„Der Buchmarkt ist unvorhersehbar.“ – „Der Buchmarkt ist furchtbar.“ – „Das Geschäft mit den Büchern lohnt sich nicht mehr, die Leute haben jetzt TikTok, YouTube und Netflix.“ – Das hört man auf jeder Buchmesse und am Rande der meisten Literaturveranstaltungen. Gleich danach hört man dort aber auch den neuesten Klatsch aus der Branche. Derzeit betrifft der Denis Scheck, Literaturkritiker beim DLF und der ARD, der angeblich Autorinnen nicht mag und deren Titel deswegen – ganz wörtlich – in die Tonne kloppt.

Kann man dazu stehen, wie man will. Der Buchmarkt hat, was er braucht: seinen Skandal. Skandale sind immer gut, weil sie für Medienecho sorgen und der Branche ein Gefühl von Selbstvergewisserung vermitteln, nach dem Motto: Wenn über uns gestritten wird, ist das der beste Beweis dafür, dass wir immer noch da sind und – vielleicht! – sogar relevant.

Grundsätzlich bot dieses noch junge Jahr in Bezug auf Buchmarktselbstvergewisserung bisher ohnehin eine ganz ordentliche Ausbeute. Immerhin hat der für Kultur zuständige Minister bestimmte Buchläden kürzlich so ernst genommen, dass er sie aus mysteriösen Gründen von einer Preisverleihung ausschloss.

Skandale nutzen letztlich nicht nur dem Image, sondern auch dem Verkauf. Wovon nicht nur Skandalautoren oder Social-Media-AktivistInnen mit gedrucktem Merchandise Produkt (sprich: Buch!) ein bis drei Lieder singen können.

Schöne Bücher. Logo: Netzwerk unabhängiger Verlage
Schöne Bücher. Logo: Netzwerk unabhängiger Verlage

Wer es gar nicht so mit dem Skandal als Verkaufsbooster hat, sind die Verleger/-innen und Brancheninsider, die sich im Netzwerk Schöne Bücher zusammenfanden. Sie folgen einer anderen, mindestens ebenso traditionsreichen Marketingregel, nämlich: Gemeinsam sind wir stärker. Entstanden 2020, zählen mittlerweile über 100 kleine, kleinste und mittelgroße Verlage dazu.

Das Netzwerk betreibt eine Webseite, verschickt Newsletter und gibt ein Magazin heraus, in dem sich Mitglieder mit ihren Neuerscheinungen vorstellen, man betreibt natürlich auch Social-Media-Arbeit und ist auf Messen und Veranstaltungen mit Ständen präsent.

Das ist langwierige Kärrnerarbeit im unübersichtlichen Kulturbetrieb. Sie ist notwendig, aber hart.

Ein neues Projekt, entstanden in direkter Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Schöne Bücher ist die „Schöne Bücher“-Lesereihe im Laden auf Zeit des Theaterpacks, in der Kohlgartenstraße 51. Das ist ein malerisch verrumpelter Ort, betrieben von EnthusiastInnen des Kulturbetriebs. Dort sind die Drinks günstig und die Stühle bequemer, als sie aussehen.

Tristan Rosenkranz, Verleger der Geraer Edition Outbird, frühes Mitglied im Netzwerk Schöne Bücher, hatte die Idee, in Kooperation mit Verlagen des Netzwerks dort eine Lesereihe ins Leben zu rufen, die einmal monatlich Autor/-innen und Titel aus dem Netzwerk auf die Bühne und hoffentlich vor zahlreich erschienenes Publikum bringt.

Den Auftakt machen zwei Autoren und ihre Bücher, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stefan Leithold, ist Debütautor, aber Bühnenprofi, und liest aus seinem Roman „Eternos“, bei dem es um ein Verwirrspiel zwischen Theater, Fiktion und Realität geht. Zusammen mit Leithold wird David Gray auf der Bühne des Theaterpacks stehen, der aus seinem Band „Umarmung der Barbaren“ lesen wird. Darin gibt er unverzichtbare Livehacks über den angemessenen Umgang mit Gespenstern und erklärt, weshalb Jesus im Himalaya nie so erfolgreich werden konnte wie in Rom oder Paris.

Lesebühne „Schöne Bücher“, die 1ste, am 23. April, 19.30 Uhr, Laden auf Zeit, Kohlgartenstraße 51. Tickets an der Abendkasse: 10 Euro / Ermäßigt: 5 Euro.

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