Gesperrte Süd, 100.000 Euro und schimpfende Fans: BVB nicht mehr auf Bewährung

Für alle LeserWenn es so kommt, werden sich die derzeit viertplatzierten Borussen an das zurückliegende 1:0 gegen den Tabellenzweiten RB Leipzig noch einmal sichtbar erinnern. Wie der Kontrollausschuss des DFB am heutigen 10. Februar bekanntgab, soll der Dortmunder Verein wegen der Vorfälle im Stadion in einem kommenden Bundesligaspiel vor einer leeren Südtribüne antreten. Nachdem eine Teilsperrung der berühmten „Wand“ bereits wegen mehrerer anderer Vorfälle 2016 ausgesprochen und zur Bewährung ausgesetzt war, soll es nun die gesamte fast 25.000 Zuschauer fassende Tribüne sein.

Da half dann auch die Entschuldigung des BVB-Präsidenten Dr. Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gegenüber RB Leipzigs Oliver Mintzlaff und Sportdirektor Ralf Rangnick nichts mehr. Beim DFB-Kontrollausschuss hat man genug von den Dortmunder Kapriolen innerhalb des Stadions und summiert nun alle zurückliegenden Vorfälle zu einer Gesamtstrafe auf.

„Nach den massiven Zuschauer-Vorkommnissen im Bundesligaspiel gegen RB Leipzig sowie zuvor in den Spielen bei Mainz 05, 1899 Hoffenheim und im Hinrundenspiel in Leipzig fordert der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Sperrung der Südtribüne in einem Bundesligaspiel und 100.000 Euro Geldstrafe für Borussia Dortmund“, so die Mitteilung des DFB-Gremiums.

Eine lange Liste an Vorwürfen

Dr. Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, kommentierte die bisherigen Vorfälle bei den Dortmundern, welche bis ins Jahr 2015 zurückreichen und neben Schmähgesängen auch den Einsatz von Pyrotechnik, geworfene Bierbecher bis Tennisbälle und Spielunterbrechungen umfasst: „Eine derartige Verunglimpfung und Diffamierung von einzelnen Personen und Vereinen durch Transparente und Schmähgesänge ist nicht hinnehmbar und muss konsequent sanktioniert werden. Dasselbe gilt auch für den Einsatz von Pyrotechnik. In beiden Punkten gab es gravierendes Fehlverhalten von Teilen der Dortmunder Zuschauer, das ein massiveres Eingreifen der DFB-Organe erfordert.“

Neu war es also nicht, was am 4. Februar 2017 beim Spiel gegen RB Leipzig im Stadion der Borussen und auch schon bei Auswärtsspielen stattfand. Statt Pyrotechnik hatten dieses Mal noch einige versucht, die Leipziger Spieler mit einem Laserpointer zu irritieren, erneut flogen Bierbecher und das übelste Banner forderte von RB-Sportdirektor Ralf Rangnick, er möge sich erhängen.

Der BVB hat nun bis kommenden Montag Zeit, die Entscheidung hinzunehmen oder die Sache vor dem DFB-Sportgericht zu verhandeln. In einer ersten Stellungnahme kündigte der Verein mit einem Saisonumsatz von 376 Millionen Euro (2015/16) eine genaue Prüfung der Entscheidung „vor dem Hintergrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse“ zu den Vorfällen im Stadion an. Bis zum 13. Februar möchte man sich fristgerecht positionieren.

Ob die Strafaktion auch bei denen etwas bringt, die sich BVB-Fans nennen und nun über die Höhe der Sanktionen entsetzt sind, ist eher fraglich. Schaut man sich die ersten Reaktionen in BVB-Fan-Foren an, sehen einige ihren Verein nach den vielzähligen Medienberichten längst in der Opferrolle und verweisen nun auf Vorfälle, welche bei anderen Clubs stattfanden. Man sieht in der heutigen Entscheidung eher ein Exempel, welches gegen den BVB statuiert werden solle und ist in Verteidigungshaltung gegenüber dem DFB.

Während sich die DFB-Maßnahme ausschließlich auf die Vorfälle im Stadion bezieht, hat die Polizei Dortmund mittlerweile mitgeteilt, dass bislang 32 Strafverfahren wegen der Übergriffe auf RB Leipzig-Anhänger vor und nach dem Spiel eingeleitet wurden. Da man jedoch selbst am 4. Februar nur mit knapp 300 Beamten in den Einsatz gegangen war, stehen die Beamten weiterhin selbst in der Kritik, die Lage im Vorfeld falsch eingeschätzt und so die Übergriffe mit ermöglicht zu haben.

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