Seit mindestens zwei Jahrzehnten leben in Sachsen wieder Wildkatzen, mittlerweile auch im Leipziger Auwald. Weil diese häufig mit Hauskatzen verwechselt werden, hat der Naturschutzverband BUND jetzt eine Bitte herausgegeben: Wildkätzchen im Wald lassen. Wer vermeintlich verirrte Jungtiere mitnimmt, um ihnen zu helfen, richtet eher Schaden an.

„Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch“, warnt Almut Gaisbauer, Projektleiterin „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND Sachsen. „Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“

Wer eine junge Wildkatze im Wald findet, sollte sich leise entfernen und gegebenenfalls nach sechs bis zwölf Stunden prüfen, ob sie immer noch da ist. Ist das der Fall, sollten die aufmerksamen Beobachter*innen den BUND kontaktieren.

Auf seiner Homepage hat der Naturschutzverband einen Überblick parat, der Orientierung bietet, ob es sich um Haus- oder Wildkatze handelt. Sie sehen sich zwar ähnlich, unterscheiden sich aber auch in vielen Merkmalen voneinander, etwa bei Fellfarbe und -muster, Körperbau, Schwanz und Kopf. Außerdem sind Wildkatzen im Gegensatz zu vielen Hauskatzen sehr scheu.

Wildkatzen sind in Deutschland streng geschützt. Das heißt, sie dürfen weder gejagt noch aus dem Wald mitgenommen werden. Hierzulande sind sie mittlerweile wieder weit verbreitet, unter anderem im Schwarzwald, im Thüringer Wald, im Bayerischen Wald, im Harz und im Saarland. Erst Anfang des Jahres wurde zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder eine Wildkatze in Schleswig-Holstein gesichtet.

In Sachsen leben die Tiere laut BUND nicht nur im Auwald, sondern auch im Werdauer Wald, in der Dübener Heide, im Vogtland und in der Elsteraue südlich von Leipzig.

Der BUND setzt sich für bessere Lebensbedingungen für die Wildkatze ein und fordert unter anderem „grüne Korridore“ als Wanderwege. Lebensräume dürften außerdem nicht durch Verkehr zerstört werden, denn Straßen sind laut BUND die gefährlichsten Orte für Wildkatzen.

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