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Kirche, Staat, Katholikentag: Erzbischof Dr. Heiner Koch im Interview (1)

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    2016 kommt der Katholikentag nach Leipzig. Neben dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das Bistum Dresden-Meißen Gastgeber. Dessen Bischof ist noch bis zum Herbst Dr. Heiner Koch. Erst 2013 kam er von Köln. Doch auch als Erzbischof von Berlin bleibt er für die Leipziger Veranstaltung mitverantwortlich. Im Herbst fährt er mit zwei weiteren deutschen Bischöfen nach Rom. Thema: Ehe und Familie. Auch darüber sprach er mit der L-IZ.

    Am Tag der Eröffnung der neuen Propstei gab es in Sichtweite der Kirche einen Stand, der sich kritisch mit dem Katholikentag auseinandersetzte. Die Stadträtin der Piratenpartei, Ute Elisabeth Gabelmann, erklärte dort:„Die Kirchen begreifen sich als Institutionen, die so etwas einfach abfordern können, weil es ihnen einfach zusteht.“ Dieses Anspruchsdenken störte sie. Ist der Katholikentag eine Fete der Katholiken, für die Leipzig nun zahlen muss?

    Zunächst einmal: Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen im ZdK nicht die Einstellung haben, die Unterstützung stehe ihnen zu. Sie ist eine Gabe der Stadt Leipzig. Natürlich gewinnt die Stadt Leipzig dabei auch viel. Gäste aus der ganzen Bundesrepublik kommen. Das wird dem Image und dem Geldbeutel dieser Stadt nützen. Darüber hinaus meine ich, dass ein Staat in einer freiheitlichen Demokratie die Aufgabe hat, möglichst viele Initiativen zu fördern. Kommunen unterstützen Sportveranstaltungen, kulturelle Ereignisse und Kongresse.

    Das ist gut so. Das schließt die Förderung von religiösen Initiativen für mich mit ein. Fördern von Vielfalt ist Ausdruck von Demokratie. Wer sagt, die Kirche solle den Katholikentag selbst zahlen, übersieht die Verantwortung von Stadt und Staat in einer pluralen Gesellschaft.

    Wie kann der Katholikentag so gestaltet werden, dass er ein Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs in Leipzig ist?

    Ich war überrascht, dass der 100. Katholikentag nach Leipzig kommen sollte. Es gibt viele Städte, die viel mehr für die Tradition des Katholikentages stehen: München, Mainz … . Der Katholikentag in Leipzig aber soll anders werden als andere Katholikentage. Nur dann, wenn das gelingt, ist es gut, dass er in Leipzig ist. Er muss ein Katholikentag werden, der das Gespräch mit allen Menschen sucht. Er muss ein Forum für Menschen werden, die unterschiedliche Erfahrungen mit dem Glauben mitbringen, für Suchende, Fragende, Ablehnende. Wenn es nicht gelingt, mit diesen in Kontakt zu kommen, ist die große Leipziger Chance vertan.

    Aber diese Chance gibt es in dieser offenen Stadt. Offenheit ist das Wesen von Leipzig – historisch und in der Gegenwart. Wir gehen bewusst nicht auf das Messegelände, sondern wir bleiben in der Stadt. Es wird ein Programm angeboten, das kostenlos für alle offensteht: Veranstaltungen, Themen, Konzerte, Kulturevents, alles offen für alle. Wichtig ist auch: nicht nur wir laden ein, sondern wir lassen uns auch einladen. Bereits jetzt erleben wir viel Herzlichkeit bei Leipzigern, die uns einladen wollen.

    Also sehen Sie wenig Ängste bei den Leipzigern, dass Kirche hier missionieren will?

    Wir werden erzählen, was uns begeistert und das erwarte ich von den Anderen auch. Wenn ich von dem erzähle, was mich begeistert, kann es natürlich auch sein, dass die Anderen meine Begeisterung verstehen und vielleicht auch teilen. Jede Überzeugungsgemeinschaft, Religion, Partei, Gruppe versucht, ihre Ideen einzubringen. Es darf natürlich keine Vereinnahmung sein. Es geht darum, sich auf dem Markt der Möglichkeiten einzubringen in vollem Respekt vor der Freiheit des Einzelnen, der seine Entscheidung trifft.

    Wenn wir uns nicht ins Spiel bringen würden, wäre ich von dem, was ich sage, nicht überzeugt. Für mich ist es eine große Lebenschance, Christ zu sein. Davon will ich erzählen. Und andere werden von dem erzählen, was ihnen wichtig ist. All das geschieht im gegenseitigen Respekt. Im Dialog lerne ich natürlich auch von den Erfahrungen, die andere gemacht haben.

    Der andere Weg wäre, Kirche und Staat getrennt zu halten. Auch Papst Benedikt sah darin eine Chance für die Kirche.

    Ich halte die gegenseitige Förderung für einen hohen Wert. Es macht keinen Sinn, dass sich jeder in seine Nische zurückzieht. Die Gesellschaft braucht möglichst viel Austausch und Kommunikation. Der Staat hat die Aufgabe, Vielfalt zu fördern. Daneben ist es so: Die katholische Kirche in Sachsen ist arm. Im Vergleich zu den großen Landeskirchen und den Bistümern im Westen ist unser Haushalt sehr klein.

    Auch die staatlichen Leistungen, die wir bekommen, sind gering. Wir bekommen kaum Staatsleistungen aus der Säkularisierung. Daher stellt sich das Problem für die katholische Kirche in Sachsen so nicht. Ohne die Katholiken, die Kirchensteuer zahlen, und ohne Sponsoren und Spender könnten wir gar nichts machen.

    Im zweiten Teil des Interviews geht es um das katholische Eheverständnis, über das auch innerkirchlich heftig diskutiert wird.

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