Abschied vom Lindenauer Markt und fern am Horizont die Spinnerei

Das LOFFT geht jetzt auf eine halbjährige Odyssee durch den Leipziger Westen

Für alle LeserDie Hoffnung ist groß, dass die künftige Spielstätte für das LOFFT in der Baumwollspinnerei rechtzeitig fertig ist. Denn ab jetzt ist das freie Theater, das sich bislang ein Haus mit dem Theater der Jungen Welt am Lindenauer Markt teilte, erst einmal heimatlos. Nach knapp 20 Jahren hat das LOFFT am Dienstag, 26. Juni, feierlich seinen Auszug aus dem Theaterhaus am Lindenauer Markt begangen.

In einer Prozession inszenierten Diana Wesser und VertreterInnen der Initiative ProfiTraining Leipzig den Abschied vom Theaterhaus und brachten das Eingangsschild sowie eine Erinnerungsbox symbolisch an den ersten Interimsstandort in der Demmeringstraße 22. Mitglieder des Vereins, jahrelange Wegbegleiter, Partner und das ganze LOFFT-Team zelebrierten diesen einmaligen Moment als Meilenstein im langjährigen Kampf um den neuen Standort auf der Spinnerei Leipzig. Dass die neue Spielstätte im ersten Quartal 2019 endlich eröffnet werden kann, hat die Leipziger Stadtverwaltung inzwischen zugesichert. Das große Eröffnungsfestival soll ab Ende März 2019 stattfinden.

Bis dahin wird das LOFFT in der zweiten Jahreshälfte 2018 in wechselnden Spielstätten im Leipziger Westen zu Gast sein. Man kann also mit diesem Theaterchen einen Großteil des Leipziger Kultur-Westens kennenlernen, wenn man ihm jetzt einfach mit aller Neugier nachreist.

Erste Station: das LOFFT in der D22

Die Demmeringstraße 22 wird zur Ideenschmiede, kündigt das neuerungsfreudige Theater an. Von August bis Dezember 2018 wird im D22 geprobt, gewagt und experimentiert. Das neue deutsch-tschechische Residenzprogramm in Kooperation mit dem „Divadlo na cucky“ in Olomouc ermöglicht der Leipzig/Hamburger Glitch AG und der Performancegruppe tYhle aus Prag/Brno kreative Arbeitsaufenthalte in Leipzig.

Öffentliche Präsentationen geben Einblicke in ihre neuen Produktionen! Außerdem verwandelt das freie Performancekollektiv CHICKS mit „Love me harder“ die Bühne in der D22 in einen Palast des männlichen Eros. Und bei Experimenten dürfen natürlich auch die „Werkstattmacher“ nicht fehlen. Die Nachwuchsplattform „Werkstatt“ wird in den nächsten Monaten vier neue Projekte realisieren.

Abschiedsfeier am Lindenauer Markt. Foto: LOFFT

Abschiedsfeier am Lindenauer Markt. Foto: LOFFT

LOFFT gastiert im Theater der Jungen Welt

Platz da: Für eine Horde „Cowboys“ räumt das TdJW noch einmal die alte LOFFT-Bühne im Theaterhaus am Lindenauer Markt frei. Sebastian Weber produziert mit seiner neu gegründeten Sebastian Weber Dance Company ein grelles, anmaßendes Tanzspektakel über Populisten an der Macht – natürlich mit brillantem Stepptanz, Live-Musik und einer kruden, wütend-inspirierten Körperlichkeit. Gefördert wird das übrigens im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

LOFFT im Westflügel

Eléna Weiß eröffnet mit ihrer Performance-Gruppe #foxdevilsWwild ein „Wund-Air-Land“ im Westflügel. Blogger*innen ringen um die Likes des Publikums und machen den digitalen Zwang zur Selbstvermarktung analog erfahrbar.

LOFFT in der Stadtmission

Das Tanzlabor Leipzig schafft im Haus der Stadtmission einen utopischen Raum: Die neue Produktion „Anthropomorrphia 4230“ der mixed-abled Company fabuliert emanzipatorische Gegenentwürfe zu einer ausgrenzenden Alltagswelt.

LOFFT im Westbad

Und im Dezember kommt Bryckenbrant wieder in die Stadt: Im Westbad Leipzig veranstaltet die Berliner Theatergruppe zusammen mit dem Leipziger Square Dance Club „Das Massacker von New Leipzig“. Das verspricht einen überbordenden Theaterwestern mit gnadenlosen Ballereien, Live-Soundtrack und mitunter äußerst finsteren Bildern.

Und diese eindrucksvolle Reise durch die Westkultur ist, so lobt man im LOFFT, das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Leipzig, in der über 20 Standorte auf ihre Eignung als Interimsspielstätten geprüft wurden. Von 22 geplanten Projekten für die zweite Jahreshälfte 2018 musste mehr als die Hälfte ins nächste Jahr verschoben oder ganz abgesagt werden, da keine adäquaten Räumlichkeiten gefunden werden konnten, bedauert das LOFFT freilich auch.

Aber das war ja der Kummer all die vergangenen Jahre, dass es im Westen eigentlich an einer ausreichend dimensionierten Spielstätte für das LOFFT fehlte. Deshalb ist ja die Unterbringung in der Spinnerei der große Hoffnungsschimmer.

Unter dem Motto „Komm, wir gehen“ lädt das LOFFT sein Publikum ein, es auf der Reise zur Spinnerei zu begleiten – lustzuwandeln von Ort zu Ort mit neuen Produktionen, bewährten Formaten und experimentellen Tanz- und Performance-Gruppen, um im März 2019 gemeinsam auf der Spinnerei Leipzig anzukommen.

LOFFT
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Foto: pixabay

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