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Leipziger Turmbesteigungen: Thomaskirche

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    Er ist einer der prägenden Türme des Leipziger Stadtbildes: der Turm der Thomaskirche. Der untere quadratische Teil des Turmes soll aus dem 13. Jahrhundert sein. Im 14. Jahrhundert erhielt er einen achteckigen Aufbau. Fünf Glocken hängen im Turm. Der Glockenstuhl musste im 17. Jahrhundert erneuert werden - es gab Schwierigkeiten mit den Schwingungen der Glocken. Im Turm findet sich das Graffito eines sächsischen Fußartilleristen. Auf drei Ebenen wohnte der Türmer.

    Eine enge steinerne Wendeltreppe schraubt sich zur ersten Ebene nach oben. Dort trifft der Blick auf das Bild eines Soldaten. 1813 diente die Kirche als Lazarett. Soldaten wurden hier behandelt. Gottesdienste konnten hier nicht gefeiert werden. Eine Wachstube wurde im unteren Teil des Turmes eingerichtet. 2012 wurde der Soldat frisch restauriert. Dabei kam es zu einem Rockwechsel.

    So berichtete damals die L-IZ: „Der Soldat, dessen Bildnis zweifelsfrei der Zeit der Befreiungskriege zuzuordnen ist, trägt nun nicht mehr den schwarzen Rock der preußischen Jäger. Sondern ein sächsisches Grün. Es ist sonst ja eher selten, dass in den Nachbetrachtungen der Schlacht auf sächsischem Boden sächsische Soldaten eine Rolle spielen. ‚Die Erkenntnisse sprechen eher dafür‘, sagt Restauratorin Claudia Nicolaisen- Luckenbach über die neue Sachsen-Theorie. Dabei stützt sie sich auf akribische Nachforschungen des Leipziger Architekten Stefan Riedel. Somit trägt der Wachmann im Turm nun die Uniform eines sächsischen Fußartilleristen.

    Aufgebracht wurde das Bild ganz offenbar im November 1813 auf der Tür eines Holzverschlages. Und zwar auf der ersten Turmebene des Kirchenturmes, 52 Stufen über der Straße. Nach Nicolaisen- Luckenbach befand sich dort offenbar eine Wachstube. Denn rund um die Völkerschlacht wurde die große Stadtkirche zuerst als Lazarett genutzt, und dann auch noch als Unterbringungsort für gefangen genommene französische Soldaten.“

    Wachsoldat im Turm der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Wachsoldat im Turm der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

    Auf einer einfachen Holztreppe geht es weiter nach oben. Man gelangt zum gewaltigen Dachstuhl, der immerhin schon 500 Jahre alt ist. Weiter oben kommt man zu den Glocken. Vier Glocken hängen hier, eine fünfte in der Turmlaterne. Es handelt sich um ein wirklich altes Geläut.

    Die größte Glocke ist die Gloriosa. Sie wurde 1477 gegossen, sie hat ein Gewicht von 5.100 kg. Die lateinische Inschrift lautet: VIVOS VOCO, MORTUOS PLANGO, FULGURA QUOQUE FRANGO. O REX GLORIAE, VENI CUM PACE. Zu deutsch: Die Lebenden rufe ich, die Verstorbenen betrauere ich, die Blitze breche ich. OH König der Herrlichkeit, komm in Frieden.

    Die mittlere Glocke wurde 1547 gegossen. Sie bringt 3.100 kg auf die Waage. Die Inschrift lautet: IN LAUDEM AETERNI DEI CUI SOLI SEMPITERNA GLORIA. Die Übersetzung dazu: ZUM Lobe dem ewigen Gott. IHM allein ewiger Ruhm.

    Die 1634 gegossene Mönchs- oder Beichtglocke trägt keine lateinische, sondern eine deutsche Inschrift: GOTT HELFE DAS MEIN KLANG UND SCHALL BEY JUNGN UND ATEN UBERAL VIEL LANGE ZEIT GEHORET WERDT SAMBT GOTTES WORTT AUF DIESER ERDT. 1.500 kg hat sie.

    Die Gebets- oder Abendglocke hat nur 200 kg. Sie wurde 1585 gebaut und trägt eine kurze Inschrift: GOTTES WORT BLEIBT EWIGK STAHNN.

    Die fünfte Glocke hängt in der Laterne. Sie wurde 1962 aus den Bruchstücken der 1539 entstandenen Stundenglocke neu gegossen.

    Glockenstuhl der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Glockenstuhl der Thomaskirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

    Über drei Ebenen wohnte der Türmer. Der musste die Brandwache durchführen und das Läuten der Stundenglocke übernehmen. An einem Hausbalken konnten Kisten mit Vorräten nach oben gezogen werden. Außerdem gab es ein Trockenklo, damit man nicht bis nach unten laufen musste. Erhalten ist die Küche mit Waschkessel und auch das Wohnzimmer. Auf der Ebene der Schlafkammer findet sich auch das mechanische Uhrwerk für die Stundenglocke in der Laterne. 1995 wurde es durch ein funkgesteuertes ersetzt.

    Eine Tür mit Riegel öffnet den Weg zum Galerieumgang. Aus 50 Metern Höhe blickt man auf die Stadt, die in diesem Jahr ihre Ersterwähnung vor 1000 Jahren feiert.

    Besichtigungszeiten:

    April bis Ende November

    samstags 13:00, 14:00, 16:30 Uhr

    sonntags: 14:00 und 15:00 Uhr

    Kosten pro Person: 2 Euro, Kinder bis 12 frei.

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      2 KOMMENTARE

      1. Vielen Dank für die schöne Dokumentation.

        Eine Kleinigkeit: Es heißt „ein Graffito“. „Graffiti“ ist die Mehrzahl von „Graffito“. Das muss sich auch in der Leipziger Zeitungslandschaft endlich mal herumsprechen (ebenso wie Studiosus/Studiosi und Mafioso/Mafiosi).

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