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Theatersommer anner frischen Luft: Ost-Passage Theater lädt ein zu Freiluft-Theater an einem echten Lost Place

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    In Leipzig wird eine Menge gebaut. Da verschwinden auch besondere Orte. Einen solchen besonderen Ort hat das Ost-Passage-Theater in der Dresdner Straße 82 gefunden und wird ihn ab dem 9. Juli bis zum 22. August auch bespielen. Wohl wissend, dass dieses einzigartige kleine Amphitheater demnächst verschwinden wird. Wer es noch erleben möchte, müsste seine Karten rechtzeitig bestellen.

    Leipzigs Markenzeichen ist eine aktive und lebendige Stadtgesellschaft. Litt die Stadt in den Neunzigern noch an heftigen Schrumpfungsschmerzen, entwickelte sich Leipzig seitdem zur Boomtown mit bundesweiter Ausstrahlung. Leerstehende Fabrikgelände und
    preiswerter Wohnraum zogen jungen Menschen mit Abenteuerlust und Pioniergeist an, und aus dem Netz von Experimentierräumen, das die ganze Stadt durchzog, entstand eine sehr vitale subkulturelle freie Szene.

    An der Schnittstelle zwischen Politik und Kunst bildete sie das Selbstbewusstsein der neuen Leipziger Bürgerschaft wesentlich mit und verfügt heute über bedeutende, in der Stadtgesellschaft fest verankerte Institutionen.

    Gleichzeitig hat der Boom auch gewaltige Transformationsprozesse ausgelöst. Steigende
    Mieten und Wohnraumverknappung weckten Kapitalinteressen rund um den Globus. Die
    Verdichtung der Wohnquartiere geht aktuell mit der Verdrängung sozialer Milieus einher,
    die in den mannigfaltigen „lost places“ der Stadt ihre ganz eigenen Freiräume beleben.
    Das Verschwinden dieser Nischenkulturen hat Folgen. Langfristig könnte es einen
    Substanzverlust für die freie Szene und damit insgesamt für den Kulturstandort Leipzig
    bedeuten.

    Das Ost-Passage Theater hat sich deshalb bereits im Frühjahr auf die Suche begeben nach einem solchen Leipziger „lost place“ für einen ganz besonderen Theatersommer, im
    Angesicht der Pandemie selbstverständlich „anner frischen Luft“. Gefunden wurde der
    Hinterhof der Dresdner Straße 82 in Reudnitz, ein idyllisch grüner Ort mit einer kleinen
    Amphitheater-Anlage, ein ehemaliger öffentlicher Weg, der durch den Neubau des riesigen Kaufland-Parkdecks nebenan abgeschnitten wurde.

    Hier rollen im Herbst die Bagger an und es entsteht neuer Wohnraum. Die Baugenehmigung liegt vor. Es wird also definitiv der letzte Sommer für diesen „lost place“. Passender könnte der Hintergrund nicht sein, um in Kooperation mit den Mieter/-innen vor Ort und dem Eigentümer der Fläche die Leipzigerinnen und Leipziger einzuladen, ins Gespräch zu kommen und in der gewohnten Leipziger Mischung aus Politik und Kunst gemeinsam aktive Stadtkultur zu genießen.

    Die Vorbereitungen laufen jedenfalls auf Hochtouren, teilt das Ost-Passage-Theater mit. Als Zuschauertribüne sollen die alten Bögen der Amphitheater-Anlage so hergerichtet werden, dass 50 Gäste in fester Sitzordnung Platz finden. In Hausstandgruppen mit jeweils 1,5 Meter Abstand, sodass während der Veranstaltung aus Hygienegründen keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden muss. Neben der 8×8 Meter großen Bühnenfläche soll ein Umkleidebereich für die Künstler/-innen und ein Unterstand für die Technik entstehen. Auch die Toiletten werden extra für den Theatersommer selbst gezimmert, wie eine kleine Ausreiche für kühle Getränke.

    Das Programm zum „Theatersommer anner frischen Luft“ soll ganz unterschiedliche
    Zielgruppen ansprechen und auf den Hinterhof der Dresdner Straße 82 locken. Eher
    musikalisch ansprechend angefangen mit der Volkslieder-Revue „Schatz & Schande“,
    weitergehend mit der zeitlosen Komödie „Der Menschenfeind“ von Molière für Jung und
    Alt, sowie dem Zwei-Personen-Stück „was wir füreinander sind. (not a love story)“
    und der postkolonialistisch-feministischen Produktion „Chicana Box“.

    Im Sommerkino gezeigt werden die Filme „Der Rausch“ (Vinterberg, DK 2020 – FSK 12), „Nackte Tiere“ (Waelde, D 2020 – FSK 12), „Im Stillen laut“ (Koppe, D 2019 – FSK 0) und
    „The Wild Goose Lake“ (Yinan, CN F 2019 – FSK 16 [OmdU]), sowie in Kooperation mit
    dem Haus der sozialen Vielfalt der Dokumentarfilm „Der Islam der Frauen“ (Frenz, D
    2019).

    Für Kinder & Jugendliche gibt es bei freiem Eintritt die Möglichkeit, die
    Maskentheater-Produktion „Die Regentrude“ aus Potsdam und das Tanztheater-Angebot
    „TURBOGIGAMANIPOWERISTISCH“ aus Münster zu besuchen.

    Aufgrund der pandemischen Lage wird um vorhergehende Reservierung gebeten. Die
    Kontakterfassung und Platzierung erfolgt vor Ort. Eine Online-Buchung ist nicht möglich.
    Karten vorbestellt werden können über: karten@ost-passage-theater.de

    Die Abendkasse öffnet jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Reservierte Karten sind bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abzuholen.

    Aktuelle Hinweise zu den geltenden Hygiene- und Seuchenschutzmaßnahmen findet man auf der Website des Ost-Passage-Theaters.

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      1 KOMMENTAR

      1. Ich kenne diesen Hinterhof und bin jetzt ein bisschen erstaunt.

        Der Hinterhof fiel mir vor Jahren schon auf durch den schicken „Parkweg“ (noch vorhanden). Die schicken „Straßenlaternen“ entlang dieses Parkwegs waren auch schick, sind aber so nicht mehr vorhanden – das, was da jetzt oben anmontiert ist, ist irgendwas anderes.

        Die gesamte Anmutung war jedenfalls viel zu wertig für ein privates Grundstück gewesen.

        Im Vorderhaus war eine Einrichtung der Stadt Leipzig für die Sozialarbeit mit Jugendlichen ansässig (ich habe mir was mit Drogen gemerkt). Das hat mir auch die etwas gehobene Gestaltung erklärt, denn die öffentliche Hand investiert einmal gut (und repariert dann nicht).

        Das Amphitheater habe ich heute mir mal näher angeguckt. Das sieht aber nicht wie „von 1920“ aus, sondern eher wie ein vollendetes Bauprojekt aus den 1990ern oder so. Ich finde es aber schade, dass diese spezielle Ecke mitten im Stadtteil vernichtet werden soll.

        Die Schilder der Stadt Leipzig am Vorderhaus sind abgenommen worden, man sieht aber noch die Klebespuren.

        Mir scheint, dass die Stadt Leipzig dieses Kleinod mit Absicht zu einem Lost Space gemacht hat.

        Bei den von mir vermuteten mafiösen Zuständen wundert mich das auch nicht weiter. Gier frißt Hirn, und vor Geld geht jegliche Kultur vor die Hunde.

        Man läuft übrigens auf dem „Parkweg“ direkt an der Rückseite des langgestreckten Gebäudes der Zündkerzenwerkstatt entlang. Dieses kleinteilige Projekt wird auch platt gemacht (es gibt dazu einen eigenen Lizzy-Artikel).

        Wie schon geschrieben: Heuchelei der Kommunalpolitiker in Leipzig. Diese Leute können ruhig zugeben, dass ihnen das alles zu poplig ist und ihre Stadt ein Stuttgart des Ostens sein möge. Genügend Autos und Autofabriken gibt’s ja schonmal.

        Langweilig.

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