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Nicht nur im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk werden die Medien-Milliarden ohne Kontrolle verbrannt

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    Manchmal muss man erst mit der Nase so richtig draufgestoßen werden, um zu merken, wie viel da eigentlich schief läuft im Land. Nicole Joens ist das passiert. In "Tanz der Zitronen" hat die jahrelang erfolgreiche Drehbuchautorin darüber geschrieben, wie sie so langsam ein Bild davon bekam, wie undurchschaubar, inkompetent und verfilzt der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk (ÖRR) in Deutschland schon ist.

    Angefangen hatte es bei ihr mit einer Klage, die das ZDF gegen die Autorin angestrengt hatte, die sich – kraft ihres Urheberrechts – verweigerte, einen guten Stoff einfach an irgendeine der vom ZDF gehätschelten Produktionsfirmen wegzugeben und dann möglicherweise zu erleben, wie auch diese Geschichte einfach im üblichen ZDF-Mulch verwurstet würde. In „Tanz der Zitronen“ schildert sie, wie sie so langsam ein Bild davon bekam, wie in den Redaktionsetagen der mit 8 Milliarden Euro gefütterten Rundfunkanstalten gearbeitet wird, wie Rundfunkbürokraten bestimmen, wie die Gelder verteilt werden, wie Freie gegeneinander ausgespielt werden, die Preise gedrückt werden und vor allem verquaste politische Botschaften die Hauptsendezeiten dominieren.

    Dass deutsches TV nicht mehr spannend, aufregend oder gar relevant ist, hat seine Gründe. Sie liegen in der Konstruktion der Sender und der völlig fehlenden Kontrolle über Geldflüsse, Seilschaften und Verantwortlichkeiten. Dass einfach mal 230 Millionen Euro, die für die Filmproduktion vorgesehen waren, verschwinden, ohne dass jemand weiß, was damit am Ende bezahlt wurde, ist nur ein Symptom dieser Zustände. Andere Symptome sind der elende Zustand des deutschen Kinofilms, der eigentlich nichts mit den TV-Filmproduktionen zu tun haben sollte. Doch selbst die Filmförderung wird in Deutschland durch die Rundfunkanstalten mitbestimmt. Gern auch unterm Deckmäntelchen der zu bewahrenden „Kultur“, auch wenn die deutschen Kinogänger nicht die Bohne anfangen können mit dieser albernen Romantik-Kitsch-Kultur, die mit der Realität der Welt nichts zu tun hat.

    Nicole Joens kann vergleichen, weil sie gleich in mehreren Berufsverbänden aktiv ist, die Förderrituale kennt und auch die Leute, die überall mitmischen und kraft ihrer Macht, die sie in den Senderzentralen haben, auch bestimmen, welche Produktionsfirma gehätschelt wird, welche Schauspieler und Regisseure immer mit dabei sind. Und welche nicht.

    In ihrem neuen Buch versucht Joens, den Filz noch ein wenig mehr zu entwirren. Was nicht einfach ist. Denn Deutschland ist wahrlich kein Land, in dem man öffentlich gern über Filz und Korruption berichtet. Man tut gern so, als gäbe es das alles nicht. Doch Jahr für Jahr jammern die großen Anstalten darüber, dass die immerfort steigenden Gebühren hinten und vorne nicht reichen, während die Budgets etwa für die eigene Filmproduktion immer kleiner zu werden scheinen. Da werden die Drehbuchautoren kurz gehalten oder landen gleich auf einer Schwarzen Liste, wenn sie zu kritisch sind. Schauspieler und technisches Personal werden mit Peanuts abgespeist, obwohl eigentlich genug Geld da wäre, um an jedem einzelnen Tag des Jahres einen vollwertigen Fernsehfilm für 2 Millionen Euro herzustellen.

    Schon in „Tanz der Zitronen“ schrieb Joens darüber, wie seltsam es ihr vorkam, dass selbst langjährige Geschäftspartner und Freunde aus dem Metier anfingen, geheimnisvoll zu tun, ihr rieten, dem einen oder anderen einfach ein paar kleine materielle Zugeständnisse zu machen. Geld, so scheint es, scheint mache Filmentscheidung im ÖRR leichter zu machen. Und wer schon im Amigo-Geflecht ist, braucht sich um Dauerpräsenz auf allen Kanälen keine Sorgen zu machen.

    In ihrem neuen Buch spricht Joens direkt von Korruption. Und hat gute Verdachtsmomente dafür, dass keine einzige der so gern gefeierten Kontrollinstanzen bei den Rundfunkanstalten funktioniert. Selbst die berühmte Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) scheint nicht mal zu ahnen, wofür das ganze Geld, das sie den Anstalten jedes Jahr zugesteht, wirklich ausgegeben wird, ob es überhaupt dort landet, wo es laut Antrag landen sollte, oder ob damit doch nur wieder unfähiges teures Personal gehätschelt wird, überteuerte Sportrechte gekauft werden oder gar die Millionen gleich ohne Umwege in seltsame Tochterfirmen fließen oder in Produktionsaufträge an Unternehmen der privaten Konkurrenz.

    Und da öffnet sich der Horizont. Denn unter einem sichtbaren Qualitätsschwund leidet nicht nur das deutsche Fernsehen. Nicht nur der deutsche Kinofilm. Gerade die letzten Monate haben es auch auf den Straßen hörbar gemacht und im Internet nachlesbar, wie frustriert die Bürger vom unübersehbaren Qualitätsverfall auch bei den einstmals hochkarätigen Zeitungen und Nachrichtenmagazinen des Landes sind. Und das hat nicht nur mit dem Siegeszug des Internets zu tun und dem Verfall der Anzeigenpreise. Denn der Prozess, der auch die gedruckten Medien immer oberflächlicher, stellenweise geradezu weltfremd werden ließ, begann schon früher.

    Und er hat viele Facetten, die sich aber – erstaunlicherweise – ähneln: beim Rundfunk, beim Film, in der Presselandschaft und sogar im Buchwesen.

    Aber dazu – nach einer kleinen Erholungsphase – mehr zur Mittagszeit. Hier an dieser Stelle.

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      1 KOMMENTAR

      1. „Dass deutsches TV nicht mehr spannend, aufregend oder gar relevant ist, hat seine Gründe. Sie liegen in der Konstruktion der Sender und der völlig fehlenden Kontrolle über Geldflüsse, Seilschaften und Verantwortlichkeiten.“

        Hier ein kleines Beispiel dazu. Den Leserinnen und Lesern der L-IZ ist in der Zwischenzeit bekannt, dass mein Buch „Finanzrevisor Pfiffig aus der DDR“ teilweise hochexplosiv ist. Ausgehend von diesen Sachverhalt habe ich ein Exemplar des Buches mit Schreiben vom 12.02.2013 bei der Programmchefin für den Bereich Fernsehfilme/Serien des mdr mit vielen Hinweise zu einer Verfilmung abgegeben. Mit Schreiben vom 03.04.2013 wurde mir von der Programmchefin für das Vorstellen meines Buches gedankt. Die Prüfung der Verfilmbarkeit hatte ergeben, dass keine Möglichkeit für eine Serienproduktion gesehen wurde, weil meinen vielen Beispielen die emotionale Ausrichtung auf eine Geschichte fehle. Ein einzelner Film kam demnach auch nicht in Frage. Das konnte und wollte ich so nicht stehen lassen. Ich habe deshalb mit Mail vom 14.04.2013 die Intendantin des mdr, Frau Prof. Dr. Wille, angeschrieben und sie darüber informiert, dass ich zwar kein Recht auf eine Verfilmung habe, aber mit dieser Begründung nicht einverstanden bin. Sie teilte mir im Schreiben vom 10.05.2013 mit, dass mein Buch Inhalt oder zumindest Anhaltspunkte einer medialen Darstellung sein könnte. Die Beurteilung der Programmchefin muss sie zur Kenntnis nehmen und akzeptieren. Natürlich war auch folgender Satz im Schreiben enthalten: „Ich kann Sie nur bestärken, weiter nach Wegen zu suchen, um Ihr Buch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

        So sieht die Arbeit des mdr mit hochbrisanten Themen aus. Ich gebe mich noch längst nicht geschlagen. Mein Buch liegt bei einer Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft, welche das Buch verfilmen will. Das eigentliche Problem besteht gegenwärtig darin, dass dieser (wahrscheinlich Fernsehfilm) nach der Produktion auch verkauft werden muss bzw. auch von den öffentlich-rechtlichen Sendern gezeigt werden muss. Gegen diese Thematik, also die riesigen Probleme bei der ordnungsgemäße Kontrolle der Steuergelder, scheinen diese Sender jedoch etwas zu haben. Weshalb möchte man den Zuschauern und Zuhören nicht die Wahrheit vermitteln und lieber meist seichte Kost servieren? Weshalb lässt man lieber Geld in fragwürdige bzw. seichte Projekte und unzählige Tochterfirmen fließen, wo es doch wesentlich bessere Möglichkeiten gibt?

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