
Aber genau dieses Land gibt es hier zu entdecken, reich bebildert und im Register auch noch nach den diversen Angeboten sortiert und auf einer Sachsen-Karte positioniert, sodass selbst die Karte zeigt, wo es im Freistaat überall etwas zu entdecken gibt.
Manja Reinhardt „Hofläden & Manufakturen. Sachsen“ Wartberg Verlag, Gudensberg 2026, 16 Euro.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:












Keine Kommentare bisher