Wenn Lesen nicht so einfach ist

Wer dieser Tage die Buchmesse besucht, findet dort auch die Ausstellung „Endlich Lesen und Schreiben lernen“. Sie informiert über funktionale Analphabeten. - Was ist funktionaler Analphabetismus und warum haben so viele Menschen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben? Wie gehen sie mit dem Problem um und welche Lösungswege gibt es? All diese Fragen greift die Kampagne „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in ihrer multimedialen Ausstellung auf der Leipziger Buchmesse auf.
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In der Glashalle informieren fünf digitale Säulen über das Thema funktionaler Analphabetismus.

Die Ausstellung ist in ganz Deutschland unterwegs, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Einblicke in das Leben mit Lese- und Schreibschwierigkeiten zu geben. Bei ihrem Stopp in Leipzig führen ehemalige Betroffene als Experten durch die Ausstellung, beantworten Fragen der Messe­besucher und sprechen über ihre Erfahrungen als erwachsene Lerner. Gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. und der Koordinierungsstelle Alphabetisierung in Sachsen (koalpha) werden Wege aus dem Analphabetismus aufgezeigt. Zusätzlich finden täglich um 12 Uhr offene Gespräche statt, in denen Lernende mit bekannten Autoren über das Thema Analphabetismus sprechen. Der Autor und Verleger Tim-Thilo Fellmer moderiert die Gespräche. Er hat selbst erst im Erwachsenenalter richtig Lesen und Schreiben gelernt: „Bei dem Format handelt es sich um ein Expertengespräch mit Menschen, die genau wissen, wovon sie sprechen und die ihr Thema authentisch vermitteln. So unterschiedlich die Gäste der Gesprächsrunde auch sind, sie begegnen sich immer auf Augenhöhe. Schnell entsteht dadurch ein offener und informativer Austausch, so dass das Publikum der Veranstaltung vieles über die Welt des Schreibens und die des Nicht-schreiben-Könnens erfährt.“

Multimediaausstellung auf der Leipziger Buchmesse von Donnerstag, 12. März, bis Sonntag, 15. März, 10–18 Uhr (Glashalle, Stand 06). Einführung in die Ausstellung: 12. bis 15. März, täglich um 10 und 14 Uhr.

Autorengespräche: 12.–15. März 2015, täglich um 12 Uhr mit Überraschungsgästen, am Freitag, 13. März 2015, 12 Uhr mit Hannah O’Brien und ihrem Kriminalroman „Irisches Verhängnis“.

Lesung: 12.–15. März 2015, täglich um 16 Uhr mit Überraschungsgästen, am Donnerstag, 12. März 2015, 16 Uhr mit Jenny-Mai Nuyen und ihrem Urban-Fantasy-Roman „Nacht ohne Namen“.

Auch die Deutsche Zentralbücherei für Blinde lädt ein

Die marktüblichen Bücher, die auf der Leipziger Buchmesse neu vorgestellt werden, sind für blinde und sehbehinderte Buchfreunde kaum zugänglich. Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) präsentiert auf der Buchmesse eigens geschaffene Angebote für diese Leser in Halle 3 (B 307). „

„Wir wollen den Besuchern zeigen, wie wir blinden und sehbehinderten Menschen Zugang zu Literatur und Informationen schaffen““, so DZB-Direktor Prof. Dr. Thomas Kahlisch, selbst blind. „Es gehe nicht nur um Kontakte zu Verlagen, deren Titel für die Bibliothek nachproduziert werden, sondern auch zu Museen oder Vereinen, die selbst barrierefrei kommunizieren wollen.“ Die DZB stellt als Auftragswerke zum Beispiel Museumsführer, Orientierungspläne und Landkarten mit Reliefs, Brailleschrift und Großdruck her und erläutert aktuelle Muster auf der Messe.

Den Bestseller „“Breaking News““ von Frank Schätzing gibt es in der DZB nun als DAISY-Hörbuch und Lutz Seilers preisgekrönten Roman „“Kruso““ in Brailleschrift. Titel für blinde und sehbehinderte Leser erscheinen wegen des Produktionsaufwandes immer etwas zeitversetzt. Die DZB kann jährlich rund 400 neue Braille- und Hörbücher für die Ausleihe und den Verkauf herstellen. Gerade wird Michel Houellebecqs Buch „“Unterwerfung““ im Studio der DZB gelesen.

„Leipzig liest“ in der DZB

Für das diesjährige Lesefestival hat die DZB die Leipziger Autorin Kathrin Aehnlich eingeladen. Sie wird am Freitag, 13. März, 19 Uhr aus ihrem Buch „„Wenn die Wale an Land gehen““ lesen. Ihr Buch ist in der DZB als Hörbuch erschienen und kann hier ausgeliehen werden. Besucher willkommen: Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB), Gustav-Adolf-Straße 7 (Tram-Haltestelle Leibnizstraße).

Lesen mit anderen Sinnen

Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) in Leipzig ist Deutschlands älteste öffentliche Spezialbibliothek (seit 1894), die Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen anbietet. Die DZB ist nicht nur Bibliothek, sondern zunächst Produktionszentrum für Braille- und Hörbücher, Reliefs oder Noten für Blinde. Dabei ist sie im deutschsprachigen Raum führend. In Deutschland leben rund 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen.

Das Leben in Szenen im Nikolai-Eck

Das Nikolai-Eck lädt im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 12. und 13. März 2015 zu Lesungen von Autoren mit und ohne Behinderung ein.

Das Nikolai-Eck veranstaltet gemeinsam mit dem Berufsbildungswerk Leipzig zu „Leipzig liest“ eine Lesung im Nikolai-Eck am Nikolaikirchhof. Die Besonderheit dabei: Die Lesung wird von Autoren mit und ohne Behinderung gestaltet. Schauspielerin Sibylle Kuhne stellt am Donnerstag, 12. März, um 18 Uhr das Monodrama „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt vor.

Am Freitag, 13. März, liest Ines Thorn um 15 Uhr aus ihrem historischen Roman „Wolgatöchter“, während um 19 Uhr die kleine Lesebühne Zuhal Soyhan als Autorin mit Behinderung gehört. Die ausgebildete Journalistin liest aus ihrem Buch „Ungebrochen. Mein abenteuerliches Leben mit der Glasknochenkrankheit.“ Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Zuhal Soyhan bringt eine bewegende Lebensgeschichte mit. Als Kind in der Türkei stellte man bei ihr die Glasknochenkrankheit fest, ein Defekt im Kollagenstoffwechsel, der dazu führt, dass die Knochen unzureichende Festigkeit haben und zudem kaum wachsen. So sitzt Zuhal Soyhan zeitlebens im Rollstuhl, lebte als Kind erst im Krankenhaus, später in einem Heim, setzte sich gegen Widrigkeiten und Hürden hinweg und schaffte nach mittlerer Reife und Abitur die Aufnahmeprüfung an der Deutschen Journalistenschule in München. Heute arbeitet sie als Journalistin für den Bayrischen Rundfunk. Die Zuhörer erwartet bei der Lesung eine sympathische, aufgeräumte, klar denkende Frau, die von einem Leben mit Behinderung erzählt.

Das Nikolai-Eck gehört zur Diakonie am Thonberg, deren Träger das Berufsbildungswerk Leipzig ist. Dieses bildet junge Menschen mit einer Hör-, Sprach- oder Lernbeeinträchtigung in anerkannten Berufen aus oder bereitet sie auf eine Ausbildung vor – in eigenen Werkstätten und in Kooperation mit Betrieben. Im Nikolai-Eck können einige Produkte aus den Werkstätten erworben werden.

12. März, 18 Uhr: Sybille Kuhne mit Monodrama „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt

13. März, 15 Uhr: Leipzig liest: Ines Thorn mit „Wolgatöchter“

13. März, 19 Uhr: Leipzig liest: Zuhal Soyhan mit „Ungebrochen. Mein abenteuerliches Leben mit der Glasknochenkrankheit.“

Und noch eine Zugabe im Haus der Demokratie

Der Blinden- und Sehbehinderten Verband lädt unter dem Motto „Literatur ist alles“ am Donnerstag, 12. März, um 17 Uhr zu einer Lesung mit dem blinden Verbandsmitglied Michael Scholz (33) ein, der aus seinen eigenen Texten lesen wird.

Ort der Lesung ist die Cafeteria im Erdgeschoss des Hauses der Demokratie (Bernhard-Göring-Straße 152). Der Eintritt ist frei.

Leipziger Buchmesse
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