Ihr Kinderlein kommet

2017 gab es so viele Zwillingsgeburten in Sachsen wie seit 1990 nicht

Für alle LeserDieser Tage staunten Sachsens Statistiker mal wieder. Diesmal über Zwilinge. „In Sachsen wurden 2017 bei 36.349 Geburten 36.980 Kinder geboren, darunter waren 626 Mehrlingsgeburten mit insgesamt 1.257 Mehrlingskindern. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes war damit jedes 29. geborene Kind ein Mehrlingskind“, lautete ihre Meldung.

„Mit 622 Zwillingsgeburten, 3 Drillingsgeburten und einer Vierlingsgeburt erhöhten sich die Mehrlingsgeburten gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent“, ging es dann weiter. „Das waren 18 Zwillingsgeburten mehr und 5 Drillingsgeburten weniger als 2016, Vierlinge kamen in Sachsen das letzte Mal 2012 zur Welt. Die Zahl der Mehrlingsgeburten war nach 1990 die zweithöchste (2015: 627), wobei Sachsen bei den Zwillingsgeburten im genannten Zeitraum sogar einen neuen Höchststand erreichte.“

Und das, obwohl die Geburtenzahlen nicht annähernd an die Zahl zum Beispiel von 1990 (immerhin 49.966) heranreichte. Über das Phänomen rätseln Fachleute schon länger. Aber die Ärzte können zumindest einkreisen, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

„Von den im vergangenen Jahr geborenen Zwillingspaaren waren 376 gleichen Geschlechts, davon 193-mal Jungen und 183-mal Mädchen. Mehrlingsgeburten kommen im Vergleich zu den Einzelgeburten häufiger in bestehenden Ehen vor als bei nicht verheirateten Müttern. Im Jahr 2017 waren bei 54 Prozent der Mehrlingsgeburten die Eltern miteinander verheiratet, bei den Einzelgeburten waren es dagegen nur 41 Prozent“, meldete das Landesamt für Statistik.

Aber das alles sind nicht die Ursachen von Mehrlingsgeburten. Und auch nicht für die deutliche Steigerung gegenüber den frühen 1990er Jahren, als auf 1.000 Geburten keine 10 Mehrlingsgeburten kamen. Der Wert liegt mittlerweile konstant bei 17. Und dabei spielt nicht nur die künstliche Befruchtung eine Rolle, deren Anteil die Ärzte bei Mehrlinksgeburten auf 16 Prozent schätzen. Einfluss nehmen augenscheinlich auch Hormongaben. Und eine wichtige Rolle spielt das Alter der Mutter.

Was auch die Statistiker feststellen: „Auch beim Durchschnittsalter der Mütter lassen sich Unterschiede erkennen. Während die Mütter bei einer Mehrlingsgeburt im Durchschnitt 32,3 Jahre alt waren, waren die Mütter bei der Geburt nur eines Kindes im Durchschnitt 30,9 Jahre alt.“

Denn mit dem Alter der Frau verändert sich auch ihr Hormonhaushalt – die Wahrscheinlichkeit, Kinder zu bekommen, verringert sich. Aber die Wahrscheinlichkeit, Mehrlinge zur Welt zu bringen, steigt.

Und dieses Phänomen ist natürlich besonders in Sachsens Großstädten zu beobachten, wo sich das Durchschnittsalter der Mütter über die Jahre immer weiter erhöht hat. Viele Frauen schieben die Erfüllung ihres Kinderwunsches bis zu dem Zeitpunkt auf, an dem sie beruflich Tritt gefasst haben und endlich auch die wirtschaftliche Basis für eine Familiengründung existiert. Das Durchschnittsalter der werdenden Mütter stieg also kontinuierlich von 20 auf 30 Jahre an.

Und auch die regionale Verteilung zeigt, dass dieser Effekt sehr viel mit den Großstädten zu tun hat: „Die meisten Mehrlingsgeburten je 1.000 Geburten wurden 2017 mit 22,0 Geburten in der Kreisfreien Stadt Chemnitz und mit 19,9 Geburten in der Kreisfreien Stadt Leipzig registriert, die wenigsten in den Landkreisen Mittelsachsen (14,1) und Bautzen (11,9).“

Und weil augenscheinlich auch die Statistiker/-innen in Kamenz schon in Weihnachtsstimmung waren, haben sie auch noch nachgeschaut, wie viele kleine Sächsinnen und Sachsen im letzten Jahr genau am 24. Dezember geboren wurden: „57 Christkinder wurden im Jahr 2017 in Sachsen geboren“, teilen sie noch extra mit. „33 Jungen und 24 Mädchen erblickten an Heiligabend 2017 das Licht der Welt. Das waren 17 Kinder weniger als im Jahr 2016 und 23 Kinder weniger als im Jahr 2015.“

Es sieht so aus, dass die Zahl der Geburten in Sachsen nach jahrelangem Anstieg wieder stagniert oder gar leicht zurückgeht. Wenn es konkret wird, hapert es mit der Familienfreundlichkeit meist. Aber ohne Familienfreundlichkeit keine Christkinder.

Geburten
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Immer mehr sächsische Rentnerinnen und Rentner müssen weiterarbeiten
Kassensturz, schön übersichtlich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir leben zumindest in einer seltsamen Republik, in der, wenn es um Konzerninteressen geht, die Milliarden gleich mit der Schaufel ausgeteilt werden, wenn es aber um eine menschliche Lösung für die Einkommen der Menschen geht, die mit miesen Löhnen die ganzen Maloche-Arbeiten machen, dann fängt bei den diversen Lobbygruppen der Reichen das Geschrei an: Dafür ist gar nicht genug Geld da! – Also werden lauter Artikel ins Gesetz eingebaut, die dafür sorgen, dass auch die geplante Grundrente möglichst wenigen dieser Malocher zugute kommt.
SPD-Stadtrat versichert: Es gibt keine Notwendigkeit einer verlängerten S46 durch die Weinteichsenke
Die Weinteichsenke darf nicht unter die Räder kommen. Kartenmotiv: Bürgerinitiative Markkleeberg Ost

Kartenmotiv: Bürgerinitiative Markkleeberg Ost

Für alle LeserSeit ein paar Wochen wird wieder diskutiert über die Weinteichsenke in Markkleeberg, befürchten die Bürger, dass alte Pläne, eine Umgehungsstraße für die S46 zu bauen und das Quellgebiet des Weinteichgrabens mit Wohnbebauung zu versiegeln, nun doch noch umgesetzt werden. Hintergrund ist die in der Diskussion befindliche Fortschreibung des Flächennutzungsplans. Darin geht es auch um die Weinteichsenke. Aber die Umgehungsstraße werde es mit der SPD nicht geben, versichert Rolf Müller.
Indymedia vor Gericht: Leipziger Richter verhandeln über Linksunten-Verbot + Updates
Der Indymedia-Prozess in Leipzig ist heute 10 Uhr gestartet. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Bundesverwaltungsgericht am Leipziger Simsonplatz hat am Mittwoch der Prozess um das Verbot der linksradikalen Internetplattform "Indymedia.linksunten" begonnen. Die Verhandlung findet zur Stunde unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.
Expertenkommission sieht in Sachsen sogar Bedarf für 14.900 Polizisten
Großeinsatz. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserEs ist noch gar nicht so lange her, da hatte der damalige sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) tatsächlich vor, die sächsische Polizei auf 12.000 Bedienstete herunterzuschrumpfen. Das Projekt nannte er „Polizeireform 2020“. Und der Freistaat leidet bis heute darunter. Den vom Schreibtisch aus geplanten Abbau stoppte erst das Beharren der SPD, die 2014 als Junior in die Regierung kam, den tatsächlichen Personalbedarf der Polizei zu ermitteln. Jetzt meldet Innenminister Roland Wöller (CDU), dass Sachsen eigentlich noch mehr Polizist/-innen braucht.
Ökolöwe freut sich über ein paar Stückchen Radfahrstreifen, aber an den brenzligsten Stellen bleibt es brenzlig
Auch ab hier soll es ein Stück Radstreifen geben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWenn es nach der Stadt gegangen wäre, wäre der Innenstadtring in seiner Überdimensionierung für den Kfz-Verkehr noch viele Jahre so erhalten geblieben. Doch seit 2018 ist alles anders. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen bestätigte, dass das von der Stadt am Innenstadtring verhängte Radfahrverbot größtenteils rechtswidrig ist. Die Stadt hat die Radfahrverbotsschilder zwar nicht sofort abgehängt. Aber das hat Gründe.
Das lange LZ-Interview: Irena Rudolph-Kokot (LnP, SPD) über fehlende Kommunikation zu Silvester, Eskalationen und CDU-Sicherheitspolitik
Irena Rudolph-Kokot (SPD Leipzig) ist auch Stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 75, seit 24. Januar 2020 im HandelFür FreikäuferDie Silvesternacht in Leipzig war sicherlich an vielen Orten in der Stadt turbulent und nicht immer ganz frei von unangenehmen Geschehnissen. Besonders ragte in diesem Jahresübergang der Angriff von vermummten Personen auf insgesamt drei Einsatzbeamte um 0:15 Uhr heraus. Doch auch die Umstände der daraufhin erfolgenden Reaktion der rund 250 Polizeibeamten am Connewitzer Kreuz gegenüber den rund 1.000 Feiernden, die Falschmeldung einer „Notoperation“ und eine persönliche Wortmeldung des neuen Leipziger Polizeichefs Torsten Schultze gerieten in die Kritik.
Musikstadt Leipzig: Ein paar überraschende Puzzle-Steine zur Geschichte einer Selbstlobpreisung
Helmut Loos (Hrsg.): Musikstadt Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn den vergangenen Jahren gab es ja ein regelrechtes Feuerwerk, mit dem die Musikstadt Leipzig gefeiert wurde. Besonders die Jubiläen von Clara und Robert Schumann ragten heraus. Der Thomanerchor feierte 800 Jahre und der Musikverlag Breitkopf & Härtel 300 Jahre. Und dicke Bücher dazu gab es auch. Nun gibt es noch eins. Quasi nachträglich. Denn das Thema zum „Tag der Stadtgeschichte“ 2016 war die Musikstadt. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Denn auch die „Musikstadt“ hat so ihre Tücken.
Alisa Fatum: Weltrekord. WM-Gold. Woman of the Year?
Weltrekord und zweimal WM-Gold - die Bilanz von Alisa Fatum kann sich sehen lassen. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserIm vergangenen Jahr hatte Alisa Fatum ordentlich geliefert. Die Leipziger Eisschwimmerin stellte gleich in ihrem ersten Wettkampf im übertrieben kühlen Nass einen neuen Weltrekord über 1.000 Meter auf. Über die selbe Strecke schwamm sie später außerdem zum Weltmeistertitel. Für diese starke Premiere-Saison könnte die 24-Jährige nun eine besondere Auszeichnung erhalten: Sie steht auf der Kandidatenliste der Wahl zur „Woman of the Year 2019“.
Programm bis Mitte Februar im Museum für Druckkunst Leipzig
Blick in die Sammlung des Museums für Druckkunst Leipzig © Klaus-D. Sonntag

© Klaus-D. Sonntag

Der Startschuss für Jahr der Industriekultur in Sachsen fiel letzte Woche in Dresden. Das Museum für Druckkunst freut sich auf ein spannendes Jahr mit tollem Programm. Die Sonderausstellung zum Themenjahr wird die Fotografie in den Fokus rücken.
Der Tag: Proteste gegen Verbote, Faschismus und Auszeichnungen
Das Bundesverwaltungsgericht muss über das Linksunten-Indymedia-Verbot entscheiden. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserLeipzig blickt schon wieder auf einen Protesttag voraus. Sowohl gegen das Linksunten-Indymedia-Verbot als auch gegen eine AfD-Veranstaltung soll es am 29. Januar 2020 Kundgebungen geben. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es erneut eskaliert. In Dresden zeigten Proteste schon heute Wirkung: Der Semperopernball bezeichnete eine Ordensverleihung an den ägyptischen Präsidenten als Fehler. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 28. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Im Februar trifft sich der Nachwuchs zum Jazzen
Foto: Anne Schneemelcher

Foto: Anne Schneemelcher

Rund 100 Kinder und Jugendliche werden vom 21.-23. Februar beim 11. Kids Jazz Festival wieder zeigen, dass Jazz alles andere als out ist. „Vielleicht, weil es Improvisation gibt - und das ist immer etwas Neues und Unvorhersehbares“, beschreibt Saxofonist Tymofy Lysenko den Musikstil. Der 14-Jährige kommt wie andere Bands und Solisten aus der Ukraine. Zum ersten Mal tritt aber auch ein israelisches Ensemble aus der Stadt Herzliya auf. Auch Bands aus Niedersachen, Berlin und Baden-Württemberg werden beim Festival erwartet. Eröffnet wird das 11. Kids Jazz Leipzig vom MDR Kinderchor.
Das System der Ladesäulen für E-Autos wächst auch im Leipziger Umland
Ludwig Martin (Bürgermeister Borsdorf), Uwe Härling (Netzregionsleiter MITNETZ STROM), Gesine Sommer (Leiterin Stabsstelle des Landrates Wirtschaftsförderung/Kreisentwicklung) und Konstanze Lange (enviaM-Kommunalbetreuung) bei defv Inbetriebnahme der Ladestation in Borsdorf. Foto: enviaM

Foto: enviaM

Für alle LeserManchmal hat man ja das Gefühl, der Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos geht viel zu schleppend voran. Als wäre das E-Auto auch nach zehn Jahren immer noch ein Exot, den man mit dem Fernglas suchen muss. Aber dann gibt es doch immer wieder Meldungen, die zeigen, dass einzelne Akteure vor Ort tatsächlich weiterbauen am Ladesäulennetz. Und das betrifft auch die ländlichen Regionen im Leipziger Süden, wo enviaM das Netz ausbaut. Und eine Schnelllade-Pilot-Station gibt es schon im Leipziger Norden.
Die ersten Bäume in der Bornaischen Straße werden gefällt und die Frage nach dem Schienenersatzverkehr ist noch ungeklärt + Update
XL- und XXL-Straßenbahn in der Bornaischen Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Montag, 27. Januar, gab es schon einmal den ersten Hinweis, dass es jetzt wirklich ernst wird in der Bornaischen Straße in Connewitz, die ab März endlich umgebaut und modernisiert werden soll. Das war zwar ursprünglich schon für 2019 geplant gewesen. Aber weil man damals keine „wirtschaftliche Ausschreibung“ mehr hinbekam, wurde das 11-Millionen-Euro-Projekt ins Jahr 2020 verschoben.
Die Reaktionen auf die geplante Ordensverleihung an Abdel Fattah Al-Sisi in Dresden + Update
Die Residenzstadt Dresden an der Elbe. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserIn Sachsen kann man eigentlich froh sein, wenn man keine offiziellen Orden und Ehrenzeichen bekommt. Man geriete dabei in eine Gesellschaft, in der man ständig das Gefühl haben müsste, dass hier eigentlich eher Kumpels ihren Kumpels ein blitzendes Gehänge ans Revers heften. Und es dabei völlig egal ist, was für Skandale der mit Orden Behängte schon auf seinem Kerbholz hat. So wie Abdel Fattah Al-Sisi, der sich 2013 in Ägypten an die Macht geputscht hat.
Ein „Friedensstifter“ beim Dresdner Semperopernball? Al Sisi ist nicht die erste peinliche Kür
Stadtansicht Dresden. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDas Drama deutete sich schon am 24. Januar an, als die Dresdner PR-Agentur Zastrow + Zastrow die Meldung verschickte: „Ägyptischer Staatspräsident Abdel Fatah El-Sisi bekommt den St. Georgs Orden“. Da sah es noch wie ein Narrenstück aus. Bestimmt hatte sich da nur jemand einen Aprilscherz erlaubt, Bisschen früh im Jahr. Kurz darauf verschickte Zastrow + Zastrow im Auftrag des Dresdner Semperopernballs eine neue Mitteilung. Der Inhalt blieb derselbe. Das Ganze begann zur Farce zu werden. Was ist da los in Dresden?