Parallel zum Wave-Gotik-Treffen startet heute auch die Wagner-Festwoche der Leipziger Kulturstiftung. In der Kunsthalle der Sparkasse werden Arbeiten präsentiert, die an die besseren Zeiten des Sparbuchs erinnern. Und von einem lebensgefährlichen Abenteuer zweier Teenager wird berichtet, die zum Tagesbeginn Polizei, LVB-Bedienstete und Fahrgäste einer Straßenbahn in Atem hielten.
Minderjährige unter Strom. Und das kurz nach Mitternacht
Leichtsinnig, riskant – und dann auch noch um Mitternacht. Zwei 13-Jährige starteten auf besonders heikle Weise in den neuen Tag. Gegen 0 Uhr kletterten die beiden Jungs an der Haltestelle Vollbedingstraße/Mockauer Straße in Mockau-Süd auf das Dach einer Straßenbahn der Linie 9 und ließen sich dort über drei Haltestellen mitnehmen. Erst auf Höhe der Roscherstraße in Zentrum-Nord wurde die Bahn gestoppt.
Auf Anfrage bestätigte die Polizei eine entsprechende Meldung der Leipziger Volkszeitung. Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe holten das gefährliche Doppel anschließend mit einem Leiterwagen vom Dach des Schienenfahrzeugs. Während des Einsatzes musste aus Sicherheitsgründen die Oberleitung abgeschaltet werden. Die Straßenbahn konnte ihre Fahrt deshalb nicht fortsetzen, die nächtlichen Fahrgäste mussten aussteigen und ihren Weg müde zu Fuß fortsetzen.
Strafrechtliche Folgen hat die Aktion für die beiden Jugendlichen nicht, da sie strafunmündig sind. Einer der Jungen wurde von seinem Vater abgeholt, den zweiten brachten Polizeibeamte zu seinen Erziehungsberechtigten. Ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht gegenüber den Minderjährigen verletzt haben, müssen nun die Überprüfungen der Umstände ergeben. Aufgrund der mitternächtlichen Tatzeit wurde noch keine Befragung durchgeführt, wie ein Polizeisprecher mitteilte.
Sparkasse zeigt Kunst zu totem Sparmodell. Und versteckt sie gleich wieder
Haben Sie Ihr Sparbuch auch schon aufgelöst, weil sein Unterhalt einfach keinen Sinn mehr ergibt? Die Kunsthalle der Sparkasse Leipzig lädt heute Abend zur Präsentation eines nicht ganz zu durchdringenden Projekts mit dem Namen „Sparbuch – Original Edition 2026“ ein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und bietet Gespräche mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sowie eine Signierstunde. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Im Zentrum des Abends steht eine limitierte „Riso-Edition“ im Sparbuch-Format. Durch das Verfahren entsteht jedes der Exemplare als Unikat. Risografie stammt aus den 1980er-Jahren und wurde vom japanischen Unternehmen Riso Kagaku Corporation entwickelt. Technisch funktioniert sie ähnlich wie eine Mischung aus Siebdruck und Kopierer: Für jede Farbe wird eine eigene Druckschablone verwendet. Charakteristisch sind kräftige Sonderfarben, leichte Verschiebungen im Druckbild und eine körnige, handgemachte Optik.
Besonders in Kunst, Illustration und Independent-Publishing ist Risografie beliebt, weil jedes Druckergebnis kleine Abweichungen und damit einen individuellen Charakter besitzt. Die heute vorgestellten Publikationen kombinieren Motive aus der Kunstsammlung der Sparkasse Leipzig mit zeitgenössischen Bildwelten von Studierenden. Ergänzend dazu zeigt eine Ausstellung in den Räumen der Kunsthalle Originalzeichnungen, Entwürfe und Probedrucke, gibt Einblicke in den Entstehungsprozess der Edition.
Die nun zu sehenden Arbeiten wurde anlässlich der Ausstellung „Im Angesicht der Zeiten“ gemeinsam mit Studierenden der Fachklasse für Malerei und Grafik von Prof. Ivana de Vivanco an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) entwickelt. Gedruckt wurde die Publikation im hauseigenen RisotopVerlag der HGB. Beteiligt an der Edition sind Tony Bartos, Maria Bayer, Jared Cooper Cobain, Eliane Diur, Anastasia Dodeva, Børge Lehmberg, William Liebelt, Sofi Mchedlishvili, Ben Lasse Pawelzik, Emma Resch, Victor Stinglhamber, Camilla Suckfüll, Paul Weiher und Maria Wagner.
Die Auflage von 90 Exemplaren wurde von Ben Lasse Pawelzik, Børge Lehmberg, Elena Kovylyaeva, Emma Resch und Tony Bartos kuratiert und gedruckt. Warum sich die Miniaturen ausgerechnet das sterbende und keinen Gewinn abwerfende Sparbuch zum Vorbild nahmen, war bis Redaktionsschluss dieses Beitrages nicht in Erfahrung zu bringen. Ebenso rätselhaft bleiben die Möglichkeiten, der gezeigten Kunst gewahr zu werden. Nach ihrer heutigen Präsentation sind die Werke ausschließlich Mittwochs von 13 bis 18 Uhr zu besichtigen. Wie die gesamte übrige Kunstsammlung auch.
Die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig zählt mit einer Bilanzsumme von rund 12,1 Milliarden Euro und mehr als 570.000 Privat- und Firmenkunden zu den größten Sparkassen Deutschlands. Das 1826 gegründete Finanzinstitut beschäftigt mehr als 1.400 Mitarbeitende und ist mit 65 Finanz- und Beratungs-Centern, 42 zusätzlichen SB-Stellen sowie einer fahrbaren Filiale im Geschäftsgebiet vertreten. Die stete Verringerung des Filialnetzes stößt jedoch immer wieder auf Kundenkritik.
Kulturstiftung will Wagner wagen. Und ihn auch hinterfragen
Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr kündigt die WAGNER-FESTWOCHE Leipzig 2026 ein deutlich erweitertes Programm an. Unter dem Motto „Vielschichtig – Vielgesichtig“ sind innerhalb von fünf Tagen zwölf Veranstaltungen an zehn historischen Orten in Leipzig geplant. Die veranstaltende Leipziger Kulturstiftung will sich dabei nicht nur dem vielschichtigen Werk Richard Wagners widmen, sondern ebenso intensiv der historischen Persönlichkeit des Komponisten, die bis heute polarisiert.
„Das Motto VIELSCHICHTIG – VIELGESICHTIG wurde mit Bedacht gewählt, ist es doch unser Anspruch, uns im Festival neben der Pflege seines vielschichtigen Werkes ebenso intensiv der historischen Person Richard Wagner zu nähern, die bis heute polarisiert und vielen Menschen den Zugang zu seiner wundervollen Musik verschließt“, heißt es von Seiten der Organisatoren. Thematisiert werden dabei auch Wagners widersprüchliche Facetten: der visionäre Komponist und Schöpfer des Gesamtkunstwerks ebenso wie der geschickte Selbstvermarkter, der alles daransetzte, sein Werk dauerhaft zu sichern.
Zugleich wirft das Festival die Frage auf, welche Verantwortung Künstlerinnen und Künstler selbst für ihr Œuvre tragen und ob die Gesellschaft heute bereit ist, die notwendigen Rahmenbedingungen für Kunst- und Kulturschaffende bereitzustellen.
Eröffnet wird die WAGNER-FESTWOCHE Leipzig 2026 heute im Festsaal des Neuen Rathauses mit einer theatralischen Intervention. Im Mittelpunkt steht Richard Wagner am Vorabend der Uraufführung seines Vorspiels zu den „Meistersingern von Nürnberg“ im Gewandhaus. Der kurz zuvor amnestierte und nach Leipzig zurückgekehrte Komponist begegnet dabei Menschen, die seinen bisherigen Lebensweg geprägt haben oder künftig prägen werden, und wird zugleich mit seinen Schriften und Handlungen konfrontiert. Währenddessen müssen noch letzte Korrekturen an der Partitur vorgenommen werden.
Gestaltet wird der Abend vom Schauspielensemble des preisgekrönten Theaters „ADOLF SÜDKNECHT“ sowie von Universitätsmusikdirektor David Timm, der Richard Wagner am Klavier verkörpert. Das Theater „ADOLF SÜDKNECHT“ setzt sich seit 2012 mit historischen Stoffen auseinander und verbindet dabei Unterhaltung mit intensiver Recherche. Gezeigt wird Improvisationstheater, das historische Fakten mit erfundenen Elementen verbindet und das Publikum mit unmittelbarer Nähe sowie überraschenden Wendungen einbezieht. Karten kosten im Vorverkauf und an der Abendkasse 18 beziehungsweise 12 Euro. Restkarten für Studierende sind an der Abendkasse für fünf Euro erhältlich. Dort ist derzeit jedoch ausschließlich Barzahlung möglich.
Der Name des Ensembles ist eine Anspielung auf die satirische Bezeichnung für die über Leipzig hinaus bekannte Südachse zwischen City und Connewitzer Kreuz. Ihre mehrfache Umbenennung von Südstraße in Adolf-Hitler-Straße, zurück zu Südstraße und schließlich zur heutigen Karl-Liebknecht-Straße brachte der wichtigen Verkehrsader im Sprachgebrauch alter Leipziger den lakonischen Spitznamen „Adolf-Südknecht-Straße“ ein.
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