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Liedermaching mit Party-Potential beim Festival im Scheibenholz

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    Mit den Leipzigern „2zu eins“, dem Liedermacher „Falk“ und eben „Liedfett“ profitierten auch der Veranstalter und 250 Zuschauer deutlich vom besseren Wetter. Zwar wurde es kühl am zweiten Abend des Liedermacher-Festivals auf der Galopprennbahn, doch Liedfett heizten ein und brachten das Publikum mit ihrer Mischung aus Reggae, Songwriter-Pop und Hip-Hop in Schwung. Zuvor brillierte Falk mit bitter-bösem Sarkasmus, der die Lachmuskeln trainierte. Diese zu kitzeln gelang auch schon 2zueins mit ihren Texten.

    Gewollt mehrdeutig drückten sich Liedfett in ihren Ansagen aus. Während sie an der Bedeutung ihrer Parole „Reinbügeln!“ wenig Zweifel ließen und Sänger Sprinder alias Daniel Michel sich von der Bühne aus gleich eine Flasche Roten vom Getränkewagen bestellte, blieb das Wort Ballern der Vorstellung des Publikums überlassen. Ballermann-Ankläge hatten die auf pure Tanzbarkeit ausgelegten Stücke, allerdings mit wesentlich mehr Tiefgang als die üblichen Verdächtigen. Denn unverkennbar blieben auch die Punk-Einflüsse während des Akustik-Rock mit Hip-Hop Gesängen. „Wir sind etwas lauter, Verzeihung aber wir sind so“, stellte Michel die Band denen vor, die sie nicht schon von den Festivals der Region kannten.

    Während der Songs sprang der 1,69 kurze Powerbarde mit der Energie eines Flummiballs über die Bühne, sein rau klingender Sprechgesang bildete das stimmliche Gerüst zu Bandkollege Lucas Uecker und Schlagzeuger Philipp Pöhner. Es entstand eine Show, die sich zwischen den Songs sehr um den Alkohol drehte, wobei auch Koketterie im Spiel war. Denn nach dem Konzert klang Michels Stimme im L-IZ Gespräch viel klarer, als es der Schauspieler auf der Bühne vorgab. „Ich bin in meinem Leben das erste Mal überhaupt auf einer Galopprennbahn, mag die Atmosphäre hier aber sehr. Die Veranstaltung hätte auf jeden Fall eine Wiederholung verdient.“

    Mit melodiöser Gitarre und bitterbösen Texten kannte Falk kein Tabu Foto: Sebastian Beyer
    Mit melodiöser Gitarre und bitterbösen Texten kannte Falk kein Tabu. Foto: Sebastian Beyer

    Lob bekamen die Hamburger auch von Falk. „Ich habe schon vor Liedfett gespielt und das macht auf jeden Fall Spaß.“ Der Berliner bringt noch im September ein neues Album heraus, dessen Aufnahmen gerade in Bearbeitung sind. Einen Vorgeschmack seines bitteren Sarkasmus brachte er schon einmal mit, im Februar wird man diesen in der Moritzbastei genießen dürfen. „Diesen Humor habe ich auch privat und schon von meinen Eltern mit auf den Weg bekommen.“ Noch hört man ihm die Herkunft aus dem Bergischen Land an, doch bei 120 Konzerten in diesem Jahr wird sich der Dialekt womöglich verschleifen. Tabu-Themen gab es in seinen Stücken keine, Lacher dafür nicht zu knapp. Ähnlich bissig wie Sebastian Kremer am Klavier sezierte Falk an der Gitarre gesellschaftliche Trends und sang seine Abneigung gegen diese unverhohlen heraus. Seien es Methoden der Kindererziehung, der Naturtourismus oder das Joggen, selbst wer sich für diese Themen begeistern kann, kommt durch den intelligenten Zynismus in Falks Texten sicher ins Grübeln.

    Es wurde durchaus verständlich, dass der seit einem Jahr professionelle Musiker zuletzt Preise einheimste. Denn so bieder wie er in Hemd und Stoffhose auftrat, so rebellisch und derb waren seine Texte und Ansagen. „Papst Franziskus sorgte für Aufsehen, als er 2014 sagte, man dürfe Kinder auch mal schlagen. Man solle ihnen nur nie die Würde nehmen. Ich halte Gewalt gegen Kinder immer für falsch, bin aber nicht sicher, ob man ihnen die Würde lassen muss“, kündigte der in Berlin lebende Liedermacher sein Stück „Kinderlied“ an. Neben diesem war vor allem „Toni und Tourette“ beim Publikum beliebt.

    Der schonungslosen Beschreibung, um welche Freuden im Leben das Syndrom Toni bringt, konnte sich kein Zuschauer entziehen. Da war es vor Lachen auch verzeihlich, dass das Syndrom klischeehaft auf die Fluchwörter reduziert wurde, die bei den meisten Verläufen gar keine Rolle spielen. Für den Text jedenfalls machten sie sich gut. Und schließlich gilt „Noch ist das Singen nicht verboten, noch ist das Denken kein Problem.“

    Diese Zeile gaben unter anderem 2zueins aus Leipzig zum Besten. Daniel Heinze und Heiko Dietze wechselten ihre Rollen an Gitarre und Bass und sorgten mit ebenfalls heiteren Texten für einen guten Einstand in den Abend. „Wir sind ja eigentlich Heavy-Metal Musiker im Körper von Liedermachern gefangen“, beschrieb Heinze das Wesen der Band mit einem Augenzwinkern. Dass sich beide mit diesem Schicksal gut arrangiert haben, zeigten Songs wie „Ein glückliches Paar“, über das einfache Glück mit einer Bierflasche, oder ein paar Kippen und „Festnetztelefon“ über die Freude, wenn die Richtige anruft.

    Insgesamt ist dem Festival nach künstlerisch-gelungener Premiere eine Wiederholung zu wünschen. Nicht unwesentlich dürfte bei dieser Entscheidung sein, inwieweit der nasse Start die Kalkulation über den Haufen warf.

    Daniel Heinze und Heiko Dietze eröffneten als Lokalmatadoren den Konzertabend Foto: Sebastian Beyer
    Daniel Heinze und Heiko Dietze eröffneten als Lokalmatadoren den Konzertabend. Foto: Sebastian Beyer

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