Wegen Fotoausrüstung: Betrunkener soll Passant am Hauptbahnhof gewürgt haben

Nach außen wirkte Christian K. entspannt. Lässig blickte er sich im Gerichtssaal um, wechselte nur kurz ein paar leise Worte mit seinem Anwalt Matthias Luderer. Die Staatsanwaltschaft warf dem Selbständigen vor, den ihm völlig unbekannten Frank K. am frühen Abend des 22. November 2015 in der Westhalle des Leipziger Hauptbahnhofs mit drei Tritten attackiert, an die Wand gestoßen und mehrere Sekunden lang gewürgt zu haben. Der Bauhelfer fühlte sich durch die Fotoausrüstung seines Opfers provoziert.
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Christian K. räumte bei der Verhandlung am Montag vor Amtsrichterin Heike Gunter-Gröne die unrühmliche Begegnung mit Frank K. ein. Demzufolge kam es an jenem Novemberabend zu einer kurzen Konfrontation aufgrund Frank K.s Kamera. Der Leipziger gab zu, seinen Kontrahenten nach einem Wortgefecht an die Wand gedrückt zu haben, betonte aber: „Ich war niemals am Hals. Er hat ja gesprochen, also kann ich ihn nicht gewürgt haben.“ An Tritte wollte er sich nicht recht erinnern, dafür aber noch an den einen oder anderen Schnaps, den er während des Fußballspiels am Nachmittag getrunken hatte.

Der Angegriffene stellte es anders dar. Der 40-Jährige aus dem Greiz (Thüringen) habe vor dem Hauptbahnhof eine Zigarette rauchen wollen. Noch während er diese aus der Jacke hervorkramte, sei Christian K. aggressiv mit Worten wie „Was machst’n du hier? Was willst’n du hier?“ auf ihn losgegangen.

Instinktiv sei er in Richtung Westhalle geflüchtet, erinnerte sich Frank K., doch sei ihm der Angeklagte gefolgt, habe ihn gegen den Oberschenkel des linken Beines getreten, an die Wand gedrückt und am Hals gepackt: „Ich hatte den Hals zu“, sagte Frank K. Er trug demnach Fingerspuren und Würgemale davon. Erst die Hilferufe einer Teenagerin und das Eingreifen der stark präsenten Polizei konnten den Übergriff beenden. Die Frage von Richterin Gunter-Gröne, ob er den Angeklagten eindeutig wiedererkenne, bejahte Frank K. mit Blick auf die Anklagebank: „Es ist dasselbe Gesicht, nur nicht so wuterzürnt.“

So eindeutig wusste es Sarah F. (Name geändert) nicht mehr. Die 14-Jährige hatte die Attacke zufällig beobachtet und laut um Hilfe gerufen. Vor Gericht erschien sie bei der Identifizierung des Angeklagten unsicher: „Ich kann mich nicht daran erinnern, aber ich glaube, es ist nicht die Person“, sagte die Schülerin. In ihrer Zeugenaussage vom Januar 2016 bei der Polizei hatte sie noch erklärt, sie würde den Angreifer wiedererkennen, allerdings auch von einer schlanken Statur und schwarzen Haaren gesprochen – Merkmale, die auf Christian K. eindeutig nicht zutreffen. Auf die Frage, ob sie selbst die Polizei gerufen habe, wie ursprünglich von ihr ausgesagt, fand sie keine klare Antwort mehr. Allerdings bestätigte die Teenagerin die von ihr beobachteten Tritte und erinnerte sich sehr gut an den Zustand des mutmaßlichen Opfers: „Er wusste auch nicht, was er sagen sollte, hat gezittert.“

„Herr Frank K. war völlig durch den Wind, wirklich sehr eingeschüchtert“, bekräftigte Lydia S. (27) den Zustand des Angegriffenen. Die Bereitschaftspolizistin war eine der Ersten am Ort des Vorfalls. Den Angreifer beschrieb die Ordnungshüterin mit den Worten: „Er hatte eine Bierflasche in der Hand, einen Atemalkoholtest hat er verweigert.“ Sarah F. habe Christian K. unmittelbar nach dem Geschehen eindeutig wiedererkannt.

Das hinderte Verteidiger Matthias Luderer nicht, bohrende Nachfragen zu stellen, welche Verletzungen sie beim mutmaßlichen Opfer festgestellt habe.

„Rechtsseitige, männliche, rötliche Abdrucke am Hals.“ Woran habe sie den Schockzustand Frank K.s festgemacht? „Das Ängstliche, das Zittern.“ Warum wurden die Verletzungen nicht vor Ort dokumentiert? „Weil wir vor Ort keine Kamera hatten und unsere Bilderbeamten nicht da waren.“ Und spricht es für das Würgen, wenn sich jemand klar artikuliert? „Ich bin kein Mediziner“, entgegnete Lydia S..

Zeuge Markus J., an jenem 22. November Begleiter des Angeklagten, stellte sich hinter seinen angeklagten Kumpel: „Wir sind davon ausgegangen, dass uns Herr K. fotografieren will“, sagte der 31-Jährige. Daraufhin sei es zu einer Diskussion gekommen. Tritte will er nicht beobachtet haben. Ob er sie ausschließe, wollte Richterin Gunter-Gröne wissen. „Ja“, so seine Antwort. Mehr Erinnerungen habe er an den Abend vor sieben Monaten nicht. Anwalt Luderer hakte erneut mit Fragen ein. Wie lange sich beide jetzt kennen? „Gute 20 Jahre.“ Ob der Angeklagte je schwarze Haare hatte? „Nee.“ Und seine Figur? „Er war immer kompakt.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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