Eine Wagner-Doppel-CD aus den ETERNA-Archiven: Richard ist Leipziger …

Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird.
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Dann treffen sich die Wagner-Verbände und Vereine aus aller Welt auch zu ihrem Kongress in Leipzig. „Wo denn sonst in diesem Jubiläumsjahr“, fragt Krakow. Der Richard-Wagner-Kongress 2013 findet vom 18. bis 22. Mai statt. Die Stadt wird rappelvoll sein. „Wir werden es richtig schwer haben, alle Anfragen für Karten und so weiter zu befriedigen“, sagt Volker Bremer, Geschäftsführer des LTM.

Das alles nicht ganz beiläufig. Am Montag, 21. Mai, hatte der LTM kurzfristig in die seit kurzem nach Richard Wagner benannte Aula der Alten Nikolaischule eingeladen, um ein neues Mitbringsel für Wagner- und Leipzig-Freunde vorzustellen. „Damit’s noch vor den Wagner-Festtagen passiert“, sagt Bremer. Denn der Richard-Wagner-Verband Leipzig legt pünktlich zu den Festtagen noch eine besondere Wagner-Doppel-CD auf den Tisch. Natürlich unter dem Motto, das Krakow seit gut zehn Jahren wie ein Mantra vor sich her trägt: „Richard ist Leipziger …“

Denn er beobachtet zwar mit Freude, dass die Musikstadt Leipzig seitdem im Marketing endlich gewürdigt und gestärkt wurde. Aber da spielten andere Komponisten die Zugpferde. Leipzig hat ja die Wahl und hat natürlich sinnvollerweise den unumstrittensten von allen auf die Nr. 1 gesetzt: Johann Sebastian Bach. Und in seinem Gefolge haben Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann ein bisschen Furore gemacht, was eher nicht an Leipziger Ressentiments liegt, als an der schlichten Tatsache, dass Mendelssohn Bartholdy schon 2009 seinen 200. Geburtstag hatte und Robert Schumann 1810.Die Leipziger Wagnerinaner fühlen sich trotzdem immer ein wenig zurückgesetzt, was ein bisschen auch zu tun hat mit dem unglücklichen Agieren einiger Verantwortlicher mit den Wagner-Inszenierungen zum Jubiläum. Die hätte es so – nach den ursprünglichen Planungen im Opernhaus – gar nicht geben sollen. Das hat sich in den letzten Monaten erst gründlich geändert. Jetzt hat die Oper Leipzig im Wagner-Jahr sieben Wiederaufnahmen und Premieren von Wagner-Stücken und Adaptionen im Programm. Dazu das „Nibelungenlied“ als Ballett-Premiere von Mario Schröder.

Alles buchbar. – Alles auch im Werbeflyer des LTM zu finden, der das Jubiläumsjahr schon kräftig bewirbt. Und wahrscheinlich wird Mancher staunen, der bislang immer glaubte, Wagner in Leipzig locke keine Maus hinterm Ofen hervor. Vielleicht sogar gerade deshalb, weil er so diskutant ist. Auch der Wagner-Kongress 2013 wird heißen: „Richard ist Leipziger …“

Die Doppel-CD gibt es schon jetzt. Sie ist der Versuch, die Musik Richard Wagners mit seiner Geburtsstadt Leipzig zu verknüpfen. Und weil das auch im 20. Jahrhundert schon Thema war, konnte Krakow einfach im Archiv des einstigen DDR-Klassik-Labels ETERNA wühlen und exzellente Einspielungen finden, die alle in den 1960er und 1970er Jahren stattfanden. Das Archiv gehört heute zur fedel classics GMBH in Hamburg. Finanzielle Unterstützung gab’s vom Drogerieunternehmen Müller in Ulm. Bei Müller wird’s die Doppel-CD auch für 9,99 Euro zu kaufen geben.

Sie beleuchtet nicht nur das Frühwerk Wagners, das mit einer Aufnahme der Symphonie C-Dur, uraufgeführt 1832 in Prag, vertreten ist, sondern auch sein späteres Opernschaffen, das im ETERNA-Archiv mit mehreren exzellenten Einspielungen vertreten ist. Für Krakow ein echter Edelstein ist die Einspielung des „Parsival“ durch das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig unter Leitung von Herbert Kegel aus dem Jahr 1965, eine deutsch-deutsche Co-Produktion, die zuerst im Westen erschien und 1978 dann auch in der DDR. Auch hier hört man einen der tragenden Interpreten der damaligen Zeit, René Kollo, der auch in anderen ETERNA-Einspielungen wie „Lohengrin“ oder „Rienzi“ sang.Auch Kurt Masur ist mit zwei eindrucksvollen Wagner-Einspielungen vertreten. Aber beide nicht aus seiner Leipziger Zeit, sondern aus seiner Arbeit mit der Dresdner Philharmonie („Tristan und Isolde“ und „Tannhäuser“). Das Gewandhausorchester ist dafür mit einer Einspielung unter dem Dirigat von Vaclav Neumann vertreten – „Fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck“.

Thomas Krakow hat zu dieser Doppel-CD noch ein 18seitiges Booklet verfasst, in dem die durchaus komplizierten Wechselbeziehungen zwischen Wagner und seiner Geburtsstadt und Leipzig mit Wagner thematisiert werden. Und natürlich funkelt auch die durchaus komplizierte Beziehung Wagners zu seiner Zeit und der Zeit zu sich selbst durch. Denn es gehört schon eine Menge – heute als durchaus wagnerisch empfundenes – Pathos dazu, um einen Spruch vom Stapel zu lassen wie „Heil Leipzig, meiner Vaterstadt …“

Hinter so einer Phrase steckt alles Mögliche, nur keine liebevolle und ungebrochene Beziehung. Aber da ging es Wagner gar nicht anders als seinen Verehrern. „Fans würde man heute sagen“, sagt Krakow. Würde man wohl. Mit allen Konnotationen.

Es bleibt ein diskutantes Thema. Wer sich reinhören will, bekommt die Wagner-CD in der Drogerie und beim Richard-Wagner-Verband.

www.richard-wagner-leipzig.de

www.wagner-verband-leipzig.de


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