Es gab nach diesem spannenden Bundesliga-Saisonfinale am Sonntag für den SC DHfK eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute war der abschließende 26:25-Erfolg vor 6.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena Leipzig gegen die GWD Minden – und die Tatsache, dass beide Teams auch in der kommenden Saison wieder gegeneinander antreten werden. Die schlechte Nachricht: Es wird in der 2. Liga sein. Denn der Heimsieg der Leipziger, die bereits als Absteiger feststanden, riss auch den Tabellenvorletzten Minden eine Liga tiefer.
Aus Mindener Sicht dabei besonders bitter: Den letzten Wurf in letzter Sekunde knallte Jakub Sterba nur an den Pfosten. Wäre er drin gewesen, hätte Minden die Klasse gehalten. So wurde es für beide Teams ein Abschiedsspiel aus „der stärksten Liga der Welt“. Leipzig jubelte trotzdem, denn der erst vierte Sieg der Saison zeigte noch einmal deutlich die eigentlichen Stärken des SC DHfK: mentale Power und Teamgeist sowie ein begeisterungsfähiges, lautstarkes Publikum auf den Rängen.
Unterm Strich fehlten den Grün-Weißen nur drei Punkte zum Klassenerhalt, zwei Siege mehr in den 34 Saisonspielen hätten die Abstiegssorgen also weggebügelt. Aber zu oft passte vieles nicht. Insofern hatte SC DHfK-Trainer Frank Carstens im Anschluss auf die Frage, was denn für ihn das beste an dieser Saison gewesen sei, eine klare Antwort parat: „Das Beste ist, dass sie vorbei ist“. Und auch die Antwort auf Frage nach der Mission für die kommende Spielzeit in der 2. Liga kam ohne Zögern: „Die Mission ist, wieder aufzusteigen!“.
Carstens wird diesen Weg mit dem Verein genauso weitergehen wie auch Kapitän und SC DHfK-Urgestein Lukas Binder. Dieser versprühte nach Abpfiff der verkorksten alten Saison bereits wieder jede Menge Zuversicht und Vorfreude auf das, was kommt. „Ich freue mich wie in kaum einem anderen Jahr auf das nächste Jahr – und darauf, viele Siege zu feiern“, so der dann 34-Jährige.
Tränen flossen bei den Grün-Weißen und allen, die es mit ihnen halten, danach dennoch reichlich. Denn gleich neun Spieler werden dann nicht mehr zum Team gehören. Darunter auch langjährige Weggefährten und Publikumslieblinge: Nils Greilich, Ahmed Khairi, Adam Lönn, Tomas Piroch, William Bogojevic, Domenico Ebner, Simon Ernst, Marko Mamic und Lucas Krzikalla. Völlig aufgelöst war Torhüter Domenico Ebner. Tränenüberströmt lagen er und Geschäftsführer Karsten Günther sich in den Armen. Der Vereinsvorsitzende Bernd Merbitz reichte dem Keeper, der drei Jahre in Leipzig zwischen den Pfosten stand, kurzerhand sein Taschentuch.
„Ich habe als kleiner Junge davon geträumt, einmal in der Handball-Bundesliga zu spielen. Deshalb tut es mir unglaublich leid, den Verein auf einem Abstiegsplatz zu verlassen. Auch ich bin daran gescheitert. Ich möchte mich bei allen im Verein für die Unterstützung bedanken. Die Fanclubs haben mir sogar beim Ein- und Auszug geholfen. Der Support hier war einfach nicht normal. Vielen Dank für alles!“, sprach Ebner ins Hallenmikrofon und ließ zum Abschied 100 Liter Freibier springen.
Und wer an dieser Stelle das Feuchte in den Augen vielleicht noch mit großer Willenskraft zu unterdrücken wusste, dürfte spätestens beim letzten der verabschiedeten Spielern den Widerstand aufgegeben haben. Mit Lucas Krzikalla sagte eine Vereinslegende „Tschüß!“, die wahrscheinlich Jeder und Jedem aus dem grün-weißen Handball-Kosmos ans Herz gewachsen war. Immerhin 15 Jahre lang spielte er für die Leipziger und wurde von den Fans mit „Einmal Leipzig, immer Leipzig“-Gesängen gefeiert.
„Nach so langer Zeit ist dieser Verein ein Teil meines Lebens geworden. 2010 begann diese Reise. Wer hätte damals gedacht, dass mein Traum, Handball-Bundesligaspieler zu werden, tatsächlich in Erfüllung geht? Es sind so viele Erlebnisse und Erinnerungen zusammengekommen. Aber das war nie die Leistung eines Einzelnen, sondern immer von uns allen gemeinsam – als Verein SC DHfK Leipzig. Und damit seid ihr alle gemeint. Ich bin unglaublich glücklich und stolz, Teil dieser Geschichte gewesen zu sein. Und ich bin mir ganz sicher, dass hier im nächsten Jahr wieder eine Aufstiegsfeier stattfinden wird. Und ich werde es mir nicht nehmen lassen, dann dabei zu sein“, versprach der 32-Jährige.

In Würdigung seines langjährigen Einsatzes, ehrte ihn der Verein mit der Aufnahme in die „Hall of Fame“. Unter den gerührten Blicken aller Anwesenden wurde dafür feierlich sein Trikot mit der Nummer 8 symbolisch in die Galerie unters Hallendach gezogen. Eine Ehre, die vor ihm erst fünf anderen Spielern zuteil wurde.
Zwei Monate sind nun Zeit, das vergangene Spieljahr mit all seinen Hochs und Tiefs zu verarbeiten – und sich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Am zweiten Augustwochenende geht es dann in den Auftaktspieltag der 2. Handball-Bundesliga. Emotionen werden für den SC DHfK Leipzig auch dort ständiger Begleiter sein – und eine klare Mission.
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