Erinnerungen ans Grüne Gewölbe

In der Galerie Reiter zeigt ein Däne den sensationellen Raub dreier Kronen im Jahr 1914

Für alle LeserWie alle Jahre wieder warnte das Ordnungsamt am 3. Januar: „Für den ‚Winterrundgang der SpinnereiGalerien‘ am Samstag, 11. Januar, in der Leipziger Baumwollspinnerei (Spinnereistraße 7), von 11 bis 20 Uhr, weist das Ordnungsamt der Stadt Leipzig auf die schwierige Parksituation während der Veranstaltung hin. Das Parken ist auf dem gesamten Spinnerei-Gelände eingeschränkt bzw. verboten. Kostenfreies Parken ist auf dem Besucherparkplatz, Einfahrt Saarländer Straße, möglich.“ Auch ein Däne namens Lars Bjerre wird die Kunstliebhaber in die Spinnerei locken.

Was natürlich nichts daran ändert, dass die Spinnerei nach wie vor rudimentär mit Nahverkehr ausgestattet ist. Wer mit dem ÖPNV anreist, muss eine Ecke laufen. Und muss dann in der Regel auf dem letzten Wegstück auch noch zwischen wild geparkten Autos hindurch.

Das Ordnungsamt dazu: „Aufgrund der begrenzten Stellplatzkapazitäten wird auch zu dieser Veranstaltung empfohlen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Wegen häufiger Beschwerden hinsichtlich einer Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern durch Falschparker wird in der Spinnereistraße am benannten Veranstaltungstag verstärkt kontrolliert.“

Die Arbeiten von Lars Bjerre sind am Samstag, 11. Januar, von 11 bis 20 Uhr in der Galerie Reiter in der Halle 6 zu sehen.

Lars Bjerre (geboren 1975) studierte an der Universität Kopenhagen und am Central Saint Martins College of Art & Design in London. Im Rahmen von Auslandsstipendien arbeitete er unter anderem in Peking, Venedig und Transsilvanien. Zuletzt waren Bjerres Werke in verschiedenen Ausstellungen unter anderem im Neuen Berliner Kunstverein, im Huset i Asnæs (Dänemark), bei DZIALDOV, Berlin, im Kunstbygningen i Vrå (Dänemark) und Savvy Contemporary, Berlin zu sehen.

2017 erhielt er das Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Berliner Senats. Lars Bjerre lebt und arbeitet in Kopenhagen und Berlin. Er erarbeitet Serien detailreicher, großformatiger Gemälde, die er in Installationen oftmals im Dialog mit Objekten präsentiert, die in seinen Bildern dargestellte Elemente inhaltlich aufgreifen und zum Teil auch direkt räumlich wiederholen. Die Themen seiner Werke variieren dabei stark, gehen jedoch wiederholt zurück auf Aspekte der Biografie des Künstlers sowie ein Interesse an bestimmten emotionalen Erfahrungsräumen und prototypischen erzählerischen Genres, die er in seinen narrativ angelegten Settings aufgreift.

Für „The Robbery, 1914“, der zweiten Einzelausstellung von Lars Bjerre in der Galerie Reiter Leipzig, hat der dänische Künstler eine Reihe neuer Arbeiten hergestellt, die einen Diebstahl inszenieren.

Ein Thema, das natürlich die Sachsen daran erinnert, dass gerade auch ihr geliebtes Grünes Gewölbe in Dresden Ziel eines Raubzugs wurde, an dem sich die ermittelnde Polizei bislang die Zähne ausbeißt.

„The Robbery, 1914“ basiert auf einer Fiktion: Einige Wochen vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs entscheiden sich drei Männer dazu, einen folgenreichen Diebstahl zu begehen. Sie planen den Raub von drei Kronjuwelen: der preußischen Hohenzollernkrone, der britischen St. Edwards Krone und der Russischen Zarenkrone, die zum Besitz der drei Cousins Kaiser Wilhelm II., King George V. und dem Kaiser Nikolaus II. gehören. Die wahnwitzige und doch erfolgreiche Tat beraubt die Monarchen nicht nur ihrer Herrschaftssymbole, sondern auch ihrer politischen Bedeutung. So schreiben die Räuber die Geschichte neu.

Dieser Diebstahl ist der thematische Ausgangspunkt für Lars Bjerres Ausstellung. Die Arbeiten – es sind Malereien und Keramiken – dekonstruieren das fiktive Narrativ und verlieren sich in Details, Handlungen der Akteure oder in der Staffage, und setzen diese szenischen Elemente auf ungewohnte Weise wieder zusammen. Dadurch entstehen Momentaufnahmen und Situationen, die, ähnlich einem Storyboard, die Geschichte durch einzelne Standbilder erzählen. Die Interieurs mit ihren schweren, grünen Tapeten und bunten Fenstern werden dabei ebenso in Szene gesetzt wie die Verkleidung und Ausrüstung der Räuber, und nicht zuletzt ihre glänzende Beute: Die drei Kronen, deren Auswirkungen auf politische Machtgefüge und ihre bis heute unantastbare Symbolkraft für Souveränität und Reichtum Bjerre als tragische Komödie inszeniert.

Zur Ausstellung liefert der Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet, auch gleich noch die auf Englisch geführte Unterhaltung der Räuber.

On a hot evening in July 1914, a robbery was in the planning.

Robber 1: „In London the peoples‘ moustaches are rather ginger coloured!“

Robber 2: „Of course they are. Do we have three of them?“

Robber 3: „We’ve got plenty. Have a look in the box, over there.“

Robber 2: „I found three good ones.“

Robber 3: „There is no way all three of us will wear ginger coloured ones. I want a black one!“

Robber 1: „They will be moving the crown from Saint Petersburg to Moscow in only a week. We really need to…“

Robber 2: „…I’m sorry, but don’t they wear their moustaches in Moscow with a bigger curl than in Saint Petersburg?“

Robber 3: „I’m not sure.“

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