Ein Brief an Bundeskanzler Merz und keine Reaktion. Deshalb rollte heute ein Protest-Konvoi von rund 100 Kraftfahrzeugen durch die Stadt. Es ging darum, den Sorgen des Mittelstands Gehör zu verschaffen. Sorgen ganz anderer Art haben jetzt auch einige andere Autofahrer. Sie wurden bei Rausch-Kontrollen von der Polizei überführt. Und auch Nic Ihlow hat Sorgen: Wegen eines Infektes kann der Titelverteidiger nicht beim Leipzig Marathon starten. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 17. April 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Brummi-Demo um den Ring

Laut hupend rollten am heutigen Vormittag etwa 100 Kraftfahrzeuge im Konvoi durch Leipzigs City. Unter dem Motto „Ohne uns läuft nichts!“ machten Speditionen, Umzugsunternehmen, Taxifahrer, Handwerker und Transporteure mit dieser Aktion auf schwierige Bedingungen in ihren Branchen aufmerksam. Durch stark gestiegene finanzielle Aufwendungen sehen sie den Mittelstand in Gefahr. Sie forderten daher unter anderem: „Kraftstoffkosten runter!“, „Lohnnebenkosten runter!“, „CO2-Steuer abschaffen!“ und ähnliches.

Vom Völkerschlachtdenkmal aus machten sich Pkws, Transporter, Brummis und sogar ein Traktor auf den Weg entlang der Prager Straße bis hin zum Augustusplatz. Hier drehten sie eine Runde um den Innenstadtring, bevor sie einen Zwischenstopp mit kurzer Kundgebung am Augustusplatz einlegten. Initiator Michael Henry Berger, selbst Geschäftsführer eines Möbel-Transport-Unternehmens, sprach dabei von einer „friedlichen, aber nachdrücklichen Demonstration“ und zog dabei sogar Parallelen zur friedlichen Revolution von 1989. Nach der Zwischenkundgebung rollte der Tross wieder zurück zum Ausgangspunkt am Völki.

Bereits Ende März hatte Berger einen mehrseitigen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz geschrieben, in welchem er ausdrücklich auf die Schwierigkeiten im Mittelstand hinwies. „Die Belastungen werden von Jahr zu Jahr größer. Mindestlöhne steigen, Sozialabgaben steigen, Krankenkassen steigen, Energie wird teurer, Diesel wird teurer, die CO₂-Bepreisung kommt oben drauf, dazu Berufsgenossenschaft, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Maut, Auflagen, Nachweise, Formulare und eine Bürokratie, die mit der Wirklichkeit vieler Betriebe kaum noch etwas zu tun hat“, hieß es darin beispielsweise.

Das brächte unter anderem mit sich, dass die Rücklagen vieler Betriebe aufgebraucht seien und damit kaum noch Geld für notwendige Investitionen, Neueinstellungen oder Ausbildungsplätze zur Verfügung stünde. „Was wir brauchen, ist keine Politik der schönen Worte. Wir brauchen eine Politik, die wieder an die Menschen denkt, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten“, schrieb Berger. Eine Antwort habe er auf seinen Brief nicht erhalten. Deshalb wurde der Protest nun auf die Straße gebracht.

Polizei zieht Bilanz nach Rausch-Kontrollen

Nachdem die Verkehrspolizeiinspektion Leipzig am gestrigen Donnerstag auf den Straßen der Stadt eine Großkontrolle zum Thema Drogenerkennung durchgeführt hatte, zogen die Ordnungshüter nun Bilanz. Insgesamt 479 Fahrzeuge wurden zur Überprüfung herausgewunken. Bei 16 Personen witterte die Polizei, dass berauschende Mittel wie Alkohol oder Drogen im Spiel sein könnten. Blutprobenentnahmen bestätigten den Verdacht. Zwei Betroffene werden nun sogar wegen einer Straftat belangt, die anderen 14 Vergehen wurden als Ordnungswidrigkeit eingestuft.

Zudem erschnupperte ein eingesetzter Drogenspürhund beim Beifahrer eines Transporters fast 60 Gramm eines nicht näher benannten Betäubungsmittels. Diese Person muss sich nun wegen Handels mit Betäubungsmitteln verantworten. Festgestellt wurden darüber hinaus vier Fahrer, die keine Fahrerlaubnis besaßen, ein gefälschtes Personaldokument sowie drei Verstöße gegen das Kraftfahrzeugsteuergesetz. Alle genannten Delikte gelten als Straftat, zusätzlich wurden 42 sonstige Ordnungswidrigkeiten registriert.

Marathon-Absage von Top-Favorit Nic Ihlow

Es hatte sich im Laufe der Woche bereits angedeutet, jetzt ist es amtlich: Der diesjährige Leipzig Marathon wird ohne Titelverteidiger Nic Ihlow (SC DHfK Leipzig) stattfinden. Der viermalige Sieger dieses Laufes meldete sich heute aufgrund eines Infektes krankheitsbedingt ab. Damit wird nach drei Ihlow-Siegen in Folge nun ein anderer Läufer ganz oben auf dem Treppchen stehen.

„Letzte Nacht ist bei mir die Entscheidung gereift, dass ich dieses Jahr den Weg frei mache für einen neuen Leipzig Marathon Gewinner“, vermeldet der 30-jährige Lokalmatador. „Ich finde es wirklich sehr schade, weil ich mich sehr darauf gefreut und sehr gut vorbereitet habe, aber diesmal muss die Vernunft siegen bzw. lässt der Körper nichts anderes zu.“

Serien-Sieger Nic Ihlow vom SC DHfK (hier beim ersten Erfolg 2019) musste seine Teilnahme am diesjährigen Leipzig Marathon absagen. Archiv-Foto: Jan Kaefer
Serien-Sieger Nic Ihlow vom SC DHfK (hier beim ersten Erfolg 2019) musste seine Teilnahme am diesjährigen Leipzig Marathon absagen. Archiv-Foto: Jan Kaefer

Gelingt es nun vielleicht Habtamu Agumas Geleta von der SG Motor Gohlis-Nord (MoGoNo), den Titel dennoch wieder nach Leipzig zu holen? Oder macht der Rosenheimer Jakob Lange das Rennen? Auch bei den Frauen könnte der Titel in der Messestadt bleiben. Nachdem auch die weibliche Titelverteidigerin Yvonne van Vlerken (Niederlande) – sie gewann bereits dreimal – auf eine diesjährige Teilnahme verzichtete, könnte erneut die Stunde von Antonia Müller (LG eXa Leipzig) schlagen. Die 27-jährige hatte die Konkurrenz bereits vor zwei Jahren für sich entscheiden können.

Worüber die LZ heute berichtet hat:

Hallo Leipzig: So startet Freitag, der 17. April

Bahnstrecke Leipzig–Chemnitz: Pro Bahn und Bahninitiative Chemnitz kritisieren das Planungschaos

Sachsen will die Wiederherstellungsverordnung aushebeln: NABU Sachsen reagiert mit scharfer Kritik

Finanziell herausfordernde Zeiten: Oper Leipzig meldet ein starkes erstes Quartal

Exoplaneten: Ein Himmelsforscherbuch für alle unersättlichen Kinder

Gekappter Efeu in der Thomasiusstraße: Ökolöwe e.V. reicht jetzt Fachaufsichtsbeschwerde ein

Was sonst noch wichtig war:

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat via Social Media die Öffnung der Straße von Hormus verkündet – zumindest für die Dauer des Waffenstillstands im Libanon.

Der deutsche Bundestag hat eine E-Auto-Prämie beschlossen. Rückwirkend ab Januar 2026 unterstützt der Staat den Neukauf eines Elektroautos mit 1.500 bis 6.000 Euro.

Bei einem schweren Arbeitsunfall in einer Lederfabrik in der hessischen Kleinstadt Runkel sind drei Mitarbeiter ums Leben gekommen. Als Todesursache wird eine Kohlenmonoxidvergiftung vermutet. Die Untersuchungen laufen.

Anlässlich des Neujahrsfestes in Myanmar hat die Militärführung mehr als 4.300 Häftlinge begnadigt. Unter ihnen befand sich auch Ex-Präsident Win Myint.

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