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Eine ganz und gar nicht bescheidene Künstlerschau mit dem Titel „Neues Haus Neue Welt“

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    Aktuell kann man in der Josef Filipp Galerie in der Spinnerei noch die phantasischen Keramikobjekte von Rosi Steinbach sehen: „Wild Nature“. Ein phantasiereiches Spiel mit dem herrlichen Werkstoff Keramik. Aber nur noch bis zum 6. Januar. Wer es sehen möchte, muss sich also sputen. Denn zum Spinnereirundgang am 13. Januar eröffnet eine ganz besondere Auseinandersetzung mit der Kunst der Moderne, die überhaupt nicht bescheiden sein will: „Neues Haus Neue Welt“.

    Der Titel beruft sich – bekennend – auf die Monographie „Neues Haus Neue Welt“. Der Architekt Erich Mendelsohn hatte seine Villa, das Landhaus Am Rupenhorn Nr. 6 (am Stößensee zwischen dem Berliner Westend und Grunewald, erbaut 1928-29), zu einer Ikone der Moderne stilisiert. Gemeinsam mit Malern und Bildhauern geplant und gebaut, zitiert es Kubismus und Bauhaus, vor allem aber ein spezifisches Ungenügen an der Gegenwart, indem es sie herausfordert.

    Die Buchdokumentation dieses Bauwerks ist 1932 nicht nur Mendelsohns Manifest, sie feiert eine „Neue Welt“ und die hat wenig funktionale Effizienz. Es ist die Vision eines Künstlers.

    Die Reformgedanken der Architekten und des liberalen Bauherrn betonten das naturnahe Leben in der Verbindung von Innen- und Außenbereichen, gleitende Übergänge wie versenkbare Fenster und einiges mehr. Vor allem aber definiert sich jeder Raum im Haus zuerst über ein eigens dafür vorgesehenes Kunstwerk – vertreten zum Beispiel durch Lyonel Feininger, von Amédée Ozenfant und Ewald Mataré. Von diesen Werken aus werden die Farbgebung der Wände, werden Form und Charakter des Mobiliars, die Art des Blumenschmucks, werden Teppiche und Geschirr entworfen und wird die Lichtführung inszeniert. Selbst die den Werken implizite Ruhe oder Bewegung ist in die Räume übertragen und schließlich geben die Kunstwerke den thematischen Impuls für Zusammenkünfte und die Art der Beschäftigungen.

    Und was hat das jetzt mit der Ausstellung in Leipzig zu tun?

    Es geht um den Anspruch, der dahintersteckt.

    Kunst kommt zuerst. Das Selbstbewusstsein des über 90 Jahre alten Statements von „Neues Haus Neue Welt“ ist eine Steilvorlage für Martin Daiber, Sebastian Gögel und Thomas Moecker. Die Impulse, die aus diesen Buchseiten in die aktuelle Schau greifen, sind durchaus Bekenntnisse.

    Bei aller Spannung, die zwischen den drei Positionen, den Genres, den Temperamenten und Medien besteht und die die Präsentation auch beweglich macht, verbinden sich die Ambitionen unbescheiden zu grundsätzlichen Fragen – etwa nach der Selbstbestimmung und dem Ort – ist es Privileg oder Achillesferse, Gesellschaft vom äußeren, vom oberen Rand zu verhandeln?

    Die drei durchaus unterschiedlichen Künstler haben sich dem Thema vor allem mit lauter Fragen genähert, auch in der Frage nach dem sachlichen Wert und dem ideellen Mehrwert von Kunst: irrationales Maß für ideelles Gut? Nach ihrem guten Gewissen; sollte sich Kunst als poetische Variante von Politik und Philosophie artikulieren? Ist die Idee der Perfektion gut – und ist sie zwingend nicht-funktional? Wie berechnend ist der Künstler oder wie viel Berechnung verträgt ein Werk, oder sollte es viel mehr sich selbst, besser noch seinen Schöpfer überraschen? Und wer herrscht über den Sinngehalt – oder holt sich das Bild die Deutungshoheit zurück, etwa von der Erwartung eines Betrachters?

    „Und da ist wieder das alte, rhythmisch epochale Muster“, versucht die Galerie schon einmal zu bündeln, was ab dem13. Januar zu sehen sein soll. „Zeiten, die sich selbst lästig, die apathisch und ängstlich sind, steigern die Selbstreflexion, kultivieren den spätromantischen Überdruss und sie neigen zum Wegträumen in andere Welten – oder zu grundsätzlichen Veränderungen. Dieses Bewusstsein – so oder so – findet seinen Ausdruck zuerst in einer neuen Formsprache. Und hier breitet sich ein Spannungsfeld aus: von Mendelsons Haus am Rupenhorn von 1928 über Otto Dix, George Grosz bis zur Schau mit Werken von Martin Daiber, Thomas Moecker und Sebastian Gögel von 2018. So gelesen betritt man fast eine Kunstausstellung mit musealem Anspruch. Und das ist schon wieder ein Machtgestus – doch gleichzeitig hat er den wunderbaren Schwebezustand von Bestandsaufnahmen zwischen Abgetanem und Kommendem – mit den so auffällig verschwiegenen Zukunftsperspektiven.“

    Eröffnet wird die Ausstellung in der Josef Filipp Galerie (Spinnereistraße 7) am Samstag, 13. Januar, zum Winterrundgang der SpinnereiGalerien, 11 bis 20 Uhr.

    Zu sehen ist die Ausstellung von Martin Daiber, Sebastian Gögel, Thomas Moecker „Neues Haus Neue Welt“ vom 13. Januar bis zum 24. Februar.

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