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Unfassbarer Fall am Landgericht: Überließ Mutter ihre Tochter einem Vorbestraften zum Missbrauch?

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    Ein außerordentlich erschütternder Kriminalfall beschäftigt seit Freitag das Leipziger Landgericht: Eine 49-jährige Frau soll ihre eigene, kleine Tochter einem deutlich jüngeren Mann zum Missbrauch überlassen, ihn dabei sogar noch bestärkt und einschlägiges Bildmaterial ihres Kindes gefertigt haben. Das Duo schwieg zunächst zu den Vorwürfen.

    Staatsanwalt Christoph Kruczynski listete in seiner Anklage „mindestens sechs Fälle“ auf, bei denen sich Daniel M. (33) ab Herbst 2017 über zwei Jahre lang in der Grünauer Wohnung seiner Bekannten Jacqueline Z. (49) an deren 2014 geborener Tochter vergangen haben soll. Zudem habe auch Jacqueline Z. selbst das kleine Mädchen mehrfach missbraucht, es unter anderem mit dem Finger penetriert und einschlägige Bilder an Daniel M. versendet.

    Das Mädchen mal aufklären“

    Das ungleiche Paar hatte sich 2012 kennengelernt, als Daniel M. eine vierjährige Haftstrafe wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs absaß. Auch nach der Entlassung des LKW-Fahrers 2015 riss sein Kontakt zu Jacqueline Z. nicht ab, sie unterstützte ihn bei der Wohnungssuche und begann ein Verhältnis mit dem deutlich jüngeren Mann. Häufiger übernachtete Daniel M. bei der älteren Frau, die damals mit dem Opfer und ihrem Sohn in einer Wohnung lebte.

    Der heute 20-jährige Sohn, der inzwischen eine eigene Wohnung hat, erinnerte sich im Zeugenstand an befremdliche Äußerungen von Daniel M., wonach er „das Mädchen mal aufklären“ wolle. Er habe Daniel M., der zugleich sein Halbbruder ist, nicht gemocht, aber auch nicht konkret mitbekommen, wie er sich gegenüber seiner kleinen Schwester verhielt, so der Auszubildende. Das inzwischen sechsjährige Kind, das sich heute in Obhut befindet, beschrieb er als offen und zutraulich.

    Versuchte Anstiftung zum Missbrauch

    Unfassbar: Daneben soll Daniel M. auch per WhatsApp Kontakt zu einer weiteren Frau gesucht, mit ihr eine Familie geplant und sie zum Missbrauch ihres 3-jährigen Sohnes animiert haben. Dazu sei es allerdings nicht gekommen. Gegenüber seiner Online-Bekanntschaft habe er den Standpunkt vertreten, die Kinder sollten ab vier Jahren „mit Rat und Tat sexuell aufgeklärt“ werden. Wer die Frau im Chat war, ist bis heute ungeklärt.

    Erst die Verhaftung von Daniel M. im Januar 2020 ließ den Kontakt zu der unbekannten Person abbrechen – und für das Kind von Jacqueline Z. endete ein langes Martyrium.

    Neben dem Sohn der Angeklagten sagte am Freitag unter anderem auch eine Polizeibeamtin (36) im Zeugenstand aus. In ihrer Vernehmung vom Januar 2020 habe Jacqueline Z. zusammenhanglos und unreflektiert gesprochen, die Übergriffe ihres jüngeren Liebhabers auf das Kind jedoch bestätigt.

    Angeklagte schweigen vorerst

    Am Freitag dagegen schwieg das Paar zu den Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs, der Beihilfe und versuchten Anstiftung hierzu sowie der Kinderpornographie. Der zuletzt arbeitslosen Jacqueline Z. wurde nach einem Rechtsgespräch gegen ein glaubhaftes Geständnis eine Haftstrafe von etwas über drei Jahren in Aussicht gestellt.

    Wegen der offenbar erdrückenden Beweislast wollte sich die Staatsanwaltschaft aber auf keine konkrete Absprache einlassen. Daniel M. dagegen droht neben vielen Jahren hinter Gittern auch die Sicherungsverwahrung.

    Der Prozess hatte eigentlich Mitte Oktober begonnen, musste aber noch einmal von vorn starten, nachdem eine Schöffin wegen Covid-19 in Quarantäne ging und der vorgeschriebene Höchstabstand zwischen zwei Terminen nicht mehr einzuhalten war.

    Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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