Sie schielen zwar die ganze Zeit aufeinander, die Regierungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Und sie tun so, als würden sie bei den Kürzungen im Hochschulbereich miteinander reden. Aber tatsächlich ist nicht einmal das abgestimmt. Jeder streicht drauflos, wo er glaubt, es gäbe was einzusparen an seinen Hochschulen. Jetzt droht den Hochschulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt der institutionelle Kahlschlag, warnt der Fachschaftsrat Geographie.

Und das jetzt gemeinsam mit der Vertretung deutschsprachiger Geographie-Studierender (GeoDACH e.V.). Durch eine chronische Unterfinanzierung und die beabsichtigte Schließung von Instituten leiden auch die Studienfächer Geographie und Geowissenschaften.

Wie unkoordiniert da selbst innerhalb Sachsens operiert wird, zeigt der Blick nach Dresden: Die sächsische Landesregierung beabsichtigt, die Lehramtsamtsausbildung der Geographie von Dresden nach Leipzig zu verlegen. Damit aber verliert der Standort Dresden einen wichtigen Teil seiner Aufgaben. Es sei abzusehen, dass die Landesregierung plant, das Institut für Geographie in Dresden damit perspektivisch zu schließen, kritisiert der Fachschaftsrat Geographie der Uni Leipzig.An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sieht es nicht besser aus. Die sachsen-anhaltinische Landesregierung fokussiert in ihrem Hochschulstrukturplan 2014 einen Tausch der Studienfächer Geowissenschaften und Sportwissenschaften gegen die Leipziger Pharmazie. Man übernimmt also das, was die Universität Leipzig auf Druck der Staatsregierung schließen muss – den Bereich Pharmazie. Um aber Kapazitäten dafür frei zu bekommen, wird in Halle die Geographie geopfert. In den Geowissenschaften in Halle sind konkret 9 Professuren und über 1.000 Studierende bedroht.

Friedemann Goerl, Vorstandvorsitzender der Vertretung deutschsprachiger Geographie-Studierender, erklärt: “Hier ist ein versteckter Kuhhandel im Gange. Unter dem Stichwort Synergieeffekte werden ganze Institute geschlossen und zusammengelegt, jedoch ist abzusehen, dass finanzielle und personelle Ressourcen gleichbleiben. Im schlimmsten Fall muss ein Institut die Aufgaben von drei Instituten übernehmen.”

Kai Zaschel, gewähltes Mitglied im Fachschaftsrat Geographie und Geowissenschaften Leipzig, fügt hinzu: “Schon jetzt stößt das Institut für Geographie in Leipzig an seine Kapazitätsgrenzen. Studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter_innen haben aus Gründen von akuter Raumnot keinen eigenen Arbeitsplatz. Drei Studierende teilen sich in machen Seminaren einen Rechner und prekär beschäftigte Dozierende müssen schon jetzt eine Überlast an Studierenden und Verwaltungsaufgaben übernehmen.”

Sowohl die Vertretung deutschsprachiger Geographie-Studierender, als auch der Fachschaftsrat Geographie und Geowissenschaften Leipzig, fordern aus diesen Gründen, die massiven Kürzungspläne in Sachsen und Sachsen-Anhalt zurückzunehmen. Bildung brauche Zukunft und sollte nicht zur Haushaltskonsolidierung geopfert werden.

www.geodach.org

http://fsrgeographieleipzig.blogspot.de

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