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Kurioser Prozess am Landgericht: Gastro-Händler fälschte Auftragsmord

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    Das Landgericht beschäftigt sich seit Mittwoch mit einem besonders kuriosen Mordauftrag. Der Leipziger Lebensmittelhändler Sabri S. (44) soll laut Anklage im Herbst 2014 den Tschechen Yusif N. (36) mit der Ermordung seines Geschäftspartners Hüseyin D. (41) beauftragt haben. Der Gastro-Händler aus dem tschechischen Teplice kassierte zwar eine Anzahlung von 12.000 Euro, informierte allerdings das auserkorene Opfer. Um den Auftraggeber zu blenden, täuschten die Männer den Mord kurzerhand vor.

    Hüseyin D. ließ sich mit bleich geschminkten Gesicht und Ketchupblut fotografieren. Die Aufnahme sollte Yusif N. seinem Auftraggeber vorlegen. Die Übergabe des restlichen Honorars, vereinbart waren 40.000 Euro, wollte das Duo dokumentieren und anschließend die Polizei informieren.

    Hüseyin D. vereitelte das Vorhaben, indem er sich vorzeitig an die Behörden wandte. Offenbar kam der Berliner mit der psychischen Belastung nicht zurecht. Sabri S., der sich vor dem Landgericht wegen Anstiftung zum versuchten Mord zu verantworten hat, äußerte sich am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen.

    Hintergrund des unglaublichen Falls ist anscheinend eine tiefgreifende Feindschaft zwischen den beiden Geschäftspartnern. Womöglich tut sich die Justiz deshalb schwer, Yusif N. und Hüseyin D. die Geschichte abzunehmen. Sabri S. saß nur gute zwei Monate in Untersuchungshaft, befindet sich seither auf freiem Fuß und führt sein Leipziger Geschäft weiter.

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt obendrein gegen S. und D. wegen gemeinschaftlichen Mordes. Die Behörde vermutet, die Männer könnten einen dritten Geschäftspartner aus der Welt geräumt haben. Der Vermisste wurde bisher nicht aufgefunden. Razzien in Lebensmittelmärkten in der Bitterfelder Straße und der Apelstraße endeten im vergangenen Herbst ohne Ergebnis.

    Yusif N. konnte dem Landgericht nicht überzeugend darlegen, warum er sich nicht schon an die Polizei wandte, als ihm Sabri S. den angeblichen Mordauftrag erteilte. „Ich wollte zur Polizei, aber ich hatte keine Beweise“, beteuerte der Großhändler. „Sie sind Kaufmann“, hakte der Vorsitzende Hans Jagenlauf nach. „Warum sollte Herr S. denken, dass Sie die geeignete Wahl sind, einen Auftragskiller zu finden?“ „Das weiß ich nicht“, erwiderte N.

    Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Das Landgericht hat bis zum 10. März zwölf Verhandlungstermine anberaumt, um der Wahrheit hinter dem angeblichen Mordauftrag auf die Spur zu kommen.

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