Historische Kanzel der Universitätskirche: Restaurierung, Zwischenlösung – aber noch keine Standortlösung für St. Pauli

"Kanzelfrage geklärt", preschte der Student_innenRat der Universität Leipzig (StuRa) am Freitag, 21. März, vor. Die Expertenkommission der Universität Leipzig hatte wieder einmal über eines der noch ungelösten Probleme in der künftigen Aula/Universitätskirche im Paulinum diskutiert. Wo soll die historische Kanzel aus der gesprengten Paulinerkirche künftig ihren Platz finden? - Doch die Studierenden waren ein bisschen zu weit geprescht.

„Wie den universitären Mitgliedern der Expert_innenkommission heute mitgeteilt wurde, konnte endlich ein geeigneter Ort für die Aufstellung der Kanzel aus der ehemaligen Paulinerkirche gefunden werden. In der ersten Sitzung der Expert_innenkommission am 13. November 2013, einberufen vom Staatsministerium der Finanzen, konstituierte sich die Kommission zunächst. Anschließend tauschten die Kommissionsmitglieder ihre Positionen aus. Eine Einigung bezüglich der Frage nach der nachträglichen Installation der historischen Kanzel im Innenraum des Paulinums konnte jedoch nicht erzielt werden. Kurz vor der zweiten Sitzung der Kommission am 25. März 2014 ist nun bekannt geworden, dass das Dezernat 4, Planung und Technik, einen alternativen Standort ausfindig machen konnte“, vermeldete der StuRa. Und wusste auch zu berichten: „Der Alternativstandort befindet sich, nach Informationen, die dem Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig vorliegen, im Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, welches im Grassimuseum beheimatet ist. Da dort ein Orgelpositiv ab 2015 restauriert werden soll, kann die Kanzel an dessen Standort aufgestellt werden.“

„Wir freuen uns, dass endlich ein geeigneter Standort für die historisch bedeutsame Kanzel der ehemaligen Universitätskirche gefunden werden konnte. Das Museum erfüllt, im Gegensatz zur Aula im Paulinum, die klimatischen Bedingungen und ist fußläufig von der Universität aus erreichbar. Zudem befinden sich im Museum weitere historisch bedeutsame Teile der Kanzel, sodass diese Einzelteile nun endlich räumlich zusammengeführt werden können“, erklärte dazu Kerstin Stengel, Referentin für Umbau und Datenschutz des StuRa.

„Um den Standort ab 2015 effektiv nutzen zu können, muss die Restaurierung der Kanzel nun unverzüglich beginnen“, meinte der StuRa. „Dies sollte allerdings kein Problem darstellen, da sowohl die Landeskirche wie auch der erste Universitätsprediger in der ersten Expert_innenkommission bereits mitteilten, dass die Restaurierung durch großzügige Spenden gesichert sei, wobei nähere Informationen zu den Spender_innen dem StuRa bislang nicht bekannt sind“, merkt Kerstin Stengel an. „Da die Kanzelfrage damit geklärt ist, die Universität ihre Entscheidungshoheit zurück erlangt hat und hoffentlich auch wahrnimmt, sollte die nächste Sitzung der Expert_innenkommission eigentlich überflüssig geworden sein.“

Wirklich? Irgendwie scheint die (Stille) Post in der Universität Leipzig doch nicht so richtig zu funktionieren.

Am heutigen Montag, 24. März, veröffentlichte die Universitätsleitung eine kleine Richtigstellung zum Thema. Manchmal kommt es auf die Nuancen an. Denn es geht nicht um einen Alternativstandort, sondern um einen Vorschlag für eine Zwischenlösung.

Nach diesem Vorschlag könnte die Kanzel restauriert und für einige Zeit im Museum für Musikinstrumente ausgestellt werden. Diese Variante wird der sogenannten Kanzel-Kommission bei ihrer Sitzung am Dienstag, 25. März, präsentiert. Sie wurde im Vorfeld durch eine Pressemitteilung des Student_innenRats (StuRa) publik. Nur halt nicht in der kompletten Form.

„Die jetzt gefundene Variante ist aus meiner Sicht eine sehr gute Lösung“, sagt dazu Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking. „Wir können die Restaurierung der wertvollen historischen Kanzel angehen, die aus der Paulinerkirche gerettet wurde. Wir können sie dann für einige Zeit in restaurierter Form in einem wunderbaren Ambiente zeigen, nicht weit entfernt vom Paulinum. Und wir können währenddessen im Paulinum das Raumklima untersuchen und in Ruhe klären, unter welchen Bedingungen sie dort aufgestellt werden könnte. Bei allen unterschiedlichen Auffassungen, die es zu diesem Thema gibt: So kommen wir voran, und das ist wichtig.“

Dr. Birgit Heise, kommissarische Direktorin des Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig, kommentiert die mögliche Zwischenlösung wie folgt: „Es wäre uns eine Freude und Ehre, die Kanzel für eine gewisse Zeit bei uns zu haben. Zufällig haben wir im Zimeliensaal den passenden Platz, gegenüber der Silbermann-Orgel, während eine zweite Orgel restauriert wird. Schmuckteile der Kanzel zeigen wir ja bereits bei uns im Bach-Bereich, und barocke Schnitzwerke stünden links und rechts neben der Kanzel. Stilistisch passt das, klimatisch auch. Aus meiner Sicht macht man mit dieser Zwischenlösung nichts falsch.“

Auch Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie und Kustos der Kunstsammlung, ist angetan von der Idee: „Aus konservatorischer Sicht ist diese Lösung sehr zu begrüßen. Wir versündigen uns nicht an einem kunst- und universitätsgeschichtlich wertvollen Objekt, sondern restaurieren und bewahren es. Ich hoffe, dass die zugesagten Gelder nun fließen und wir bald mit der extrem aufwändigen Sanierung beginnen können. Und die restaurierten Teile werden dann in klimatisch guten Bedingungen ansprechend präsentiert. Währenddessen wird das Paulinum fertig gebaut und man wird sehen, welche klimatischen Bedingungen dort vorherrschen.“

Und dann muss nur noch geklärt werden, wie lange das „für einige Zeit“ definiert wird. Aber das sollte zumindest ein sehr überschaubarer Zeitraum sein, in dem man mit allen interessierten Parteien gemeinsam nach einem guten Standort in der Universitätskirche sucht.

Die Meldung des StuRa hat schon für erhebliche Verstörungen gesorgt.

Aber auch eine vorübergehende Aufstellung der Kanzel im Musikinstrumentenmuseum finden die Universitätsprediger nicht zielfühend. In einer Erklärung, die sie am Montag, 24. März, veröffentlichten, betonen sie: „Der Vorschlag, die Kanzel als Zwischenlösung im Zimeliensaal des Musikinstrumentenmuseums aufzustellen, befriedigt jedoch in keiner Weise. Die Kanzel wird für die Universitätsgottesdienste, die auch nach dem Willen der Universitätsleitung ab dem 07.12.14 wieder am angestammten Ort stattfinden werden, nicht im Museum, sondern in der Universitätskirche St. Pauli gebraucht! Das gleiche gilt für die zukünftige Predigtausbildung in der Universitätskirche. Auch dafür ist eine Kanzel unerlässlich.“

UniversitätPaulinum
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