Freitag, der 22. Mai 2020: Neonazis wüten am Männertag

Für alle LeserAngriffe auf Polizisten, Gewalt gegen Passanten, Naziparolen – es war ein ganz normaler Männertag in Sachsen. Diesmal kam die heftigste Meldung aus Königstein, wo die Polizei nach eigenen Angaben von 30 Neonazis angegriffen wurde. Auch in Leipzig gab es Vorfälle mit rechtem Hintergrund. Zudem sorgt die Wahl eines Neurechten zum Kulturamtsleiter in Radebeul für Kritik. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 22. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
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Der Männertag zählt zu den schlimmsten Tagen des Jahres – vor allem in Bezug auf Gewalt, Pöbeleien und rechtsradikale Aktivitäten. Das war auch dieses Jahr – dem Jahr der Coronakrise – nicht anders.

Den heftigsten Vorfall gab es offenbar in Königstein in der Sächsischen Schweiz. Dort hat die Polizei 30 Personen in Gewahrsam genommen, die zuvor „Sieg heil“ gerufen und die Beamten angegriffen haben sollen. Dabei seien Gläser und andere Gegenstände geflogen. Zudem sollen die Neonazis mit Holzlatten und Stahlrohren gedroht haben. Auf dem Grundstück wurden anschließend Übungshandgranate, Einhandmesser, Betäubungsmittel und Propagandamaterial gefunden.

Naziparolen in Reudnitz

Auch in Leipzig gab es offenbar mehrere Vorfälle mit Neonazis. So sollen mehrere Personen in Reudnitz ebenfalls „Sieg heil“ gerufen haben. Die Polizei erstattete Anzeige gegen sieben Personen, die von Zeug/-innen noch vor Ort identifiziert worden seien. Laut der Dokumentationsplattform „chronik.LE“ gab es zudem einen Angriff von Neonazis auf einen Wagenplatz im Leipziger Westen. Weitere Details zu diesem Fall sind bislang nicht bekannt.

Neonazistische Aktivitäten vermeldeten Polizei und Journalist/-innen auch in Chemnitz und Dresden. Hinzu kamen körperliche Angriffe ohne rechten Hintergrund, beispielsweise im Leipziger Stadtteil Burghausen-Rückmarsdorf, wo „Feiernde“ einem 52-Jährigen mit dem Fuß gegen den Kopf getreten haben sollen, nachdem dieser sich über weggeworfenen Müll beklagt habe.

Todesfall in Wurzen

In Wurzen nahe Leipzig kam es sogar zu einem Todesfall. Ein 17-Jähriger wurde offenbar in einer Auseinandersetzung mit zwei anderen Jugendlichen so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus starb. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben, ob sie Haftbefehl gegen die beiden Festgenommenen beantragen wird.

Sicherlich ohne Vorkommnisse dieser Art werden am Samstag mehrere Kundgebungen über die Bühne gehen. „Greenpeace“ ruft ab 9:30 Uhr zu einer Kundgebung für „mehr Platz fürs Rad“ entlang der Prager Straße auf, der „Aufruf 2019“ möchte von 11 bis 12 Uhr auf dem Markt das Grundgesetz feiern und die „Seebrücke“ plant von 15 bis 19 Uhr eine Menschenkette an der Sachsenbrücke, um die Aufmerksamkeit auf die Geflüchtetenlager in Europa zu lenken.

Was heute außerdem wichtig war: Die Wahl eines neuen Kulturamtleiters in Radebeul sorgt für Diskussionen. Der Grund: Dieser ist dem Spektrum der Neuen Rechten zuzuordnen. Die Stimmen kamen wohl von CDU und AfD; Kritik gibt es unter anderem von Grünen und Linken. (via MDR)

Auch die Landesstatistiker sagen Leipzig bis zu 660.000 Einwohner im Jahr 2030 voraus

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Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 11. September ging mal wieder ein Gespenst in Sachsen um, das eigentlich längst vergangenen Zeiten angehören sollte: das Gespenst der Kürzungsorgie. Da wurde die neue Steuerschätzung bekannt gegeben und der erste, der wieder Stimmung machte, war natürlich Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann: „Das kluge Priorisieren und Anpassen der Ausgaben an die Einnahmen ist ernster denn je“, meinte er und gab zu bedenken, „dass wir durch das Grundgesetz und unsere sächsische Verfassung verpflichtet sind, die jetzt aufgenommen Kredite zu tilgen“.
War die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen im Frühjahr ein „Einbruch“ oder eher der Anfang eines überfälligen Umdenkens?
BIP-Rückgang nach Bundesländern im 1. Halbjahr 2020. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für alle LeserFrüher, da habe ich mich immer wieder gefreut, dass Statistiker eigentlich nüchterne Leute sind. Sie veröffentlichten ihre Zahlen, erklärten die Trends, enthielten sich aber all der Kraftmeiereien, mit denen schlecht gelaunte Journalisten ihre Meldungen aufblasen, wenn eigentlich gar nichts passiert ist. Es ist ja egal, welche Zeitungswebsite man heutzutage aufschlägt: Es wird dramatisiert, dass einem schlecht werden kann. Das schleicht sich nun leider auch in Meldungen der Statistiker ein.