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Wem gehören denn nun die Leipziger Amtsblatt-Adressen im Internet?

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    Manchmal wäre es doch eigentlich ganz einfach. Die Verwaltung nimmt einen Wunsch aus dem Stadtrat oder der Bürgerschaft auf, setzt ihn einfach um, wenn er kein großes Geld kostet und nicht zu viel Arbeit macht, und meldet dann irgendwie für alle hörbar Vollzug. Das würde die Betroffenen freuen, die Bürger trösten: Es passiert ja doch was in unserer Stadt. - Aber wenn keiner Vollzug meldet, muss man wieder nachfragen. Stichwort: Amtsblatt.

    Im November war das Thema. Die L-IZ hatte berichtet. Der umtriebige Ralf Kohl hatte gefragt und sich beschwert, dass es in Leipzig keine Gewähr dafür gebe, das gedruckte Amtsblatt auch wirklich zu bekommen, wenn es neu da sei. Eigentlich gab es einen uralten Ratsbeschluss, der sich schon mal von dem Glauben verabschiedet hatte, man könne das Amtsblatt der Stadt tatsächlich regelmäßig zuverlässig an alle Haushalte verteilen. Auch wollen gar nicht alle das Blatt im Briefkasten haben. Immer mehr junge Leute und auch nicht mehr so junge suchen das Amtsblatt und seine Angebote lieber im Internet, wo es schon seit Jahren auch digital veröffentlicht wird.

    Aber man musste suchen. Man muss immer noch suchen. Eigentlich erwartet man einen einfachen Button, der einem schon auf der Startseite zum Auftritt der Stadt entgegen leuchtet, und man kommt so direkt zur Seite mit dem Amtsblatt.

    Aber man muss erst das Menü öffnet und findet dann unter „Bürgerservice und Verwaltung“ das Stichwort „Amtsblatt“. Aber welcher Bürger sucht da, wenn er das Amtsblatt sucht?

    Den Link zum Amtsblatt findet man erst im aufgeklappten Menü der Stadtseite. Screenshot: L-IZ
    Den Link zum Amtsblatt findet man erst im aufgeklappten Menü der Stadtseite. Screenshot: L-IZ

    Die andere Möglichkeit ist eine eigene Adresse, die direkt zum Amtsblatt-Auftritt führt. Das Thema machte dann im November die Leipziger Veranstaltungsspezialistin Maria Sharichin publik. Im Internet war zwar recht schnell die Adresse www.leipziger-amtsblatt.de zu finden – aber die gehörte nicht der Stadt, sondern dem Madsack-Verlag, zu dem auch die Leipziger Volkszeitung gehört. Beworben wurden hier unter anderem Werbemöglichkeiten im Leipziger Amtsblatt.

    Aber sinnvoll, so Maria Sharichin, war ja die Direktverbindung zum sowieso existierenden Auftritt des Amtsblatts. Und da musste man ja nicht die Bindestrich-Adresse nutzen. Kurzerhand buchte sie die frei verfügbare Adresse www.leipzigeramtsblatt.de, verlinkte den Amtsblatt-Auftritt auf der Homepage der Stadt, fertig war der Salat. So kann’s auch gehen.

    Aber irgendwie hat Ute Elisabeth Gabelmann, Stadträtin der Piraten und Mitglied der SPD-Fraktion, doch noch eine Regung aus dem Rathaus erwartet, so eine Art Dankeschön. Oder „Klar, dann übernehmen wir einfach die Adresse. Die Idee ist Klasse.“

    Denn irgendetwas muss ja seitdem passiert sein. Es berichtet nur keiner.

    Also hat die Stadträtin jetzt für die Ratsversammlung am 24. Februar ganz offiziell eine Anfrage gestellt, in der sie beiläufig feststellt: „Bereits vor Jahren wurde durch den Stadtrat die leichte Auffindbarkeit des Leipziger Amtsblattes über die Domain www.leipziger-amtsblatt.de beschlossen. Laut Zeitungsberichten befindet sich diese Adresse in der Hoheit des Madsack-Verlages. Eine Alternativdomain www.leipzigeramtsblatt.de wurde laut Presse nicht durch die Stadt Leipzig gesichert, sondern durch eine Bürgerin.“

    Und dann fragt sie mal, was denn nun draus geworden ist:

    „1. Befinden sich ich die Domains www.leipziger-amtsblatt.de bzw. www.leipzigeramtsblatt.de aktuell im Eigentum der Stadt Leipzig?

    Falls nein: warum nicht? Falls nein: hat die Verwaltung Kenntnis, in wessen Eigentum sie sich stattdessen befinden?

    2. Falls nein: welche Anstrengungen hat die Verwaltung bisher unternommen, sich o. g. Domains zu sichern?

    3. In welchem Zeithorizont ist damit zu rechnen, daß sich o. g. Domains in der Hoheit der Stadt Leipzig befinden und damit o. g. Stadtratsbeschluß umgesetzt wird?

    4. Welche Vorkehrungen unternimmt die Stadt laufend, um zu verhindern, daß sich Privatpersonen und Unternehmen Domains sichern, welche von Bürgern als ‚hoheitlich‘ und damit von der Stadt betrieben wahrgenommen werden könnten?“

    Zumindest eines ist passiert seitdem: Die Adresse www.leipziger-amtsblatt.de führt nicht mehr zur Vermarktungsabteilung des Madsack-Verlages, sondern jetzt ebenfalls direkt auf den Internetauftritt des Leipziger Amtsblattes. Der Nutzer kann also jede der beiden Adressen eingeben und hat gleich auf der ersten Seite Zugriff auf die Amtsblätter 24/2015, 1/2016 und 2/2016. Und natürlich zu den Fragen, die auch Ralf Kohl so bewegt haben: „Sie erhalten kein Amtsblatt? Sie haben Fragen zu redaktionellen und amtlichen Beiträgen? Sie möchten das LEIPZIGER Amtsblatt, aber keine Werbung? Sie möchten das LEIPZIGER Amtsblatt abonnieren? Sie möchten eine Anzeige schalten? Sie suchen ältere Amtsblatt-Ausgaben?“ (Die Versalien stammen von der Stadt. Diese Art, sich mit großen Buchstaben wichtig zu machen, grassiert leider derzeit überall. d. Red.)

    Muss einfach ein begehrtes Sammlerobjekt sein. Ohne Frage.

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