Die Handballerinnen des HC Leipzig sind nach neun Jahren zurück in der 1. Bundesliga. Im abschließenden Saisonspiel der 2. Alsco Handball Bundesliga feierten die Leipzigerinnen in der mit 860 Zuschauern restlos ausverkauften Sporthalle Brüderstraße mit einem starken Auftritt einen 37:24-Sieg (21:14) gegen den 1. FSV Mainz 05.
Nach dem Abpfiff, der im blau-gelben Jubel unterging, brachen alle Dämme. Fans und Team feierten gemeinsam die Rückkehr in die oberste deutsche Spielklasse. Beste HCL-Erfolgreichste Werferin des Tages war Kapitänin Pauline Uhlmann mit sieben Toren. Doch das interessierte am Ende nur am Rande.
„Ich bin megastolz auf die Mannschaft. Was sie in dieser Saison geleistet hat, war großartig. Wir werden wohl erst in den nächsten Tagen so richtig realisieren, was wir geschafft haben“, sagte Trainer Erik Töpfer und ergänzte: „Als wir vor dem Spiel aus der Kabine gekommen sind, haben sich die Mädels unheimlich gepusht. Da wusste ich: Es geht nix mehr schief. Auch als es zwischenzeitlich in der Rückrunde mal nicht so gut lief, habe ich nie am Team gezweifelt.“
Erst Probleme, dann treffsicher
Die Ausgangslage war klar: Angesichts des einen Zählers Vorsprung auf die Verfolger TG Nürtingen und Füchse Berlin (spielen in der Aufstiegs-Relegation gegen den SV Union Halle-Neustadt um das letzte Erstliga-Ticket), die beide ihr letztes Saisonspiel souverän gewannen, musste der HCL das Saison-Finale gewinnen. Und so traten die Spielerinnen auch auf.
Von Aufstiegs-Nervosität war bei der jungen Mannschaft keine Spur. Lediglich zu Beginn des Spiels, als die Mainzerinnen zweimal (4:3 und 5:4) führten, taten sich die Gastgeberinnen noch schwer. Ab der 15. Minute bekamen sie das Spiel immer mehr in den Griff und konnten sich schrittweise absetzen.
Nach dem Treffer von Pauline Uhlmann per Siebenmeter führte das HCL-Team erstmals mit drei Toren (13:10/20. Minute). Neun Minuten später war die Partie nach vier Toren in Folge beim Stand von 20:13 vorentschieden und der Aufstiegssekt kaltgestellt. Mit einer 21:14-Führung ging es in die Halbzeitpause.
Große Spielfreude und Emotionale Momente
In der zweiten Halbzeit ließen die Gastgeberinnen nichts mehr anbrennen – im Gegenteil. Mit jeder Menge Spielfreude bauten sie ihren Vorsprung weiter aus. Mit einem Treffer per Kempa-Trick sorgte Pauline Uhlmann in der 38. Minute für die erste Zehn-Tore-Führung des Spiels (25:15). Trotz des sicheren Vorsprungs spielten die Leipzigerinnen weiter hochkonzentriert in der Abwehr und ließen die Mainzerinnen nicht mehr zurück ins Spiel kommen.
Emotional wurde es in den letzten zehn Minuten. In der 52. Minute kam Torhüterin Nele Kurzke im letzten Spiel ihrer Karriere zum Siebenmeter aufs Parkett und hielt diesen unter dem Jubel der Fans. Auch in den verbleibenden Minuten zeigte die 35-Jährige noch einmal ihr Können. In der letzten Auszeit, zwei Minuten vor dem Abpfiff verabschiedete sich die Torhüterin gemeinsam mit Kreisläuferin Hanna Ferber-Rahnhöfer, die ebenfalls ihre Karriere beendet, unter großem Applaus von den Fans.
Begleitet von Sprechchören wie „Nie mehr 2. Liga“ und „Oh, wie ist das schön“ ging das Spiel zu Ende und ging ansatzlos in die Aufstiegsfeierlichkeiten über. Nach dem Abpfiff bekam Mannschaftskapitänin Pauline Uhlmann vom Geschäftsführer der Handball Bundesliga Frauen (HBF), Christoph Wendt, die Meisterschale überreicht.
„Ein unglaublicher Meilenstein“
„Dieser Aufstieg ist ein unglaublicher Meilenstein in der Geschichte unseres Vereins und eine tolle Bestätigung für die Arbeit in den vergangenen Jahren. Ich habe die Entwicklung des Teams in den vergangenen Jahren gesehen. Da war klar, dass in dieser Saison der Aufstieg möglich ist. Dass die Mädels das jetzt so durchgezogen haben, ist Wahnsinn“, sagte HCL-Präsident Torsten Brunnquell, der auch gleich einen Blick voraus warf: „Ich bin davon überzeugt, dass wir in der kommenden Bundesliga-Saison den Klassenerhalt schaffen.“
Auch Rückraumspielerin Marlene Tucholke war nach dem Aufstieg völlig euphorisch: „Dieser Aufstieg bedeutet uns alles. Ich habe schon als kleines Kind von diesem Moment geträumt. Dass dieser Traum mit diesem Team nun Erfüllung gegangen ist, ist der absolute Wahnsinn. Ich freue mich jetzt riesig auf die Bundesliga-Spiele in Markranstädt. Wir haben nie gezweifelt, dass wir das schaffen können. Die Motivation kam von ganz allein. Wir wussten, dass wir bis zum Schluss Gas geben müssen. Das haben wir gemacht.“
Kapitänin Pauline Uhlmann war unglaublich stolz auf die Mannschaft: „Die gesamte Rückrunde war für uns alle vor allem mental eine riesige Aufgabe. Wir waren die Gejagten, damit mussten wir umgehen. Wie wir uns nach einigen nicht so guten Spielen wieder gefangen haben, war stark. Mir persönlich bedeutet dieser Aufstieg unglaublich viel. Ich habe den Absturz nach der Insolvenz miterlebt. Jetzt sind wir wieder in der ersten Liga angekommen und wollen uns dort etablieren. Aber jetzt wird erst einmal ordentlich gefeiert. Das haben wir uns alle verdient.“
Nach den ersten Feierlichkeiten am Wochenende steht in der kommenden Woche die Abschlussfahrt nach Mallorca auf dem Programm. Danach gehen die meisten Spielerinnen erst einmal in den wohlverdienten Urlaub. Auf die U20-Nationalspielerinnen Marlene Tucholke, Laura Sophie Klocke, Jana Walther, Lisa Lammich und Neuzugang Emma Niemann wartet im Sommer mit der U20-Weltmeisterschaft in China (24. Juni bis 5. Juli) das nächste große Highlight.
HC Leipzig: Janine Fleischer (6 Paraden), Nele Kurzke (5); Pauline Uhlmann (7 Tore/3 Siebenmeter), Lisa Lammich (6), Marlene Tucholke (5), Laura-Sophie Klocke (4), Alina Gaubatz (3), Emely Theilig (2), Kim Angelina Lang (2), Hanna Ferber-Rahnhöfer (2), Jana Walther (2/2), Wiebke Meyer (2), Sharleen Greschner (1), Lara Tauchmann (1), Lilly Glimm.
Siebenmeter
HCL 5/6; Mainz 2/3
Strafminuten
HCL 2; Mainz 0
Zuschauer: 860






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