30 Jahre nach dem Tod der Sängerin Tamara Danz beschäftigt sich ein Buch mit der politischen Rolle ihrer Band Silly in der DDR. Autor Michael Rauhut stellt es heute in Leipzig vor. Am Landgericht beginnt ein Prozess wegen versuchten Mordes. Einem Mann aus Wurzen wird vorgeworfen, er habe seine Ehefrau umbringen wollen. Am Mittag legen Veranstalter, Kommune und Polizei ihr Konzept für den 48. Leipzig-Marathon dar. Hier sehen Sie schon einmal die dazugehörige Umleitungskarte.
Raus aus der Spur:Â Rockband Silly als Forschungsobjekt
Verboten, zensiert, in den Westen getrieben – in der DDR war man nicht zimperlich im Umgang mit künstlerischen Störenfrieden. Und doch brachte das Land auch großartige Rockgruppen hervor und ließ sie überleben. War es doch gerade die Enge des Systems, der mit kreativem Feingeist zu entgegnen war. Die Band Silly hatte sich dabei eine besondere Rolle erarbeitet.
Nicht zuletzt dank ihres einstigen Texters Werner Karma, dem es gelang, die Seele der Hörerschaft zu erreichen und ihr aus dem Herzen zu sprechen. Das Verstehen von Inhalten „zwischen den Zeilen“, wie man sagt, war eine Besonderheit dieser Zeit. Dass jedoch selbst Karmas subtile Rocklyrik an ihre Grenzen stieß und den Zorn der SED-Funktionäre auf sich zog, schildert der Musikhistoriker Michael Rauhut jetzt in seinem neuen Buch „Raus aus der Spur. Silly und die DDR“, das er heute Abend im Zeitgeschichtlichen Forum vorstellt.
Im Zentrum seiner Betrachtung steht die Entwicklung der Gruppe um Sängerin Tamara Danz, deren künstlerischer Weg exemplarisch für den Balanceakt zwischen Anpassung und Emanzipation im kulturpolitischen System der DDR steht. Der Autor zeichnet die Band-Entwicklung anhand der fünf beim staatlichen Label Amiga erschienenen Schallplatten nach und beschreibt, wie sich die Formation Schritt für Schritt aus den Zwängen des staatlichen Kulturbetriebs zu lösen versuchte. Mit jeder Veröffentlichung habe Silly neue künstlerische Räume erschlossen und sich zugleich stärker positioniert.
Dazu gehören aber eben auch Kompromisse, wie sie zum Beispiel beim 1985 veröffentlichten Album „Liebeswalzer“ eingegangen wurden. Drei Lieder mussten komplett neu betextet werden. Sätze wie “Wo die Lieder leiden, da leid ich auch” erschienen den sozialistischen Betonköpfen nicht veröffentlichungswürdig. Der Song „Tausend Augen“ wurde zu „Psycho“, aus „Zwischen unbefahr’nen Gleisen“ (ursprünglich auch der Name des gesamten Albums) wurde „Berliner Frühling“. Auch „Nur ein Lied“ bekam einen neuen Text und hieß dann „Großer Träumer“. Trotz der polit-chirurgischen Eingriffe in das künstlerische Material wurde die Veröffentlichung ein Erfolg und entfaltete mit Zeilen wie „ich leb doch nur von den Träumen“ eine Signalwirkung zwischen Frust und Widerstand, die auch die Kulturfunktionäre nicht mehr verhindern konnten.
Ergänzt wird der Vortrag durch bislang unveröffentlichte Archivdokumente sowie Erinnerungen von Zeitzeugen, die einen seltenen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Filmische Fundstücke und Raritäten aus dem Deutschen Rundfunkarchiv verleihen der Präsentation zusätzliche Anschaulichkeit.
Der 1963 in Altdöbern geborene Journalist Michael Rauhut zählt zu den profiliertesten Kennern der DDR-Musikszene. Nach seinem Studium und Promotion 1993 war er unter anderem in Berlin, Oldenburg und Hamburg tätig. Seit 2008 lehrt er als Professor für populäre Musik an der Universität Agder im norwegischen Kristiansand. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen ist er auch als Hörfunkjournalist und Filmautor aktiv.
Die Veranstaltung beginnt heute Abend um 19 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum (Grimmaische Straße), der Eintritt ist frei.

Mordversuch: Prozessauftakt um Femizid
Vor der 16. Strafkammer des Landgerichts Leipzig beginnt das Verfahren gegen einen 62-jährigen Mann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Nach den Ermittlungen soll sich die Tat am 18. Juli 2025 in der gemeinsamen Wohnung des Ehepaares in Wurzen ereignet haben.
Dem mutmaßlichen Täter wird zur Last gelegt, seine Ehefrau unvermittelt angegriffen zu haben, nachdem diese sich von ihm trennte und eine neue Beziehung eingegangen war. Laut Anklage habe er sie unter anderem mit einem Handtuch gewürgt beziehungsweise versucht, ihr das Atmen unmöglich zu machen, um sie für die geplante Trennung zu bestrafen. Das Geschehen wurde den Angaben zufolge erst unterbrochen, als Nachbarn durch Geräusche aufmerksam wurden und sich durch lautes Klopfen und Klingeln bemerkbar machten. In dieser Situation soll der Angeklagte von seinem Opfer abgelassen haben, da ihm bewusst geworden sei, dass er die Tat nicht ungestört fortsetzen könne.
Der mit dem Tode Bedrohten gelang daraufhin die Flucht aus der Wohnung. Sie erlitt infolge des Angriffs unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Tat als versuchten Mord und geht dabei von den Mordmerkmalen der Heimtücke sowie sonstigen niedrigen Beweggründen aus.
Die Frau hat sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen und wird von der Leipziger Rechtsanwältin Ina Alexandra Tust vertreten, die sich als Opfer-Anwältin über viele Jahre einen Namen gemacht hat. Für den Prozess sind nach aktuellem Stand acht weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht wird sich dabei mit den genauen Umständen der Tat sowie der Frage der Schuld des Angeklagten befassen.
Über das Gerichtsverfahren wird unser Reporter Lucas Böhme berichten.

Marathon-Konzept: jetzt schon wissen, wo es lang geht
Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: mitlaufen oder danebenstehen und nicht durchkommen. Heute präsentiert die Stadt ihr Konzept für den 48. Leipzig-Marathon. Mit wenigen Unterbrechungen gibt es diese Veranstaltung seit 1977. Und was den einen Freude bereitet, ist der anderen Leid.
Die einen wollen die Köpfe in die Pfannen hauen (Gelenke), die anderen ihre Torten zu den Schwiegereltern fahren (Auto). Um beide Leidenschaften unter einen Hut zu bringen, sprechen heute Mittag Michael Mamzed vom Stadtsportbund, Sportbürgermeister Heiko Rosenthal, Marathon-Pressesprecher Peter Krutsch und der Vorjahressieger des Laufs, Nic Ihlow, ausführlich über die mögliche Vereinbarkeit der verschiedenen Sonntagsinteressen.
Hier bei der LZ sehen sie schon jetzt, wer wann wo langläuft – und wo Sie gegebenen Falles nicht durchkommen, wenn Sie zur falschen Zeit nicht auf der richtigen Route reisen. Veranstalter, Kommune und Polizei hätten ein Verkehrskonzept intensiv abgestimmt, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Dass gerade Gäste von Auswärts an dieser Raffinesse mitunter auch schon scheiterten, haben manche Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt.
Vielleicht bringt der ein oder andere seinen Kuchen bei den derzeitigen Spritpreisen ohnehin lieber zu Fuß auf der regulären Laufstrecke zu seinen Liebsten.
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