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Leonardo war nie in Leipzig: Die Ausstellung zur Leipziger Wirkungsgeschichte Leonardo da Vincis

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    An ihm reiben sich die Kritiker. Zu Leonardos 500. Todestag sind ja nicht nur Bücher erschienen, die sein Werk und seine für die Zeit ungewöhnliche Begabung würdigen. Es gibt auch die anderen Schriften, die den Begabten aus dem kleinen Nest Vinci gern wieder zu einem ganz normalen kleinen Talent herabgeschrieben hätten. Aber schon der Blick in die Kunstgeschichte zeigt: Der Versuch ist chancenlos. Selbst in Leipziger Beständen finden sich Leonardos Spuren.

    Anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci widmet das Museum der bildenden Künste (MdbK) in Zusammenarbeit mit Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig dem Jubilar eine Ausstellung. Leonardo da Vinci (1452-1519) war nie in Leipzig, aber er hat in der Stadt im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Spuren hinterlassen. Sie sind Zeugnisse für die Verbreitung der von ihm geschaffenen künstlerischen Ideen und verdeutlichen seine große Bedeutung für die ästhetische Bildung der Eliten, die Künstlerausbildung und die Populärkultur.

    Alles Themen für die angehenden Kunsthistoriker aus dem Institut der Universität Leipzig. Es ist ein dankbares Thema: Welche Folgen hat das Werk so eines Ausnahmetalents? Und lassen sich diese Folgen selbst in diesem kleinen Örtchen Leipzig nachweisen, von dem Leonardo in seiner Schaffenszeit in Florenz und Mailand wahrscheinlich nicht mal den Namen gehört haben dürfte?

    James Marshall, Das Abendmahl (nach Leonardo Da Vinci), 1889, Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzi. Foto: Martin Weicke
    James Marshall, Das Abendmahl (nach Leonardo da Vinci), 1889, Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzi. Foto: Martin Weicke

    Schon zu Lebzeiten des Künstlers wurden seine Zeichnungen und Gemälde vielfach kopiert und bis ins 19. Jahrhundert orientierten sich Generationen von Künstlern an seinen Bilderfindungen. Grund für diesen enormen Erfolg sieht der Leonardo-Forscher Frank Zöllner in der Kombination aus akribischer Naturbeobachtung, die Leonardo ins Zentrum seiner Kunst stellte, der Gabe, neue und dynamische Lösungen für lang etablierte Bildsujets zu finden und der Entwicklung eines eigenen Markenzeichens, dem sogenannten „sfumato“.

    Die Ausstellung widmet sich in einem ersten Teil der Rezeption der künstlerischen Konzepte Leonardo da Vincis am Beispiel mehrerer Gemälde und druckgrafischer Reproduktionen des 16. bis 19. Jahrhunderts. Der wesentliche Teil der Exponate stammt aus der Sammlung Maximilian Speck von Sternburg, die zum Kern der Altmeistersammlung des MdbK gehört.

    Das größte Werk der Ausstellung ist eine Kopie von Leonardos „Abendmahl“, die James Marshall 1889 für die Leipziger Lutherkirche geschaffen hat – und zwar nach druckgrafischen Vorlagen, wie es aussieht. Das Original kannte Marshall wahrscheinlich gar nicht von eigenem Augenschein.

    Weitere Rezeptionsbeispiele aus diesem Ausstellungsteil sind die „Felsgrottenmadonna“ (1483-1484/85) und die „Madonna Benois“ (1475-1478).

    Auguste Gaspard Louis Desnoyers, Felsengrottenmadonna (nach Leonardo da Vinci), 1811, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im MdbK. Foto: MdbK
    Auguste Gaspard Louis Desnoyers, Felsengrottenmadonna (nach Leonardo da Vinci), 1811, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im MdbK. Foto: MdbK

    Nicht nur für diese drei Beispiele gilt, dass Leonardo da Vinci hier nicht nur neue Maltechniken, sondern auch neue Bildschöpfungen gefunden hat, die auch für arrivierte Malergenossen wie Raffael als vorbildlich und nachahmenswert galten.

    Der zweite Teil der Ausstellung behandelt die Rezeption der wissenschaftlichen Studien Leonardos. Diese Exponate stammen hauptsächlich aus den reichhaltigen Beständen der Universitätsbibliothek Leipzig, darunter auch die erste faksimilierte Reproduktion der heute berühmten Proportionszeichnung nach Vitruv in Giuseppe Bossis „Del Cenacolo di Leonardo da Vinci“ aus dem Jahre 1810.

    Die Faksimiles der Manuskripte und ihre Wirkungsgeschichte vermitteln einen Eindruck sowohl von der Vielfalt der Studien Leonardos als auch von der bis heute anhaltenden Wertschätzung seiner Ideen. Und sie zeigen natürlich, wie das Bildwerk des Künstlers wirkte, als es noch keine Farbfotografie gab, als Kopien oft die einzige Möglichkeit waren, die Motive auch in Gefilden zu verbreiten, die weit im Norden lagen. Und sie erzählen die Reise- und Sammlergeschichten solcher Bilder, auch solcher, die heute nicht ganz so berühmt sind wie die „Mona Lisa“, die aber die Sammler des 18. und 19. Jahrhunderts faszinierten, so wie Maximilian Speck von Sternburg.

    Die Ausstellung „Leonardo war nie in Leipzig“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Student/-innen des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig unter der Leitung von Professor Frank Zöllner und dem MdbK. Die beteiligten Student/-innen, die in zwei Semestern Ausstellung und Katalog vorbereitet haben, sind: Irina Becker, Julia Beckmann, Diana Lucia Feitsch, Nicolas Karf, Nicole Krosch, Nadine Luskovec, Antonia Madeleine Netzker, Tabea Milena Neumann, Annemarie Nowaczek, Dominique Öder, Anna Reindl, Marie-Luise Sehn, Carolin Theermann, Helen Uhlig, Tina Weingardt und Anna Elisabeth Widdecke.

    Zur Ausstellung erschien im Lehmstedt Verlag ein wissenschaftlicher Katalog, herausgegeben von Frank Zöllner. Der Band enthält auf 64 Seiten Beiträge von Frank Zöllner, den beteiligten Kunstgeschichtsstudent/-innen der Universität Leipzig und zahlreiche Abbildungen. Er ist für 15 Euro im Museumsshop sowie im Buchhandel erhältlich.

    Die Ausstellung wird unterstützt durch die Maximilian Speck von Sternburg Stiftung und Stil – Studieren in Leipzig.

    Zu sehen ist die Ausstellung vom 12. Juli bis zum 15. September.

    Leonardo war nie in Leipzig: Das kenntnisreiche Begleitbuch zur Da-Vinci-Ausstellung im Bildermuseum

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