Demonstration

Neonazis dürfen am 18. März wohl nicht nach Connewitz

Für alle LeserDie Mobilisierung gegen einen geplanten Neonaziaufmarsch in Connewitz läuft seit Wochen auf Hochtouren. Doch nun deutet sich an: Die Route wird verlegt. Stattdessen soll die Demonstration am 18. März offenbar von der Semmelweisbrücke bis zum Bayerischen Bahnhof verlaufen. Die Gegenseite ruft zu Protestkundgebungen, Sitzblockaden und körperlicher Gewalt auf.

Die für den 18. März geplante Neonazidemonstration wird voraussichtlich nicht in Connewitz stattfinden. Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor, die das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ (LNP) am Freitagvormittag veröffentlicht hat. Eine zweite Quelle bestätigte der L-IZ diese Information.

Die Route soll nun offenbar von der Semmelweisbrücke bis zum Bayerischen Bahnhof führen. Eigentlich wollten die Neonazis von der Kurt-Eisner-Straße über das Connewitzer Kreuz bis in die Zwickauer Straße laufen. Das Ordnungsamt hatte am Donnerstagnachmittag auf Anfrage mitgeteilt, dass „belastbare Auskünfte zu Versammlungsörtlichkeiten beziehungsweise zu einer Aufzugsroute“ noch nicht möglich seien.

Anmelder der rechten Demo ist Christian Worch. Der Vorsitzende der Neonazipartei „Die Rechte“ war bereits bis 2007 regelmäßig in Leipzig in Erscheinung getreten, hatte sich dann jedoch wegen geringer Teilnehmerzahlen für viele Jahre zurückgezogen.

Im Dezember 2015 versuchte es Worch gemeinsam mit lokalen und regionalen Akteuren wie Silvio Röslers „Offensive für Deutschland“ und David Köckerts „Thügida“ erneut. Etwa 200 Neonazis waren einem Aufruf zur Demonstration im Leipziger Süden gefolgt. Ursprünglich sollte in Connewitz ein Sternmarsch stattfinden. Die Stadt beschränkte das Geschehen jedoch auf eine kurze Route von der Semmelweisbrücke bis in die Arthur-Hoffmann-Straße.

Linksradikale attackierten am 12. Dezember 2015 die Polizei mit Steinen. Foto: L-IZ

Linksradikale attackierten am 12. Dezember 2015 die Polizei mit Steinen. Foto: L-IZ

Vor allem rund um die Karl-Liebknecht-Straße kam es währenddessen zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Linksradikalen, die für die aktuellen Sicherheitsbedenken der Stadt bezüglich der kommenden Nazidemo mitverantwortlich sein dürften. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu den Straftaten im Jahr 2015 dauern in vielen Fällen weiter an. Rechtskräftige Verurteilungen gibt es bislang lediglich wegen eher harmloser Delikte: Vermummung, Beleidigung, Errichtung einer Straßensperre und Beschädigung eines Polizeiwagens. Zahlreiche Strafverfahren – auch gegen Polizisten – wurden eingestellt, da keine Tatverdächtigen ermittelt wurden.

Für den 18. März sind erneut mehrere Protestveranstaltungen geplant. „Leipzig nimmt Platz“ hat eine Demonstration angemeldet, die vom Wilhelm-Leuschner-Platz zum Startplatz der Neonazis führt. Zudem soll es eine stationäre LNP-Kundgebung am Bayerischen Bahnhof geben. Die Stadträtin Juliane Nagel (Die Linke) hat darüber hinaus eine Kundgebung am Kohlrabizirkus angemeldet.

Zusätzlicher Protest ist unter anderem vor dem Volkshaus, dem Werk 2 sowie der Peters- und der Paul-Gerhardt-Kirche geplant. Im Internet und auf Plakaten wird außerdem dazu aufgerufen, den Neonaziaufmarsch mit Sitzblockaden und Gewaltaktionen zu verhindern. Für den Abend mobilisiert die Gefangenengewerkschaft GG/BO zu einer weiteren Kundgebung: um 18 Uhr vor der Polizeidirektion in der Dimitroffstraße.

Die Leipziger Linkspartei hat am Freitagvormittag in einer Pressemitteilung dazu aufgerufen, „am 18. März mit auf die Straße zu gehen und kreativen Protest sowie zivilen Ungehorsam zu leisten“. Zugleich appellierte sie an Antifaschisten, sich nicht erneut Auseinandersetzungen zu liefern, an die Stadt, wahrnehmbaren Protest zuzulassen, und an die Polizei, verhältnismäßig vorzugehen.

Sitzblockade auf der Bernhard Göring Straße

Verschiedene Akteure rufen erneut zu Sitzblockaden auf. Foto: L-IZ

Auch die CDU veröffentlichte eine Pressemitteilung und warnte darin vor „drohenden Ausschreitungen“. Insbesondere die Stadt sei in der Pflicht, „alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um die bürgerkriegsähnlichen Zustände der Vergangenheit zu vermeiden“, so der Bundestagsabgeordnete Thomas Feist. Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte seien keine politische Meinungsäußerung, sondern müssten „mit aller Konsequenz als Straftat verfolgt werden“.

Am 12. Dezember 2015 hatte die Polizei auf Twitter behauptet, dass die Feuerwehr bei Löschversuchen angegriffen worden sei. Das Innenministerium konnte auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Mirko Schultze (Linke) jedoch keinen konkreten Fall benennen, in dem dies nachweislich geschehen ist. Laut dem Leipziger Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) gab es keine verletzten Feuerwehrleute oder Sanitäter.

Sollte die Route der Neonazis tatsächlich geändert werden, könnten diese vor dem Verwaltungsgericht dagegen klagen. Mit einer endgültigen Entscheidung ist also erst in der nächsten Woche zu rechnen.

In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/03/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

Leipzig nimmt PlatzDemonstrationDie RechteNeonazis18. März
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Wie eine NuKLA-Kunstaktion zum gefundenen Fressen für Sensationsmeldungen wurde
Die NuKLA-Aktion vorm Bundesverfassungsgericht. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserAm 29. November gab es eine große und aus Sicht der Teilnehmer sehr erfolgreiche Demonstration zum Klimastreik von Fridays For Future in Leipzig. Doch eine Woche später wird noch immer über ein Ereignis diskutiert, das am Rand der Veranstaltung stattfand. Ein Ereignis, das jetzt dazu führt, dass Fridays For Future Leipzig von LVZ, BILD und OE24.at eine Entschuldigung und eine Richtigstellung fordert.
Weihnachten aus der Heimat mit dem Denkmalchor
Denkmalchor Leipzig @ Anne Hornemann

@ Anne Hornemann

Von Eccard bis Vugelbeerbaum: der Denkmalchor Leipzig präsentiert unter Leitung von Philipp Goldmann am 8. Dezember, 15 Uhr, im Völkerschlachtdenkmal die schönsten deutschen Weihnachtslieder aus sechs Jahrhunderten. Das Konzert unter dem Titel „Weihnacht“ vereinigt schlichte Chorlieder, anspruchsvolle Motetten und klangvolle Orgelmusik, gespielt von Andreas Mitschke.
Am 10. Dezember bekommt das Naturkundemuseum wertvolle Arbeiten des Leipzige Präparators ter Meer aus Berlin zurück
Herman H. ter Meer mit einer seiner Orang-Utan-Plastiken. Foto: Naturkundemuseum Leipzig

Foto: Naturkundemuseum Leipzig

Für alle LeserDas Naturkundemuseum Leipzig erhält am 10. Dezember 2019 vom Museum für Naturkunde in Berlin die Hauptwerke des revolutionären Tierpräparators Herman H. ter Meer. Über 50 Jahre weilten die Exponate nicht in Leipzig, nun kehren sie an ihren Entstehungsort zurück: zwei Primatengruppen aus jeweils drei Gorillas und drei Orang Utans, eine Robbe und ein Zebra.
Podiumsdiskussion zum Nahverkehrsplan: Kriegt Leipzig jetzt die Kurve zur Verkehrswende?
Franziska Riekewald (Die Linke) ist am 21.08.1980 in Halle/S. geboren und Betriebswirtin (VWA). Foto: Die Linke Leipzig

Foto: Die Linke Leipzig

Bei der nächsten Ratsversammlung am 11. Dezember soll die Fortschreibung des Nahverkehrsplans beschlossen werden. Es ist höchste Eisenbahn! Der letzte Beschluss liegt mehr als zehn Jahre zurück, die Busse und Bahnen in Leipzig fahren mit Taktzeiten von 2007. Seitdem hat die Stadt an Zuwachs gewonnen, längst veraltete Regelungen stoßen bei steigenden Fahrgastzahlen an ihre Grenzen.
Neue Grabungen geben erstmals Einblick in die früheste Geschichte der Tempelstadt Heliopolis
Das Grabungsgebiet in Kairo. Foto: Universität Leipzig

Foto: Universität Leipzig

Für alle LeserSeit rund zwei Jahrzehnten forscht Dr. Dietrich Raue, Ägyptologie und seit 2010 Kustos des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, bei Grabungen in Ägypten zur Geschichte dieses faszinierenden Landes. In den letzten Jahren machte dabei eine Notgrabung unter Raues Leitung am Standort der einstigen Tempelstadt Heliopolis Schlagzeilen. Jetzt wurden dort wieder ein paar überraschende Fundstücke ausgegraben.
Zahlen der Polizei sprechen gegen ein gewalttätiges Connewitz und Grüne bringen Antrag für Quartierladen ein
Couch und Graffiti in Connewitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserJohannes Hansmann ist nicht der Einzige, der sich darüber wundert, warum Zeitungen wie die LVZ jetzt auf einmal so eine Kampagne fahren, um (wieder einmal) Leipziger Stadtteile wie den Osten oder Connewitz zum brandgefährlichen Pflaster zu machen. Gleich nach dem Auftaktartikel am 27. November („Wie die Gewalt nach Connewitz kam“) fasste sich ja selbst SPD-Stadtrat Christopher Zenker an den Kopf: In was für einer Stadt leben die LVZ-Redakteure eigentlich?
CDU, SPD und Grüne haben gar nicht vor, die Schuldenbremse in Sachsen außer Kraft zu setzen
Schöner Sachsen-Euro. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 4. Dezember tobte eine Meldung durch die Medien, der gerade erst beschlossene Koalitionsvertrag würde Sachsen 12 Milliarden Euro kosten. In die Welt posaunt hatte diese Zahl die „Sächsische Zeitung“. Sie munkelte von einen „internen Papier“, in dem das so stehen sollte. Postwendend sprang im Feuereifer die FDP auf das Thema an. Motto: Die können ja nicht mit Geld umgehen, nur wir!
Wie schlechte journalistische Arbeit das Vertrauen der Bevölkerung zur Presse schädigt
Die Biedermannstraße in Connewitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIch bin nur ein einfacher Leser diverser Zeitschriften und Magazine. Und ich lebe schon länger in Leipzig. Ich kenne natürlich auch einige andere Menschen aus Leipzig. Ich kenne junge und alte Menschen, reiche und arme, und ich kenne auch andere Stadtteile von Leipzig, nicht nur den, in dem ich zufälligerweise wohne. Aber immer mehr wundert es mich, wie über Leipzig in der Presse und wie in Leipzig über Geschehnisse berichtet wird.
Wiechert, Mintrop & Co.: Die Männer, die 1922 in Leipzig die Deutsche Seismologische Gesellschaft gründeten
Franz Jacobs, Michael Börngen: Wiechert, Mintrop & Co. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEin Stein steht seit 2013 in der Talstraße/Ecke Liebigstraße auf der Wiese des kleinen Parks, der so tut, als wäre er schon immer dagewesen. Jedenfalls nicht in dieser Größe. Auf alten Luftaufnahmen sieht man hier nämlich noch ein imposantes Gebäude stehen: Talstraße 38, das Mineralisch-Petrographische Institut der Universität Leipzig. 1943 wurde es von Bomben getroffen und vernichtet. Aber der Stein erinnert nur beiläufig an das verschwundene Gebäude.
Pyrotechnik bei RBL und Antisemitismus in der LVZ
RBL-Gästeblock zu Beginn der Saison in Osnabrück. Foto: Gepa Pictures

Foto: Gepa Pictures

Für alle LeserDer Fußballverein RB Leipzig hat nach eigenen Angaben elf Hausverbote gegen eigene Fans ausgesprochen. Diese sollen beim Auswärtsspiel in Paderborn am Samstag, den 30. November, an einem Pyrotechnik-Einsatz beteiligt gewesen sein. Ein Sportjournalist der LVZ bezeichnete die Zündler als „Brunnenvergifter“ und griff damit ein jahrhundertealtes antisemitisches Stereotyp auf.
Deutschland nutzt auch Ökosysteme in weit entfernten, oftmals ärmeren Regionen
Zugvögel über Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWenn wir an unseren ökologischen Fußabdruck denken, dann denken wir nur an all die Produkte und Leistungen, die wir konsumieren, die weit über die Leistungskraft unseres Landes hinausgehen. Aber Deutschland profitiert nicht nur von Arbeit und Ressourcen vieler ärmerer Länder. Es nutzt auch wie selbstverständlich die Leistungen der dort befindlichen Ökosysteme. Ein Vorgang, auf den jetzt das in Leipzig heimische Umweltforschungszentrum aufmerksam macht.
INTER will Erfolgsserie auch gegen Aufsteiger aus Martinroda fortsetzen
Torgauer Hafenstadion. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Neuer Gast im Torgauer Hafenstadion: Am kommenden Sonntag erwartet der FC International Leipzig erstmalig den thüringischen Landesmeister FSV Martinroda zum letzten Spiel der Hinrunde in der Oberliga-Süd. Angestoßen wird um 13 Uhr unter der Leitung von Schiedsrichter Max Mangold und seinen Assistenten Jonas Belke und Max Stramke.
#Leipzigbecher kommen doch: Die RECUP GmbH hat nun doch noch eine Leipziger Edition aufgelegt
Die neuen RECUP-Becher mit Leipzig-Motiv. Foto: BUND Leipzig

Foto: BUND Leipzig

Für alle LeserDas Projekt ist manchmal eine echte Zitterpartie. Kaum war es angelaufen, drohte dem BUND Leipzig die geförderte Stelle wegzufallen, mit der überhaupt erst einmal genug Partner für das neue Kaffee-Pfandbecher-System gewonnen werden sollten. Die Stelle wurde gesichert. Dafür tat sich dann nach den Sommerferien ein Crowdfunding-Projejkt schwer, mit dem Geld für echte Leipzig-Pfandbecher gesammelt werden sollte.
Heute Premiere in der naTo: Reise ins Unbekannte – Der Kinderplanet
Quelle: Soziokulturelles Zentrum die naTo

Quelle: Soziokulturelles Zentrum die naTo

Innerhalb des soziokulturellen naTo-Projekts »Der Kinderplanet« haben Grundschüler/-innen der Kurt-Masur-Schule ein Theaterstück erarbeitet. Dieses feiert am 5. Dezember nun seine öffentliche Premiere in der naTo.
Linke Abgeordnete will wissen, wie die neue Regierung jetzt beim sozialen Wohnungsbau vorzugehen gedenkt
Zweckentfremdete Wohnungen verschärfen das Wohnungsproblem in den Großstädten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserFür die linke Bundestagsabgeordnete Caren Lay sieht es wie eine drastische Kürzung aus, für Bundesinnenminister Horst Seehofer ist es eine Fortsetzung der Unterstützung: Nur noch 1 Milliarde Euro wird der Bund ab 2020 für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen, eine halbe Milliarde weniger als bisher. Eine dramatische Entwicklung, findet Juliane Nagel, Stadträtin und Landtagsabgeordnete der Linken. Denn schon jetzt gibt Sachsen zu wenig Geld für Sozialwohnungen.