Nach der Randale in der Nacht zu Mittwoch blieb es am UEFA-Spieltag selbst friedlich. Am Mittag wird das Programm für das bevorstehende Stadtfest vorgestellt. LZ verrät schon am Morgen, worauf Sie sich freuen können. In Lindenau erinnern Opferverbände an ein Tötungsverbrechen vor 32 Jahren – und am Abend gastiert Genesis-Legende „Steve“ Hackett im „Haus Auensee“.
Erneute Krawalle ausgeblieben
Es fiel nur ein Tor, das die Engländer zum Sieger des gestrigen UEFA-Conference-League-Finales machte. Doch gewonnen haben dann am Ende irgendwie doch alle. Den Entscheidungstreffer für Crystal Palace erzielte Jean-Philippe Mateta, an den sich mancher noch aus dessen Zeit in Mainz erinnerte.  2018 bis 2021 absolvierte der gebürtige Franzose beim FSV 71 Pflichtspiele und schoss 27 Tore. Über 39.100 Zuschauer verfolgten das Duell gegen Rayo Vallecano und hielten die Arena über die gesamte Zeit mit ohrenbetäubenden Gesängen am Kochen.
Hotels und Gastronomen freute der Besucheransturm, der für reichlich Umsatz sorgte. Und auch die Polizei zog am Morgen nach dem Spiel eine positive Bilanz. Gab es noch in der Nacht zum Mittwoch böse Auseinandersetzungen zwischen gewalttätigen Fanlagern, verlief der Spieltag mit nur 30 eingeleiteten Strafverfahren (Körperverletzungen und Beleidigungen) zwar bis weit nach Mitternacht lautstark, aber überwiegend friedlich, wie eine Polizeisprecherin auf LZ-Anfrage mitteilte. Insgesamt seien 1.200 Bedienstete aus sechs Bundesländern im Einsatz gewesen, unterstützt von Beamten aus den Heimatländern der beiden Fußballvereine.
Leipzig feiert einfach weiter
Während Gerüste und Stände des Fan-Festes der UEFA abgebaut und der Markt gefegt wird, sind die nächsten Macher schon fleißig am Packen. Ende nächster Woche steigt das 33. Stadtfest – und heute Mittag wird das Programm öffentlich präsentiert. LZ verrät schon am Morgen ein paar Highlights des dreitägigen Events. Auf den vier zentralen Veranstaltungsflächen Markt, Augustusplatz, Nikolaikirchhof und Burgplatz erwarten die Besucherinnen und Besucher umfangreiche Aktionen und Darbietungen von und mit zahlreichen Künstlern und Ensembles.
Zu denen werden unter anderem Levent Geiger, Hanna Rautzenberg (spielte schon als Support von Silbermond oder Bryan Adams), die aus der Gala-Band Nightfever und Steffen Lukas mit seinem Plattenbauorchester gehören. Youngstar Geiger gewann 2019 den KIKA-Songwriting-Wettbewerb, war kürzlich für die 1LIVE Krone als „Bester Newcomer Act“ nominiert. Besonders können sich die Stadtfest-Gäste auf die FIREBIRDS freuen, die quasi zur traditionellen Grundausstattung der Veranstaltung gehören und getrost als rockiges Aushängeschild Leipzigs bezeichnet werden dürfen.

Ebenfalls Teil des Programms sind das Jugendsinfonieorchester „Johann Sebastian Bach“, das Ensemble der Musikalischen Komödie sowie verschiedene Leipziger Tanzschulen. Auch der Nikolaikirchhof wird erneut zum Veranstaltungsort einer Irish-Folk-Bühne, auf der an allen Festtagen Live-Musik in besonderer Atmosphäre geboten werden soll. Darüber hinaus sind die Leipziger Schausteller wieder vertreten und bauen ihre Fahrgeschäfte auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz auf.
Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Stadtfestes soll der Landesjugendfeuerwehrtag 2026 werden. Mit Vorführungen, Mitmachaktionen und Informationsangeboten können Besucher Einblicke in die Arbeit der Jugendfeuerwehren erhalten. Der Eintritt zum Stadtfest ist traditionell frei. Das gesamte Programm gibts in Kürze hier auf www.l-iz.de
Bleibendes Gedenken an ein Gewaltopfer
In Leipzig erinnern Opferverbände heute um 19 Uhr an Klaus R., der in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1994 im Stadtteil Lindenau getötet wurde. Der damals 43-Jährige starb nach schweren Misshandlungen durch mehrere junge Neonazis. Antifaschistische Initiativen und Opferberatungsstellen bewerten den Fall bis heute als mutmaßlich rechtsmotiviertes Tötungsdelikt. Offiziell wird Klaus R. allerdings weiterhin nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt.
Nach späteren Rekonstruktionen wohnten das Opfer und die Täter im Alter zwischen 15 und 19 Jahren im selben Haus: Lützner Straße 30. Klaus R. soll die Jugendlichen zeitweise mit Strom versorgt haben. Zugleich nutzten diese laut späteren Berichten seine Armut und Alkoholabhängigkeit aus. Über mehrere Tage hinweg sei er gedemütigt und misshandelt worden. In der Tatnacht eskalierte die Gewalt. Nachdem Klaus R. sich weiteren Erniedrigungen widersetzt haben soll, schlugen und traten die Angreifer massiv auf ihn ein, unter anderem mit Stiefeln und Boxhandschuhen. Der Mann starb an den Folgen der Verletzungen in seiner Wohnung. Sein Leichnam wurde erst Tage später entdeckt.
Das Landgericht Leipzig verurteilte 1995 den Hauptangeklagten wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Haft. Weitere Beteiligte erhielten niedrigere Haft- beziehungsweise Bewährungsstrafen. Kritiker werfen der Justiz bis heute vor, die Motive der Täter nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Deshalb wird Klaus R. zwar in unabhängigen Dokumentationen rechter Gewalt aufgeführt, staatlich jedoch nicht offiziell als deren Opfer anerkannt.
In Leipzig erinnern antifaschistische Gruppen seit mehreren Jahren immer wieder öffentlich an den Fall. An der Lützner Straße 30 wurde eine inoffizielle Gedenkplakette angebracht, zudem finden dort , so auch heute, Gedenkveranstaltungen statt.
Rocklegende im „Haus Auensee“
Nach dem Sieg der Engländer beim UEFA-Cup bleibt Leipzig auch heute noch ein bisschen britisch. Stephen Richard „Steve“ Hackett gastiert am Abend im „Haus Auensee“. Der Gitarrist wurde vor allem als Mitglied der Progressive-Rock-Band Genesis bekannt, der er von 1971 bis 1977 angehörte. In dieser Zeit prägte er den Sound der Gruppe auf Alben wie „Foxtrot“, „Selling England by the Pound“ und „Wind & Wuthering“ maßgeblich mit. Zu den bekanntesten Songs aus seiner Genesis-Ära zählen „Firth of Fifth“, „The Carpet Crawlers“, „Supper’s Ready“, „Dance on a Volcano“ und „I Know What I Like“. Hackett gilt als stilprägender Gitarrist des Progressive Rock.
Nach seinem Ausstieg bei Genesis begann Hackett eine, gründete dann gemeinsam mit Steve Howe von Yes die Supergroup GTR, deren Titel „When the Heart Rules the Mind“ international erfolgreich wurde. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und steht unter dem Titel „Best of Genesis & Solo Gems 2026 Tour“. Auf dem Programm stehen sowohl Genesis-Klassiker aus den Jahren 1971 bis 1977 als auch Stücke aus Hacketts Solokarriere.
Das „Haus Auensee“ ist am besten mit den Straßenbahnlinien 10 und 11 bis zur Haltestelle Wahren erreichbar. Von dort sind es nur rund zehn Minuten Fußweg. Achtung: ab Möckernscher Markt fährt wegen Bauarbeiten Schienenersatzverkehr. Alternativ fährt die Buslinie 80 bis zur Haltestelle Auensee direkt am Veranstaltungsort.
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