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Endlich eine Würdigung für die Leipziger Malerin, ohne die es die Leipziger Schule nicht gegeben hätte

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    Wer die am Donnerstag, 2. Februar, eröffnete Ausstellung in der Kunsthalle der Sparkasse besucht, wird da und dort verblüfft sein: Sieht das nicht aus wie ... ? Erinnert das nicht an ... ? Es ist, als würden die Bilder von Elisabeth Voigt, die hier zu sehen sind, sich in den Arbeiten eines Neo Rauch spiegeln. Aber Neo Rauch stellt hier nicht aus. Und Schüler von Elisabeth Voigt war er auch nicht.

    Sie lehrte von 1947 bis 1958 an der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig, der heutigen HGB. Und die Kunsthalle der Sparkasse Leipzig spricht in ihrer Mitteilung zur Ausstellung von einer „heute kaum noch bekannten Leipziger Künstlerin des letzten Jahrhunderts“, der die Ausstellung „Elisabeth Voigt. Im Strudel der Zeit“ gewidmet ist.

    „Die Schau ist eine Hommage an eine Malerin, Holzschneiderin und Lithographin, die den Stil der nachfolgenden Künstlergeneration maßgeblich mit prägte. Damit präsentiert die Kunsthalle der Sparkasse Leipzig die bislang umfassendste Zusammenstellung von Arbeiten Elisabeth Voigts, unter anderem auch Werke, die noch nie in einer Exposition zu sehen waren“, fasst die Kunsthalle die Bedeutung der Künstlerin zusammen. Versucht es zumindest. „Elisabeth Voigt wurde 1893 in Leipzig geboren und lebte in den bewegten Jahren deutsch-deutscher Geschichte zwischen Kaiserreich und DDR. Von 1920 bis 1922 studierte sie an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig und setzte ihr Studium von 1923 bis 1929 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg fort. Hier war sie Atelierschülerin des expressionistischen Malers Karl Hofer und Meisterschülerin von Käthe Kollwitz. Ihre Lehrer und vor allem die sich mehrmals ändernden politischen und gesellschaftlichen Leitlinien der historischen Epoche beeinflussten maßgeblich das bildkünstlerische Schaffen von Elisabeth Voigt. In ihrer über 50 Jahre langen künstlerischen Tätigkeit schuf sie mehr als 100 Ölbilder, über 500 Zeichnungen und etwa 60 Druckgrafiken, vornehmlich Holzschnitte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lehrte sie zwölf Jahre lang als Professorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.“

    Elisabeth Voigt: Der rote Stier, Öl auf Leinwand. Copyright: Museum der bildenden Künste
    Elisabeth Voigt: Der rote Stier, Öl auf Leinwand. Copyright: Museum der bildenden Künste

    Was eindeutig zu wenig ist. Und was einer der Gründe dafür ist, dass die Malerin so gänzlich aus der Erinnerung der Stadt verschwunden zu sein scheint. Denn bis heute gilt, was in den trüben 1950er Jahren durch die DDR fegte: Wer nicht in den Kanon des propagierten „sozialistischen Realismus“ passte, der fiel in Ungnade. Es ist ebenfalls fast vergessen, mit welcher Bosheit Funktionäre damals über alles herfielen, was ihrem begrenzten Kunstverständnis nicht entsprach. An der Akademie regierte der doktrinäre Rektor Kurt Massloff, der selbst namhafte Dozenten wie Max Schwimmer und Elisabeth Voigt spüren ließ, wo der Hammer des Proletariats hängt. 1953 geriet Elisabeth Voigt in den Formalismusstreit, der vor allem all jenen Künstlern galt, die nicht ins Raster des sozialistischen Heroismus passten. Das Verdikt galt auch Voigts Lehrer Karl Hofer.

    Und damit wurde auch die Axt angelegt an die eigene Kunsttradition. Elisabeth Voigt lehnte später den Nationalpreis ab, trat auch aus dem Verband bildender Künstler aus.

    Und damit verschwand sie quasi aus der Leipziger Kunstgeschichte, obwohl den späteren Großen der „Leipziger Schule“ sehr wohl bewusst war, an welche Vergangenheit sie anknüpfen konnten. Die „Leipziger Schule“ kam eben nicht aus dem Nichts. Sie war auch deshalb immer ein wenig subversiv, weil sie über eine Lehrerin wie Elisabeth Voigt an die große Malerei der Moderne anknüpfen konnte. Wolfgang Mattheuer, Hans Mayer-Foreyt, Gerhard Kurt Müller und Werner Tübke haben bei Elisabeth Voigt gelernt. Und diese Traditionslinie ist bis heute lebendig – eben auch bis in die Bilder des „Enkels“ Neo Rauch.

    Elisabeth Voigt: Die verlorene Illusion. Copyright: Lindenau Museum Altenburg, Foto: PUNCTUM/Bertram Kober
    Elisabeth Voigt: Die verlorene Illusion. Copyright: Lindenau Museum Altenburg, Foto: PUNCTUM/Bertram Kober

    Aber Fakt ist auch: Weder das Museum der bildenden Künste hat 2008 die Chance genutzt, diese Traditionslinie wieder sichtbar zu machen (Elisabeth Voigt wird im Katalog „Kopf oder Zahl“ nicht mal erwähnt), noch hat die HGB ihren 250. Geburtstag im Jahr 2014 genutzt, diese große Malschule wirklich einmal aufzuarbeiten. Fast ist es, als schäme man sich für diese große Zeit der Malerei.

    Und dabei vollendet man nur das Werk, das die gnadenlosen Formalisten in der DDR begonnen haben: die markanteste Traditionslinie dieser Hochschule im 20. Jahrhundert einfach durchzuschneiden und wichtige Künstler wie Elisabeth Voigt einfach vergessen zu machen. An ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Brockhausstraße in Schleußig hängt zumindest eine Erinnerungstafel, die Elisabeth Voigt als Schülerin von Käthe Kollwitz und Karl Hofer ausweist. Dass sie Lehrerin an der HGB war, wird zumindest erwähnt. Aber wer nicht weiß, wessen Lehrerin sie war, der erkennt ihre Rolle nicht – ganz am Anfang von allem, was man heute Leipziger Schule nennt.

    In der Ausstellung in der Kunsthalle kann man endlich wieder die Künstlerin entdecken, ohne die es die „Leipziger Schule“ so nie gegeben hätte.

    Zur Ausstellung erscheint ein Katalog „Elisabeth Voigt. Im Strudel der Zeit“, herausgegeben von der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig, Leipzig 2017. ISBN: 978-3-9815840-9-7, Preis: 12 Euro

    Die Ausstellung ist in der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig (Otto-Schill-Straße 4 a) bis zum 7. Mai zu sehen.

    Eintritt: 5,00 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

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