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Schmutz und Schund. Die Weimarer Republik: Studierende der Uni Leipzig thematisieren die Zensur der 1920er Jahre

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    Auch die Weimarer Republik war eine Übergangsgesellschaft – auch was das gesellschaftliche Verhältnis zur Freiheit der Kunst betrifft. Während die Kunstszene Anschluss an die Moderne suchte und neue Freiräume ausprobierte, lebte das sittenstrenge Denken der Kaiserzeit in Ämtern, Gerichten und Zensurpraktiken weiter. Ab dem 10. Oktober zeigt die Ausstellung „Schmutz und Schund. Die Weimarer Republik“ zensierte und indizierte Schriften und Bilder der 1920er- und 1930er-Jahre.

    Diese Kabinettausstellung wird im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek zu sehen sein. Das Besondere daran: Die Ausstellung wurde von Master-Studierenden des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum erarbeitet.

    Besorgte Bürger auch schon vor 100 Jahren

    Die Kultur der Weimarer Republik verbinden wir mit Glanz und Glamour, den Goldenen Zwanzigern und der Avantgarde. Übersehen wird oft die Kultur der Massen, die in ihrer Zeit auf starke Widerstände stieß. Mit der Parole „Schmutz und Schund‘“ gingen besorgte Bürger seit dem Kaiserreich gegen die Vergnügungen der „einfachen Leute“ vor. 1926 wurde das „Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften“ durchgesetzt. Unter das Gesetz fielen vor allem erotische Schriften, aber auch Kriminal- und Abenteuergeschichten, die eine nicht näher definierte Qualität beziehungsweise moralische Integrität unterschritten.

    Die Kabinettausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek beleuchtet dieses wenig bekannte Kapitel aus der Kulturgeschichte der Weimarer Republik anhand von zahlreichen Fallbeispielen. Gezeigt werden populäre Groschenheftserien, Romane in wöchentlicher Lieferung, billige Zeitschriften, erste Boulevard-Blätter und nicht zuletzt aufwendig gestaltete Bildbände.

    Die ausgestellten Publikationen reichen von einer Zeitschrift mit dem Titel „Frauenliebe“, in der sich die Autoren für die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe einsetzen, bis hin zu einer populären Detektivserie namens „Fred Tarmum“, in der der Held auf der Suche nach seiner Schwester haarsträubende Abenteuer erlebt. Zu sehen sind ebenso Zeugnisse vom Wirken der Prüfer, die beispielsweise die Druckplatten des zweiten Bandes einer bebilderten erotischen Sittengeschichte noch in der Druckerei zerstörten. Die Fallbeispiele geben nicht nur Einblicke in die Hintergründe der Indizierung, sondern kontextualisieren auch die gesellschaftliche Sprengkraft und politische Botschaft mancher Provokation.

    Die Doppelgesichtigkeit der Zensur

    „Die Ausstellung widmet sich den massenhaft verkauften Unterhaltungsprodukten, die trotz ihrer Popularität oft nicht ernst genommen werden. Dabei geht es hier um durchaus aktuelle Fragen: Sollten wir Heranwachsende vor Darstellungen von Gewalt und Sexualität schützen? Oder leistet nicht vielmehr das Argument des Jugendschutzes der Zensur Vorschub?“, betont Kurator Patrick Merziger, Juniorprofessor am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.

    „Mit diesen aktuellen Fragen knüpft die Ausstellung thematisch an die medienhistorische Dauerausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums an, die dem Thema Zensur ein zentrales Kapitel widmet“, führt die Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Stephanie Jacobs, aus.

    „20 Biografien zensierter Bücher vom 16. Jahrhundert bis heute zeigen nicht zuletzt die Doppelgesichtigkeit der Zensur: einerseits als – im Extremfall tödliche – Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit durch ideologische Anmaßung und autokratisches Gewaltmonopol, andererseits als Maßnahme zur Wahrung von Persönlichkeitsrechten und zum Jugendschutz. Für das Museum als bestandshaltender Gedächtniseinrichtung bedeuten solche Kooperationen wie die mit der Universität Leipzig nicht nur einen stets inspirierenden Zugewinn an wissenschaftlichem, aber auch ‚jugendlichem‘ Input“, so Jacobs. „Sie garantieren auch, dass die in über 130 Jahren zusammengetragenen Bestände des Museums mit aktuellen Fragestellungen konfrontiert und so in gesellschaftliche Kontexte eingespeist werden“.

    Die Ausstellung

    Die Ausstellung „Schmutz und Schund. Die Weimarer Republik“ ist bis zum 26. Januar 2020, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr sowie an Feiertagen (außer montags) von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Eröffnung findet am 10. Oktober um 19:30 Uhr statt. Nach der Begrüßung durch Michael Fernau, Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, gibt es eine Einführung in das Thema durch Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, gefolgt von einem Vortrag von Juniorprof. Dr. Patrick Merziger zum Thema: „Die andere Moderne. Zur Kultur von Schund und Schmutz in der Weimarer Republik“.

    Als Bücher noch als gefährlich galten: Die erste Zensurkonferenz an der Uni Leipzig

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