Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Heute geht es um ein eindrucksvolles Gotteshaus nahe Grimma – mit einem besonderen Deckengemälde. Die Stadtkirche zu Trebsen ist der Sakralbau der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Trebsen/Mulde nahe Grimma im sächsischen Landkreis Leipzig.

Die Stadtkirche Trebsen ist eine große romanische Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert mit eingezogenem spätgotischem Chor mit 3/8-Schluss aus dem Jahr 1518. Der Baukörper ist ein verputzter Bruchsteinbau mit Strebepfeilern, Maßwerkfenstern und hohem Satteldach. Der Sakralbau ist steinernes Zeugnis für neun Jahrhunderte christlicher Bau-, Kultur- und Kirchengeschichte der Region. Er ist geprägt von Romanik, Gotik, Barock, Klassizismus und Historismus.

Der Kirchturm entstand 1552 an der Westseite der Kirche und brannte 1729 ab, wobei auch das Pfarrhaus Feuerbeschädigungen erlitt. Er bekam 1731 die vom Zimmermeister Johann Gebhard aus Trebsen erbaute Zwiebelhaube.

Die Stadtkirche Trebsen. Foto: Jörg Blobelt, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74526511
Stadtkirche Trebsen. Foto: Jörg Blobelt, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74526511

Zu sehen sind zahlreiche Epitaphe, so etwa die aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammende Reliefgrabplatte der Judita von Trebissen, figürliche Grabmäler von Patronsherren und Pfarrfamilien und ein lebensgroßes Kruzifix (um 1500).

Die Glasmalereien im Altarraum von 1912 zeigen den Auferstandenen sowie die Stifter-Fabrikantenfamilie Wiede. Die einstige Sakristei beherbergt ein Kriegergedächtnis mit einer Pieta von 1923 und mit einem Glasmalereifenster von 1953. Die Platte (Mensa) des Altars gehörte seit 1686 zur Klosterkirche Grimma und ist seit den 1990er Jahren in der Evangelisch-lutherischen Stadtkirche zu Trebsen zu Hause.

Biblisches Ereignis in luftiger Höhe

Der Innenraum wurde nach 1700 barock ausgestattet. Die einzigartige Besonderheit des Gotteshauses ist in luftiger Höhe zu sehen: Das hervorragend erhaltene, großformatige ovale Deckengemälde von 1701 zeigt die Himmelfahrt des Elia – der Schöpfer dieses farbenfrohen Kunstwerks war Johann Nikolaus Wilke.

Ein Blick vom Altar zu Kanzel, Deckengemälde, Empore mit Orgel sowie Taufbecken. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137880774
Blick vom Altar zu Kanzel, Deckengemälde, Empore mit Orgel sowie Taufbecken. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137880774

Orgel

Die erste Orgel gab es in der Zeit um 1600, im Jahr 1833 baute Beyer aus Großzschocher ein neues Instrument ein. Die jetzige Orgel schuf Hermann Eule Orgelbau Bautzen als Opus 161; sie wurde 1926 gestiftet. Das Instrument hat 19 Register, zwei Manuale und Pedal.

Glocken

Die älteste überlieferte Glocke der Stadtkirche Trebsen, eine Bronzeglocke mit dem Schlagton b′, goss im Jahr 1897 die Gießerei C. Albert Bierling aus Dresden; sie hat einen Durchmesser von 840 Millimeter und ein Gewicht von 240 Kilogramm.

Die größeren und schwereren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg als sogenannte Metallspende des deutschen Volkes für Rüstungszwecke abgegeben werden und wurden eingeschmolzen.

Das Geläut konnte erst 1950 mit zwei Bronzeglocken aus der Glockengießerei Schilling in Apolda wieder vervollständigt werden; sie haben die Schlagtöne es′ (unterer Durchmesser 1200 mm; ca. 975 kg) und g′ (unterer Durchmesser 1050 mm; ca. 490 kg).

Historisches Areal

Auf dem Pfarrhof sind das Diakonat aus dem 16. Jahrhundert mit Doppelportal aus Rochlitzer Porphyrtuff und das Pfarrhaus aus dem 16. und 18. Jahrhundert mit Sitznischenportal (um 1520) zu sehen. Die Stadtkirche Trebsen ist eine Station des Lutherwegs. Das Gotteshaus steht mit der Nummer 08966137 auf der Liste der Kulturdenkmale in Trebsen/Mulde.

Weitere Besonderheiten

Auch eine Besonderheit ist die Sonnenuhr an der Kirche, deren Anschaffung in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs belegt ist. Sie trägt – stark verwittert – die Aufschrift: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,16).

Die einseitig gebaute zweite Empore hat die architektonische Besonderheit, dass sie an der Kirchendecke befestigt ist – und nicht wie sonst üblich auf Bodensäulen ruht. Auf dieser Empore stehen die ursprünglichen Männerbänke ohne Rückenlehnen von 1755: Die Männer saßen damals in Kirchen oben, die Frauen unten – mit Gerade-aus-Blick zu Kanzel und Altar. Und mit Rückenlehnen an den Bänken.

Koordinaten: 51° 17′ 20,5″ N, 12° 45′ 21,2″ O

Die Stadtkirche Trebsen auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtkirche_Trebsen

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar