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Bastian Muhrs „Zeichnung im Plastikgarten“: Ein Video dokumentiert den Beitrag zur Ausstellung „Künstliche Paradiese“

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    Seit dem 28. August läuft die interaktive Kunstreihe im öffentlichen Raum „Künstliche Paradiese“ des Kunstvereins Leipzig. Im Plastikgarten zwischen Martin-Luther-Ring und Friedrich-Ebert-Straße ist jetzt ein neues (vergängliches) Kunstwerk von Bastian Muhr hinzugekommen, das während seiner Entstehung auch im Video festgehalten wurde.

    Mit dem abrupten Ende der DDR ist der Leipziger Plastikpark westlich des Neuen Rathauses in seiner ursprünglichen Konzeption aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden und wird heute vornehmlich als Transitraum (von Fußgänger/-inen und Radfahrer/-innen) wahrgenommen. Bastian Muhrs (*1981 in Braunschweig) temporäre, dort von Hand ausgeführte Zeichnung markiert die Grünanlage wieder als Ort der zeitgenössischen Kunst.

    „Das verspielte, überbordende Formenrepertoire des Barock überführt Muhr in seiner Arbeit in eine abstrahierte, aber dennoch in ihren Ausmaßen übersteigerte Lineatur auf den Rasen“, beschreibt der Kunstverein das, was der Künstler dort mit weißer Kreide auf sattem Grün geschaffen hat.

    Die letzten Spuren von Bastian Muhrs Kunstprojekt auf dem Rasen im Plastikgarten. Foto: Ralf Julke
    Die letzten Spuren von Bastian Muhrs Kunstprojekt auf dem Rasen im Plastikgarten. Foto: Ralf Julke

    „Das barocke Ornament wird auf eine einfache, geometrische Formenwiederholung reduziert, die sich über den gesamten Rasen ausbreitet. Der Begriff Ornament ist hier in seiner ursprünglichen Bedeutung zu verstehen: Es soll die Fläche schmücken und so einen Perspektivwechsel bei den Passant/-innen provozieren.“

    Die Geschichte des Plastikgartens

    Die Fläche westlich des Neuen Rathauses wurde erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre als Park angelegt. Zur Zeit des Barock war hier eine Wiese, später entstanden kleine Privatgärten, bevor die Fläche Ende des 19. Jahrhunderts überbaut wurde und die ehemalige Weststraße samt Straßenbahn hindurchführte (und gleich daneben auch die katholische Kirche St. Trinitatis stand). Im Zuge des postmodernen städtebaulichen Entwicklung der Inneren Westvorstadt hatten sich Leipziger Künstler✳︎/-innen für die Herstellung einer Grünanlage eingesetzt.

    Die Konzeption der Parkanlage stammt u. a. von dem Architekten und Künstler Bernd Sikora. Die Landschaftsarchitektur orientiert sich an dem sentimentalen Stil des Englischen Gartens und ist geprägt von geschwungenen Formen und locker stehenden Baumgruppen. Die Grünfläche sollte die Lücke zwischen dem benachbarten Johannapark, der 1858 von Joseph Peter Lenné, einem der wichtigsten deutschen Gartenkünstler zur Zeit der Englischen Landschaftsgärten, entworfen wurde, und der Grünanlage an der Moritzbastei schließen.

    Der Entwurf sah die Idee einer sich wechselnden Skulpturenausstellung vor. Ab 1987 fanden drei Ausstellungen statt. Seit 1990 blieben die Natursteinsockel leer und sind heute nur mehr Zeugen dieses progressiven Versuches, zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen. Sikoras Skulptur, die Bezug auf die barocke Gartengeschichte in Leipzig nimmt, kam 1994 hinzu.

    Of Things Baroque

    Bastian Muhrs Arbeit ist Teil der Ausstellung „Künstliche Paradiese“, welche im Rahmen der Programmreihe „Of Things Baroque“ den barocken Ursprüngen der Leipziger Gartenkultur nachgeht und deren historische Strukturen auf aktuelle Möglichkeiten städtischer Teilhabe befragt. Während seit dem Biedermeier vor allem die Schrebergärten das Image der Stadt prägen, ist die herausragende Bedeutung Leipzigs als ein historisches Zentrum prachtvoller, bürgerlicher Barockgärten in Vergessenheit geraten.

    Der Dorotheenplatz und der Plastikgarten, beide in unmittelbarer Umgebung des KV, werden zu Ausstellungsorten im öffentlichen Raum. Temporäre Installationen untersuchen die barocke und postmoderne Historie der beiden stadtgeschichtlich bedeutsamen Flächen.

    „Die Frage nach Repräsentation und Nutzungsrecht, die sich bei beiden öffentlichen Räumen stellt, ist letztlich die Frage nach dem Recht auf Stadt“, formuliert der Kunstverein.

    „Dieses beinhaltet, wie Henri Lefevbre es bereits 1968 beschrieb, auch das Recht auf Zentralität und das auf Teilhabe an den Vorzügen des urbanen Lebens, dem kollektiven, lustvollen Miteinander. Der zunehmende räumliche Nutzungsdruck bezieht sich eben nicht nur auf die funktionellen Ebenen des städtischen Raums – Wohnen, Arbeiten, Erholen –, sondern umfasst insbesondere auch dessen offene, ungerichtete Nutzung: als Ort des zwanglosen Zusammenkommens. Gerade die barocken Bürgergärten, die den Leipziger/-innen für Vergnügungen und Müßiggang geöffnet waren, können als Schablone für einen gegenwärtigen Lustort dienen.“

    Die entstandene Videoproduktion von Hagen Betzwieser kann man hier auf Vimeo anschauen.

    Kuratiert wird das Projekt von Rebekka Bauer, Diana Felber und Teresa Rudolf. Ein Projekt des KV Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig e.V. Gefördert von Stiftung Kunstfonds / Neustart Kultur, Kulturamt der Stadt Leipzig, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und LWB Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH. Vom Amt für Stadtgrün und Gewässer Leipzig gab es Unterstützung.

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