Falsches Denken führt zu falschen Ergebnissen. Jahrelang hat Sachsens Regierung am Bildungssystem herumgebastelt, seine wesentlichen Baufehler aber alle beibehalten, weil sie nun einmal die Vorstellungen der regierenden CDU von einem zweigliedrigen Bildungssystem spiegeln. Es geht ums Aussortieren, Verwalten und Disziplinieren, aber nicht um die Freude an Bildung. Das hat den Beruf des Lehrers in Sachsen denkbar unattraktiv gemacht. Mit Folgen.

Fehlender Freiraum für Kreativität

Was unter anderem dazu führte, dass jahrelang viel zu wenige Lehrer/-innen eingestellt werden konnten und der Bedarf mit tausenden Quereinsteiger/-innen kompensiert werden musste. Zuletzt wurden die Lehrkräfte gar noch mit der Verbeamtung geködert, sicherstes Zeichen dafür, dass es im sächsischen Kultusministerium überhaupt keine Vorstellungen davon gibt, was den Lehrerberuf tatsächlich attraktiv machen und wie man wirklich begeisterte Lehrkräfte gewinnen könnte, die auch bereit wären, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Doch wo die Gestaltungsfreiheit und Unabhängigkeit in Schulen fehlt, findet man auch niemanden, der sich den Hut aufsetzen möchte für das, was in den Schulen geschieht.

Nichts verträgt sich schlechter mit der Profession des Lehrers als Beamtenmentalität.

Es fehlen hunderte Leitungskräfte für sächsische Schulen

Freilich ist gut möglich, dass diese uralte konservative Bildungspolitik inzwischen so viel Folgeschäden angerichtet hat, dass es die Union mit ihrem Werkzeugkasten auch nicht mehr repariert bekommt. Auch nicht mit „Buschzulage“ und Leistungszuschlag.

Nach einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ fehlen in Sachsen weiterhin hunderte Schulleiterinnen und Schulleiter.

„Schulleitungen müssen immer neue Aufgaben bewältigen, das Personal und die Schule weiterentwickeln, eines oder mehrere Teams leiten, soziale und fachliche Kompetenz beherrschen“, geht die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Luise Neuhaus-Wartenberg, auf das Dilemma ein.

„In der Pandemie mussten sie sich zusätzlich um Masken und Tests, digitale Hilfsmittel, Luftfilter, die Internetversorgung der Schule oder den Fernunterricht kümmern. Viele fühlten sich überfordert und alleingelassen. Erste Ergebnisse der kürzlich gestarteten Längsschnittstudie ‚Schulleitungsmonitor Deutschland‘ zeigen: Jede fünfte Schulleitung in Deutschland möchte ihren Job aufgeben, viele Stellen bleiben unbesetzt. Die Linksfraktion im Landtag hatte bereits im Juni ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem die Staatsregierung sowohl die Nachwuchsgewinnung als auch die Arbeit der Schulleitungen erleichtern soll (Drucksache 7/10047).“

Die angehenden Pädagogen geraten in ein System, in dem sie – statt sich wirklich ganz auf die Bildung der Kinder konzentrieren zu können – mit jeder Menge Bürokratie und lauter Aufgaben überhäuft werden, die ihnen die Zeit mit den Schüler/-innen oder zur Unterrichtsvorbereitung stehlen.

Wer wundert sich über Nachwuchsmangel?

„Gemessen daran, was angehende Lehrkräfte im Studium über all diese Aufgaben erfahren und wie wenig sie später unterstützt werden, ist Nachwuchsmangel sicherlich kein Wunder“, kommentiert das Luise Neuhaus-Wartenberg.

„Die Staatsregierung muss dringend für mehr Unterstützung sorgen. Zwar bieten fast alle Bundesländer mittlerweile verpflichtende Qualifizierungen für Schulleitende an, doch dauern diese nur zwischen wenigen Tagen bis maximal wenige Wochen. Für die Leitung einer Schule der Zukunft wird das nicht reichen. Der mit der Schulleitung verbundene Arbeitsaufwand muss sich zudem in der Bezahlung widerspiegeln. Vor allem aber muss Schulleitung als eigener Beruf anerkannt werden, wie in Niedersachsen. Sonst werden sich langfristig nicht genug Lehrkräfte finden, die diese Aufgabe übernehmen. Außerdem brauchen Schulleitungen mehr Möglichkeiten zur Eigenverantwortlichkeit, indem ihnen mehr Entscheidungsfreiheit zugestanden wird.“

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Es gibt 2 Kommentare

Delegieren bedeutet aber auch, dass jemand anderes dann die Aufgabe machen muss. Neben Unterrichtsstunden, Vorbereitung, Nachbereitung, Organisation (Klassenlehrer:innen), aktives Telefonieren mit Eltern, angerufen werden von Eltern, Emails von/an Eltern und/oder Schulbetreuer/-begleiter usw.. Arbeiten korrigieren, Zeugnisse schreiben… Da hat auch nicht jede:r Bock drauf, auch noch diverse Hof- und Sportfeste zu organisieren, was auch nicht gesondert vergütet wird. Von Klassenfahrten, wo man dann Vollzeit (unbezahlt!) für die Kinder da ist, rede ich ja noch gar nicht.

Also delegieren ist schön und gut, verlagert das Problem aber nur auf das nächste Glied der Kette.

Es mag stimmen, dass Schulleitungen mit immer mehr Aufgaben überhäuft werden, gleichzeitig aber die Erwartung an jeden Schulleiter besteht auch noch selbst eine gewisse Anzahl Stunden zu lehren. Keine gesunde Mischung, allerdings könnte es auch gerade mancherorts an fehlender Fähigkeit zum Delegieren liegen. Nicht was Aufgaben mit dem Landesamt für Schule und Bildung angeht, da können die Schulleiter soweit ich das Sächsische Schulgesetz oberflächlich kenne nicht anders. Aber Schulleiterinnen und Schulleiter, die dann noch alle Fäden für jedes Schulfest nur in der eigenen Hand halten, müssten überlegen, ob es nicht schlauer ist das Kollegium einzubinden. Last auf mehrere Schultern verteilen ergibt Sinn und kann auch motivierend wirken, da gemeinsames Anpacken zusammenschweißt und kollektives Lernen von Organisationsformen mit sich bringt. Denn innerschulisch lässt das Gesetz schon Spielraum, ich wünsche Schulleitern den Mut diesen zu nutzen und allen Lehrerinnen und Lehrern solch aufgeschlossene Schulleitungen.

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