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Tanners Interview mit der Musikarbeiterin und Schmerzwegkneterin Ariane Schröder

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    Es gibt junge Menschen voller Enthusiasmus und voller Kraft, die trotzdem - um Miete und Leben zu finanzieren - dauernd an der Kante kämpfen. Die würden bei einem "Bedingungslosen Grundeinkommen" ganz bestimmt nicht in Faulheit und TV-Konsum versacken, die würden weitermachen und agieren. Ariane Schröder ist ein gutes Argument für ein Umdenken beim Thema "Arbeit". Und sie ist nicht alleine.

    Guten Tag liebe Ariane. Du arbeitest unter anderem für die 7us Media Group – die auch die Leipziger Rockherde RunPigRun unter Vertrag haben. Eine feine Kapelle. Wie sind die denn in euren Köcher gekommen?

    Tja, so wie wohl die meisten Bands bei uns Unterschlupf finden. Eine aussagekräftige Bewerbung schicken und das 7us Team mit Engagement, Liebe zur Musik und Talent überzeugen. Das alles konnten und können wir in der Band RunPigRun sehen und daher haben wir uns dazu entschieden mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es ist nicht immer einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden, manchmal stellt sich auch erst während der Arbeit heraus, dass man nicht zusammenpasst. Wie in jeder guten Beziehung müssen auch Künstler und Label an einem Strang ziehen, Kompromisse eingehen und der Arbeit des anderen vertrauen können. Aber natürlich halten auch wir immer Augen und Ohren offen, um neue Acts für uns zu entdecken.

    Das Musikbusiness ist ja auch keine eierlegende Wollmilchsau. Du selber betätigst Dich, um dein Leben zu finanzieren, auch noch an der Massagecouch. Bist sogar eine richtige Physiotherapeutin. Das sind ja doch zwei völlig unterschiedliche Segmente – die Musik und das Menschenschmerzfreikneten. Wie funktioniert der Spagat?

    Witzigerweise ist der Spagat gar nicht so groß wie man denken mag. Es gibt doch erstaunlich viele Parallelen. Zum Beispiel die schlechte Bezahlung *haha*. Auch die Ansprüche der Künstler und Patienten sind ähnlich. Viele Bands wollen am liebsten eine Woche nach Vertragsunterzeichnung ihre CD im Laden stehen sehen. In der anderen Branche gibt es Patienten, die nach der ersten Behandlung eine Wunderheilung erwarten. Beides völlig unrealistisch. Beide Berufszweige sind mit verdammt viel Arbeit verbunden. Man muss sich intensiv mit den Menschen und ihren Wünschen auseinandersetzen und dementsprechend versuchen, einen Plan zum Ziel zu entwickeln. In beiden Fällen muss man flexibel und kreativ sein, spontan einen neuen Weg einzuschlagen, wenn man nicht weiterkommt. Ich habe das Glück, beide Berufe mit Liebe und Leidenschaft ausführen zu können.

    Und dann noch Dein Musikblog und die ganzen Interviews für das DeutschFM Webradio. Hast du überhaupt ein Privatleben? Freunde? Haustiere? Eine Liebe? Wie händelst Du Dein Zeitmanagement?

    Privatleben? Was ist das genau? Im Moment bin ich ein absoluter Workoholik. Mein Kollege vom DeutschFM Webradio nennt mich auch gerne das Fleißbienchen. Musik ist meine große Liebe, wenn ich mich auch für zu untalentiert halte, selbst welche zu machen. Für meinen Musikblog bin ich unglaublich gerne unterwegs, treffe neue Menschen und blicke hinter die Kulissen. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, braucht man in der Tat ein gutes Zeitmanagement. Oft haben meine Tage 16 Stunden. Zum Glück teilen viele meiner Freunde meinen Musikgeschmack oder spielen selbst in Bands, die ich auf ihren Reisen begleiten darf. Freunde kommen und gehen – meine Familie ist immer für mich da.

    Zurück zur Massiererei – funktioniert das? Gibt es genug Nachfrage?

    Überhaupt nicht. Die meisten Menschen interessieren sich nur wegen eines Modetrends für ihre Gesundheit oder wenn es bereits „zu spät“ ist. Vorsorglich Sport zu machen oder sich einfach mal so eine entspannende Massage zu gönnen tun die wenigsten. Sehr schade! Vor allem für mich, denn da muss ich mich zu den ganzen Jobs, die ich aus Spaß machen darf, noch um einen zusätzlichen Nebenjob kümmern, der mir die Miete finanziert. Leider werde ich vom Amt nicht finanziell unterstützt, da es in der Physiotherapie genug freie Stellen gibt und eine zweite Ausbildung nicht erforderlich wäre. Ich bin also ein großer Freund der Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

    Welche Bands, die Du getroffen hast, waren denn die, die Dich ganz persönlich berührten?

    Eigentlich ist das, was in den letzten fünf Jahren passiert ist, so unglaublich für mich, dass ich noch gar nicht wirklich realisiere, was da so mit mir passiert. In der Schule war ich immer die Stille, Unauffällige, die gar nicht wahrgenommen werden wollte und ein paar Jahre später sitzt man mit Jennifer Rostock, Bosse und MC Fitti in chaotischen Backstageräumen und quatscht, als würde man sich schon ewig kennen. So bekannt die Namen aber auch sein mögen, so haben mich die weniger bekannten Bands doch mehr berührt. An erster Stelle steht die Bautzener Band „Strandlichter“ (vorher Mateo und ganz früher mal Café Jazz). Die fünf Jungs habe ich 2011 während der Tiemo Hauer Tour kennengelernt. Wir pflegen immer noch ein sehr freundschaftliches Verhältnis, obwohl wir uns viel zu selten sehen. Platz Zwei sichern sich „The Emma Project“, eine Indie Pop Band aus Berlin, die ich als Support für „The Love Bülow“ letztes Jahr kennengelernt habe. Platz Drei teilen sich „Antiheld“ und „Schlaraffenlandung“ – beide aus dem Großraum Stuttgart.

    Gibt es Pläne für die Zukunft? Du bist ja noch jung und kannst Dein Ruder noch allerorten hin drehen. Wohin treibt es Dich?

    Nichts Konkretes. Ich bin eigentlich offen für alles. Was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, ist auszuwandern. Mich hat es noch nie in die Ferne gezogen. Jedoch liebe ich Herausforderungen. Wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich alles andere als eine Quasselstrippe bin, aber eine eigene Sendung (Radio oder TV ist egal) zu moderieren wäre fantastisch. Ich möchte auf jeden Fall weiter in dem musikalischen Medienbereich bleiben. Der schönste Job, den ich mir vorstellen kann, ist allerdings Mutter zu werden – eine große Familie, mit Haus, Garten und Hund wäre noch ein großer bisher unerfüllter Traum.

    Danke Ariane – und nie den Faden verlieren.

    http://kunsttourblog.blogspot.de

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