Ich bin 1950 in Geisa/Röhn (Bezirk Suhl/Thüringen) geboren, seit 1972 Leipziger und habe 1977 in Reaktion auf die Ausreise mir wichtiger Freigeister infolge der staatlichen Repressalien wegen deren trotzigen Proteste gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann im Herbst 1976 folgenden Text zu meinem Lied vom Träumer verfasst:

Träumer komm zurück
in unsere kleine Welt
und bringe deinen Traum uns mit
heiter munter selbstgestrickt
was uns heut‘ so fehlt

Den Traum vom Staatsmann der viel lacht,
kein Witz ist, sondern Witze macht,
der vom ganzen Volk verehrt
und nicht durch unsere Straßen fährt
im kugelsicheren Wagen

Träumer komm zurück …

Den Traum vom Pass ins Niemandsland,
das so heißt, weil’s Niemand fand,
als er in den Westen ging
und keine großen Fische fing
im Netz aus purem Gold

Träumer komm zurück …

Nimm den Schatten Immermüd‘
von den trägen Augen.
Zeig, dass in dem rüden Grau
nicht im sturen Himmelsblau
alle Farben schlafen.

Träumer komm zurück …

Mein Traum hatte sich im frühlingshaften Herbst von 1989 gerade hier in Leipzig erfüllt, aber nicht lange und ich verzeihe mir bis heute nicht, dass ich zu wenig für die Erhaltung dieses Zustandes zu leisten imstande war, was nicht heißt, es nicht dennoch immerwährend zu versuchen.

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