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Als Bücher noch als gefährlich galten: Die erste Zensurkonferenz an der Uni Leipzig

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    Als im Frühjahr der eindrucksvolle Band „Verantwortliche Redaktion“ mit den Forschungsergebnissen der Leipziger Buchwissenschaften zur Zensurpraxis in der DDR erschien, kündigte Buchprofessor Siegfried Lokatis schon einmal an, dass es zu dem Thema auch noch eine große Konferenz in Leipzig geben werde. Die findet vom 24. bis 26. September im Felix-Klein-Hörsaal der Uni Leipzig statt.

    Warum wurde ein Auschwitz-Buch in der DDR verboten? Wie mischte die Stasi in der Zensurpraxis des DDR-Kulturministeriums mit? Was hatten die Zensoren an Indianer- und Science-fiction-Büchern oder an sowjetischer Belletristik auszusetzen? Und warum wurden sogar medizinische Fachaufsätze politisch verändert?

    Diese und viele andere Fragen beantwortet die Konferenz „Die Argusaugen der Zensur – Eine Geheimgeschichte der DDR-Literatur“ an der Universität Leipzig vom 24. bis 26. September 2019, veranstaltet von der Professur für Buchwissenschaft am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft.

    Zu jedem in der DDR erschienenen Buch wurden mehrere Gutachten verfasst, die den Zensor über den Inhalt, die gesellschaftliche Bedeutung und ideologischen Gefahren eines Werkes informieren sollten. In den Archiven schlummern mehr als 100.000 solcher Zensurgutachten, entstanden in den Verlagen oder im Auftrag der Zensurbehörde, der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur.

    Die Konferenz befasst sich mit der Interpretation solcher Gutachten, die ohne Kenntnis der institutionellen Hintergründe, der damals üblichen Sprachregelungen und der taktischen Absichten der Akteure kaum zu verstehen sind. Zudem wurde wissenschaftliche Literatur nach anderen Regeln begutachtet als Lyrik, Romane, Lexika oder Reiseliteratur, und von Verlag zu Verlag herrschten unterschiedliche Gepflogenheiten.

    Auf der Konferenz referieren und diskutieren Zensurforscher verschiedener Fachdisziplinen und Lektoren aus großen DDR-Verlagen über die Begutachtungspraxis der Zensoren und Verlage, analysieren spannende Gutachten und die damit verbundenen Zensurfälle.

    Das erwähnte Auschwitz-Buch ist das von Primo Levi. Warum es in der DDR verboten wurde, dazu berichtet Joachim Meinert, ehemaliger Lektor und Übersetzer in den Verlagen Volk und Welt und Aufbau. Prof. Dr. Heinrich Olschowsky, emeritierter Professor für Polonistik der Humboldt-Universität Berlin, erzählt, wie der ideologische Argwohn gegen Literatur aus Polen waberte. Aber das Spiel war ja nicht einseitig. Wo staatliche Instanzen die Zensurschotten hochzogen, machten sich Lektoren auf den Weg, um in anderen Literaturen neue geistige Freiräume zu erobern – in der englisch-irischen Literatur zum Beispiel, worüber Dr. Günter Gentsch, ehemaliger Lektor bei Insel und Kiepenheuer, berichtet.

    Die Konferenz findet im Paulinum der Universität Leipzig am Augustusplatz (Felix-Klein-Hörsaal) statt und ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

    Um Anmeldung wird freilich gebeten bis 15.09.2019 bei Janine Hollmann: janine.hollmann@uni-leipzig.de.

    Verantwortliche Redaktion: Wie die Zensurwerkstätten in der DDR tatsächlich funktionierten

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