Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren in der Ratsversammlung über die Zukunft des Leipziger Amtsblatts diskutiert. Jedes Mal endete die Debatte mit einer Bewahrung des aktuellen Zustands, mit dem einige Fraktionen im Stadtrat nicht einverstanden sind. Und so wagen die Fraktionen von SPD und Freibeutern jetzt einen neuen Vorstoß, um die Verteilung des Amtsblatts neu zu organisieren.

Gegen den Widerstand der Stadt soll die Verteilung des Amtsblatts neu aufgestellt werden. SPD und Freibeuter wollen jetzt einen Anbieter suchen lassen, der ein zeitgemäßes Verteilsystem bereitstellt. Aktuell landen tausende Exemplare jeder Ausgabe ungelesen im Müll. Sie werden in Treppenhäuser gepackt oder einfach vor der Haustür gestapelt, wo sie Wind und Wetter zum Opfer fallen. Etliche Leipziger bekommen auch gar keins nach Hause geliefert, obwohl sie das Amtsblatt gern lesen würden.

Ringen um ein neues Verteilsystem

„Diese Unbeweglichkeit und der Trotz, mit dem sich die Stadtverwaltung gegen Veränderungen sperrt, sind vorbei“, sagt FDP-Stadtrat Sascha Matzke. „Wir reden dauernd von Klimanotstand, aber selbst einfachste Einsparungen verweigert die Stadt. Eine Neuausschreibung hätte großen Effekt: spart Ressourcen und ist viel zuverlässiger in der Zustellung.“

Schon seit Jahren versuchen beide Fraktionen auszuloten, welche Möglichkeiten es für moderne Verteilwege des Amtsblattes gibt. Das Ergebnis eines Prüfauftrages war ernüchternd. Eigenes Bemühen der Stadtverwaltung gab es nicht, stellen die Freibeuter fest.

Der geinsame Antrag von Freibeutern und SPD zum Amtsblatt.

„Schon vor geraumer Zeit, genauer gesagt, im Jahr 2018 hatten wir einen Antrag im Verfahren, der die Stadtverwaltung dazu bringen sollte, bei der Verteilung des Leipziger Amtsblatts neue, zusätzliche Wege zu gehen. An dieser Forderung ändert sich auch nichts“, stellt SPD-Stadtrat Andreas Geisler fest. „Denn auch die Informationsvorlage der Verwaltung zur Verteilung des Amtsblatts vom Ende vergangenen Jahres zeigt wenig Ambition, das Thema wirklich anzugehen.“

Gut ist aus seiner Sicht zumindest, dass die digitale Variante des Amtsblatts jederzeit auf leipzig.de abrufbar ist – ein echter Fortschritt.

„Suboptimal ist hingegen, dass via Twitter auf die aktuell abrufbare Ausgabe hingewiesen wird“, sagt Geisler. „Wie viele Leipzigerinnen und Leipziger, die sich für die Inhalte des Amtsblatts interessieren, es womöglich jedoch noch nie im Briefkasten hatten, haben einen Twitteraccount und werden so erreicht? Auch die Begründung, weshalb eine Auslage an stark frequentierten Orten nicht sinnvoll wäre, ist eher dünn. Erfahrungen aus Nachbarstädten sagen da was anderes. Unser gemeinsamer Antrag ist notwendig, um wieder etwas Schwung in dieses Thema zu bekommen.“

Antiquierte Ressourcenverschwendung?

Im gemeinsamen Antrag werden beide Fraktionen noch deutlicher: „Das aktuelle System der Zustellung des Amtsblatts an die Leipziger Haushalte ist antiquiert und vergeudet Ressourcen, die mit dem Beschluss der Stadt Leipzig zum Klimanotstand vollends konträr laufen. Bis zu 90 % der Exemplare, so kann man schätzen, in einem Mehrparteienhaus landen durchaus ohne Umwege direkt in Papiertonne. Das Amtsblatt hat aber die wichtige Aufgabe, die Leipziger Bürgerinnen und Bürger über Entscheidungen und Veränderungen in der Stadt zu informieren. Es soll für alle Bevölkerungsschichten in Leipzig leicht zugänglich und verfügbar sein.“

Mit dem Festhalten am alten Verteilsystem aber sei das nicht zu machen: „In Rückschau auf die Corona-Pandemie und der dadurch Anschub geleisteten Digitalisierung und mit Rücksicht auf den 2019 ausgerufenen Klimanotstand gehört die Verfügbarkeit des Amtsblattes, ob in Papierform oder digital, neu justiert.“

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Es gibt 2 Kommentare

Es ärgert uns immer wieder – Berge von Papier liegen immer wieder vor den Haustüren. Papierverschwendung ohne Ende. Es kann mit kostenfreiem Abo (Mitverteilung durch die Post) und Newsletter gearbeitet werden.

Tatsächlich so lange ist das schon wieder her, ich erinnere mich.
Und ehrlich festgestellt: Wenn ich nicht zufällig den “Sonntagszeitungs-Werbe-Berg” oder die Reste davon sehe, geht das Amtsblatt auch an mir vorbei. Und ziemlich wahrscheinlich mit einem Mieter in die blaue Tonne.
Dabei habe ich lieber eine Zeitung in der Hand und dabei den Überblick, als ein vergewaltigtes unpraktisches Handling mit irgendeinem EPaper.

Eine Twitterinfo ist völlig am Ziel vorbei und würde mich z.B. nie erreichen.

Warum nicht einfach ein Newslettersystem mit dem aktuellen Link zur Ausgabe?
Das wäre sooooo einfach. Eine Erinnerung und das direkte Ziel zugleich.
Aber wahrscheinlich auch zu einfach für die bräsige Stadtverwaltung.

In Sachen Digitalisierung eilt Leipzig in Deutschland generell furchtbar hinterher.

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