Wenn Leipziger träumen: Alexander Krumbholz „Leipzig, ich wünsche mir etwas“

Für alle LeserSeit nunmehr 21 Jahren lebe ich in Leipzig. Und nicht nur die Stadt schaute mir beim wachsen und entwickeln zu, auch ich konnte dies tun. Beispielsweise, als wir vor 16 Jahren von Schönefeld in die Südvorstadt zogen. Damals war das Viertel noch von Leerstand und baufälligen Häusern geprägt. Über die Jahre hinweg verschwanden die Löcher im Putz unserer Nachbarhäuser, Gerüste wurden hochgezogen, Dächer abgedeckt. Heute ist die Südvorstadt eine der begehrtesten Wohnlagen in Leipzig.

Am Beispiel der Südvorstadt, konnte ich die Entwicklung all die Jahre gut nachvollziehen. Und jetzt, wo Leipzig die neue „Boomtown“ des Ostens ist, spielt sich dies im Großen erneut ab.

Viele Menschen zogen in den letzten Jahren nach Leipzig, andere bleiben vermehrt, die Geburtenrate steigt. Die Stadt hat alle Hände voll zu tun, die Infrastruktur für diese neuen Einwohner bereitzustellen und auszubauen. Dazu entstehen im Norden und Süden hinter dem Hauptbahnhof und dem Bayerischen Bahnhof zwei völlig neue Stadtteile. Das Lebensgefühl in der Stadt verändert sich. An vielen Stellen wird jetzt in viel größeren Dimensionen geplant, mit mehr Möglichkeiten.

Ich bin in Leipzig aufgewachsen und erlebe was jetzt geschieht aus zwei Perspektiven. Auf der einen Seite finde ich es großartig, aber auf der anderen Seite bedrückt es mich auch etwas.

Denn bei all dem habe ich nur einen Wunsch: Leipzig, bitte mach keine Fehler.

Die Stadt ist vor allem durch ihre natürlichen Angebote so attraktiv geworden. Leipzig ist von einem grünen Ring durchzogen, man kann die gröbsten Wege leicht zu Fuß bewältigen, findet in jedem Stadtquartier eine andere Szene, und, und, und. Ich möchte, dass dies erhalten bleibt. Ich möchte, dass wir uns diese Lebensqualität erhalten und Leipzig weiterhin eine grüne und vielfältige Stadt bleibt.

Leipzig wächst und wächst, um neue Menschen und neue Eindrücke. Ich möchte mich dem nicht verschließen, die Veränderungen in unsere Stadt sind gut. Leipzig hat unglaubliche Chancen: Es könnte z.B. die erste Stadt werden, deren Innenstadtring komplett autofrei wird. Die neue Zeit in die wir kommen sieht bürger- statt autofreundliche Städte vor, öffentlich organisierte Mobilität, Freiräume für stressgeplagte „Stadtkinder“ und eine soziale Mischung der Stadtteile.

Wenn ich mir eine Stadt wünschen könnte, dann wäre es eine die auf solche Dinge Rücksicht nimmt. Niemand möchte Ghettoisierung, niemand möchte hochpreisige Stadtviertel. Wenn das Wachstum von Leipzig gesund werden soll, dann muss es auf diese Dinge achten. Es muss seine Einwohner zusammenhalten und Räume schaffen, an denen Neues entstehen kann. Dies fängt damit an, dass „Lücken“ in den Häuserzeilen nicht gefüllt werden müssen. Nicht jedes freie Stück Land muss bebaut oder genutzt werden. Wenn wir auch in zehn Jahren noch Platz haben wollen, um eine lebendige Stadt zu gestalten, dann brauchen, wir meiner Meinung nach, gerade diese Freiräume.

Ich kann nicht mehr weitergeben, als mein grobes Gefühl. Und das sagt mir, dass viele neue Möglichkeiten auf unsere Stadt zukommen, viel neues Potenzial geweckt werden will und die „Großstadt des 21.Jahrhunderts“ hier vor Ort von uns gestaltet werden kann. Sie kann nicht nur, sie muss es sogar. Ich wünsche mir, dass Leipzig auf ewig meine schöne Heimatstadt bleibt. Jede Himmelsrichtung hat mehrere seiner eigenen kulturellen und sozialen Hotspots. Diese Unterschiedlichkeit möchte ich erhalten wissen. Ich möchte mich immer darauf verlassen können, dass meine Stadt „schön“ ist.

Auf die nächsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte, mache ich mir keine Gedanken, ob das Wachstum von Leipzig ein „gutes“ wird. Unsere Stadtverwaltung hat längst erkannt, dass sie die Herausforderungen die damit verbunden sind schnell und nachhaltig lösen muss, dass sie das nur schafft, wenn alle Ämter und Fachbereiche zusammenarbeiten. Mit dem Stadtentwicklungskonzept bastelt die Stadt an einer Vorstellung für die nächsten Jahre.

Und was an manchen Stellen in der Stadtpolitik gefordert wird, wie allerlei Tunnel oder Tröge für Straßen und Autos zu buddeln, blitzt glücklicherweise ab. Außerdem hat Leipzig bereits einen Flughafen, einen der größten Bahnhöfe Europas, die Oper und das Gewandhaus sowie die Neue Messe. Es kann uns in baulicher Hinsicht wenig passieren, die prestigeträchtigsten Dinge stehen bereits da.

Aber ich wünsche mir für Leipzig nicht nur „keine Fehler“ in der Stadtinfrastruktur. Mit dem Auewald haben wir ein wunderschönes Naturschutzgebiet, gewachsen bis ins Herz unserer Stadt. Diesen Naturraum müssen wir bewahren. Wir müssen auf die kleinen Seitenarme der Elster acht geben, genau wie auf die Eisvögel und die Kanäle innerhalb unserer Stadt.

Ich einer funktionierenden Stadt sind die Gewässer lebendig, die Luft (einigermaßen) sauber und die Straßen und Plätze mit Menschen bevölkert. Und genau das wünsche ich mir für Leipzig weiterhin. Es soll bitte bloß keine Fehler machen und all diese Dinge bewahren. Dann werden wir hier weiterhin eine lebenswerte Stadt haben, in die Menschen gerne kommen und hier ein schönes Leben verbringen. Dieses Märchen von der heilen Welt, wieso wollen wir uns daraus nicht eine Stadt backen?

Alle Träume, welch bereits veröffentlicht sind, finden Sie ab sofort hier in steigender Anzahl unter dem Tag l-iz.de/tag/traeume.

Eine Reihe kehrt zurück: Wenn Leipziger träumen

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Foto: Ralf Julke

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