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Besucher sind höchst zufrieden mit den Ausstellungen, ärgern sich aber über fehlende Hinweisschilder

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    Da waren sichtlich auch die Museumsdirektoren Hans-Werner Schmidt und Volker Rodekamp stolz, als am Feitag, 17. März, die erste Besucherbefragung in den Leipziger städtischen Museen vorgestellt wurde. Die Mitarbeiter des Amtes für Statistik und Wahlen hatten vom 2. August bis zu 30. November insgesamt 1.099 Besucher von acht städtischen Museen befragt. Gleich nach dem Museumsbesuch, wenn der Eindruck noch frisch war.

    Und das Ergebnis ist – wie so oft bei Leipziger Umfragen – außerordentlich. 70 Prozent der Befragten gaben dem Museumsbesuch die Note „sehr gut“, weitere 27 Prozent ein „gut“. Ein Ergebnis, so Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, das zumindest darauf hindeutet, dass sich die vielen Millioneninvestitionen in die Museen über die Jahre gelohnt haben. Die Akzeptanz der Museen ist deutlich gestiegen.

    So sieht es auch Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums. In seinem Bereich wurden gleich drei Einrichtungen untersucht: die Dauerausstellung im Alten Rathaus (100 Prozent Zufriedenheit), Völkerschlachtmuseum/Forum 1813 (98 Prozent) und das Stadtgeschichtliche Museum im Böttchergässchen (94 Prozent). Grund zum Ausruhen? Aus seiner Sicht gar nicht. Im Gegenteil. Ihn freut es, dass auch kritische Punkte angesprochen wurden. Denn Museen sind ja keine monolithischen Erlebnisse. Manchmal gehen Menschen ja auch deshalb nicht hin, weil sie befürchten, nichts zu sehen, nichts zu erfahren.

    Was dann auch für Rodekamp ein Aha-Erlebnis war. Denn bislang ging auch er davon aus, dass Besucher in den Wechselausstellungen im Böttchergässchen eher Leipziger und Leipzig-Liebhaber wären. Für die müsste man keine mehrsprachige Beschriftungen anbringen. Die Befragung aber zeigt: Auch hierher kommen viele Besucher aus aller Welt, sind neugierig auf Leipziger Aspekte und stolpern dann über fehlende Beschriftungen in Englisch, wie sie im Alten Rathaus längst üblich sind.

    „Das werden wir jetzt ändern“, sagt Rodekamp. Und nimmt noch mehr mit aus der Befragung. Denn die Sicht auf Museen habe sich in den letzten Jahren deutlich geändert – vom Museum der Dinge hin zum Museum für die Menschen. Was schon in den letzten Jahren viele Veränderungen in Leipzigs Museen mit sich brachte: barrierefreie Zugänge, leserfreundliche Beschriftungen in großer Schrift und einfacher Sprache, Tastschrift und zunehmend mehr Hör- und Klangstationen, Audio-Guides und interaktive Angebote. Mehrsprachigkeit auch – aber wie man sieht: Sie sollte überall auftauchen.

    Denn im Schnitt kommen nur 29 Prozent der Besucher aus Leipzig (im Böttchergässchen immerhin 61 Prozent), aber 49 Prozent kommen aus anderen Teilen Deutschlands und 19 Prozent aus dem Ausland. Rund 1 Million Museumsbesucher hat Leipzig jedes Jahr. Und von all denen, die nicht aus Leipzig kommen, sind 14 Prozent extra für den Museumsbesuch nach Leipzig gekommen. Die Museen entfalten also eine touristische Magnetwirkung.

    Und dann so etwas.

    Denn die Befragung hat natürlich auch das erkundet, was noch nicht passt und die Museumsbesucher ärgert. Und am unzufriedensten waren sie eindeutig mit der Beschilderung – nicht der im Museum, sondern der, mit der sie das Haus endlich gefunden haben. Das wird eines der ersten Themen, die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke zusammen mit der LTM in Angriff nehmen will: die Wegweisung zu den Museen deutlich zu verbessern.

    Altes Rathaus mit blassem Turm und Werbung für die Ausstellung „Moderne Zeiten“. Foto: Ralf Julke
    Altes Rathaus mit blassem Turm und Werbung für die Ausstellung „Moderne Zeiten“. Foto: Ralf Julke

    Denn was nutzt ein schönes Museum, wenn sich keiner hinfindet? Etwa zum Mendelssohn Haus, das zwar 99 Prozent der Besucher gefällt – aber seit jetzt die neuen Wohngebäude daneben errichtet wurden, ist es vom Ring aus nicht mehr zu sehen. Und eine klare Wegeführung ist nicht zu sehen. In  der Straßenbahn wird zwar empfohlen, am Augustusplatz auszusteigen, wenn man zum Mendelssohn Haus will. Aber dann endet es schon. Da fragt man dann am besten die Passanten. Aber auch die Wegweiser, die in der Innenstadt stehen, sind oft geradezu zum Verzweifeln. An der Thomaskirche etwa schickt einer die Touristen zum Burgplatz, wenn sie zum Mendelssohn Haus wollen. Was zumindest etwas irreführend ist.

    Selbst Hans-Werner Schmidt freut sich, dass der Glastempel des Museums der bildenden Künste in den Herzen seiner Besucher angekommen ist. 96 Prozent sind zufrieden mit dem Besuch. „Augenscheinlich haben wir Vieles richtig gemacht“, sagt er. Auch wenn man als Museumsdirektor eher nur indirekten Einfluss auf Angebote wie Museums-Shop, Café oder Toiletten habe. Das sei ja alles outgesourct – also an Auftragnehmer vergeben. Dabei zeigte die Befragung nicht einmal gravierende Unstimmigkeiten. Die Zufriedenheit mit Shops und Cafés in den Museen ist sogar sehr hoch.

    Aber Volker Rodekamp nimmt dennoch den Ansporn mit, jetzt doch noch mehr Fleiß in die „Wohlfühlatmosphäre“ zu stecken. Denn die Zustimmungswerte der Besucher sind umso höher, je mehr sie sich in den Museen gut empfangen fühlen. Er kann sich sogar so eine Art Concierge vorstellen, die den Ankommenden den Einstieg in die Ausstellung erleichtert. Aber da die Besucher oft genug schon in höherem Alter seien, wären natürlich Barrierefreiheit und ausreichend Stühle in den Ausstellungsräumen wichtig. „Da werden wir auf jeden Fall was machen“, sagt er.

    Nur an einem Punkt wird es noch spannend: In der Leitausstellung seines Hauses im Alten Rathaus gibt es zwar einen kleinen Fahrstuhl („Klingel für den Aufzug im Durchgang des Alten Rathauses“), aber reicht der wirklich aus? Und was sagt der Denkmalschutz, wenn man daran etwas ändern will?

    Immerhin geht es der Dauerausstellung im Alten Rathaus wie so vielen Leipziger Museen: Selbst die Leipziger, wenn sie davor stehen, wissen oft nicht, dass da drin eine Ausstellung ist. Derzeit ist das mit großen Fahnen am Rathausturm sichtbar gemacht. Aber wenn 2018 die Fassade des Alten Rathauses saniert wird, wird es dieses Mittel der Aufmerksamkeit nicht mehr geben.

    „Wir werden uns auf jeden Fall eine kluge Beschilderung einfallen lassen müssen, die den Leuten zeigt, dass da drin ein Museum ist“, sagt Rodekamp.

    Leipziger Original-Stätte: das Mendelssohn-Haus. Foto: Ralf Julke
    Mendelssohn-Haus, noch frei stehend. Foto: Ralf Julke

    Deswegen seien ihm die „10 Prozent Kritik“ wichtig. Auch als Orientierung. Denn es ginge eben auch darum, dass sich alle Besuchergruppen im Museum wohlfühlten. Auch jene, die eher selten dort auftauchen.

    Wenn die Besucherumfrage wirklich aussagekräftig ist, dann ist nämlich das Publikum, das in Museen geht, selbst schon ein sehr spezielles. 65 Prozent der Befragten gaben an, mindestens vier- bis fünf Mal im Jahr in ein Museum zu gehen. Diese Menschen haben keine Schwellenangst mehr.

    Aber nicht nur die Kulturbürgermeisterin wünscht sich auch mehr Museumsbesuche von Leipzigern, die nicht „museumsaffin“ sind.

    Denn da ist unübersehbar noch eine Kluft. „Die Museen sind angekommen in der Stadt“, sagt Dr. Volker Rodekamp.

    Aber viele Leipziger sind noch nie in ihre Museen gekommen. Ob und wie das geändert werden kann, darüber werde man nun im Rahmen der Museumskonzeption beraten, betont Skadi Jennicke. Demnächst in vollständiger Direktorenrunde, wenn auch der Nachfolger von Hans-Werner Schmidt fürs Bildermuseum gewählt ist. Dr. Ronny Maik Leder als Direktor des Naturkundemuseums ist zwar schon gewählt, aber sein Museum war aus gutem Grund nicht in die Besucherbefragung einbezogen. Denn das alte Haus ist nach wie vor nur beschränkt zugänglich. Beim Aufbau des neuen Museums in der Baumwollspinnerei aber will er alle Anregungen aufnehmen, die die Besucherbefragung erbracht hat.  Es soll von Anfang an ein besucherfreundliches Haus werden.

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