Gewandhausorchester: Andris Nelsons und Kristine Opolais begeistern Publikum mit Dvorak-Abend

Kristine Opolais’ Einstand im Großen Concert war ein voller Erfolg. Die Gattin des designierten Kapellmeisters Andris Nelsons interpretierte am Donnerstag und Freitag Arien von Bedrich Smetana und Antonin Dvorak. Eingerahmt war der Auftritt der Sopranistin mit Dvoraks Othello-Ouvertüre und der 9. Sinfonie.
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Für gewöhnlich braucht ein Andris Nelsons nicht lange, um das Publikum zu gewinnen. Kaum hatte der 38-Jährige den Taktstock gezückt, war das Publikum am Freitag ganz Ohr. Dvoraks Othello-Ouvertüre avancierte unter Leitung des Letten zu einem vollkommenen Klangerlebnis. Nelsons führte die Musiker gestenreich gleichermaßen feinsinnig wie fordernd durch das facettenreiche Werk. Insbesondere den Streichern verlangte der Dirigent eine immense Kraftleistung ab, die das Publikum mit tosenden Beifallsstürmen belohnte.

Kristine Opolais gastierte an diesem Wochenende zum ersten Mal im Großen Concert. Eigentlich sollte die Sopranistin schon Ende Dezember bei Beethovens Neunter (ebenfalls unter Nelsons) mitwirken, musste damals aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen passen. Am Freitag war sie stimmlich jederzeit auf der Höhe. Das „Lied an den Mond“ der Rusalka gab sie mit betörender Zärtlichkeit zum Besten. Opolais spannte mit ihrer warmen Sopranstimme mitreißende Bögen, die Nelsons am Pult dankbar aufgriff. Die Arie „Als die alte Mutter mich noch singen lehrte“ aus den Zigeunermelodien bereitete der Opernsängerin keinerlei erkennbare Schwierigkeiten.

Dirigent Andris Nelsons. Foto: Alexander Böhm

Andris Nelsons dirigiert das Gewandhausorchester. Foto: Alexander Böhm

Im Anschluss spielte das Orchester ein Instrumentalstück. Die Polonaise aus Dvoraks „Rusalka“ ließ kräftiges, dunkles Blech mit warmem Holz und verträumten Streichern aufeinanderprallen. Anschließend zeigte Opolais ihre dramatischen Seiten. Die Arie der Milada aus Smetanas „Dalibor“ und die Rusalka-Arie „O marno, marno to je“ sang die Lettin in atmosphärisch dichten, verzweifelt anmutenden Klangfarben. Das Publikum spendete anhaltenden Applaus.

Nach der Pause stand ein echter Repertoire-Klassiker auf dem Programm. Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ wird aufgrund ihrer eingängigen Melodik im klassischen Konzert oft und gern gespielt. Andris Nelsons kreiert vom ersten Takt an einen gewaltigen Spannungsbogen, der sich am Ende des ersten Satzes gewitterhaft über dem Großen Saal entlädt. Das anschließende Largo lässt den Blick auf die Holzbläser schweifen. Gundel Jannemann-Fischer lässt das bekannte Englischhornsolo gewohnt gefühlvoll vor sich dahinschmelzen. Mit sanftem Holz und dezent dosierten Streichern kreierte Nelsons für die Zuhörer eine traumhaft schöne Klangmischung.

Den explosiven Kontrast bildete das Scherzo mit seinen melodischen Anleihen an Beethovens Neunte, von Nelsons zackig bis marschierend interpretiert. Das finale Allegro gehörte den dominanten Hörnern und kräftigen Streichern. Das Publikum applaudierte stürmisch. Nelsons bedankte sich. „Warum sollen wir eine Zugabe nur auf Tournee spielen? Sie sind unser liebstes Publikum.“ Während die ersten Besucher den Saal bereits verlassen hatten, spielte das Orchester zur Freude der Dagebliebenen Dvoraks Slowenischen Tanz Nr. 2. Ein schöner Einfall, den der designierte Kapellmeister gern zur Gewohnheit machen darf.

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