Welttuberkulosetag am 24. März

Tuberkulose ist ein Problem der Großstädte und der Armut

Für alle LeserMit Karten kann man viele gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar machen. Auch die Herausforderungen für das Gesundheitswesen. Zum Beispiel die Verteilung meldepflichtiger Erkrankungen wie der Tuberkulose. Sie gehörte auch in Deutschland einmal zu den Volkskrankheiten, galt aber lange Zeit als weitgehend verdrängt. Doch mit der Armut kehrt auch sie wieder zurück nach Deutschland. Und mit den Menschen aus den armen Ländern der Welt.

Die Mehrzahl der bundesweit 5.486 Tuberkuloseneuerkrankungen, die 2017 an das Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet wurden, entfällt auf die Großstädte und Ballungsräume. Das zeigen aktuelle Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) auf der Grundlage von Statistiken, die Experten des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes in Hannover anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März ausgewertet haben.

Wie die Geografen Martina und Holger Scharlach im jüngsten Beitrag des IfL-Webangebots Nationalatlas aktuell berichten, ist in Deutschland das Risiko, an Tuberkulose (TB) zu erkranken, in den Städten um den Faktor 1,7 höher als in den dünn besiedelten ländlichen Räumen. Mit 418 Erkrankungen wurden 2017 in Berlin die meisten neuen TB-Fälle registriert, gefolgt von Hamburg (234), München (123), Köln (105) und Frankfurt am Main (99).

Und dass in den Großstädten mehr Menschen an Tuberkulose erkranken hat natürlich damit zu tun, dass hier deutlich mehr arme Menschen stranden.

Am stärksten von Tuberkulose betroffen sind junge Erwachsene mit ausländischer Staatsangehörigkeit, besonders Migranten und Asylsuchende, stellen die Autoren der Karte fest. Die Mehrzahl der 2015 und 2016 in Deutschland gemeldeten Neuerkrankungen wurde bei Untersuchungen in Erstaufnahmeeinrichtungen festgestellt. Die Migranten haben sich oft bereits in ihrem Heimatland infiziert. Häufig bricht die Krankheit erst später unter den schwierigen Lebensumständen auf der Flucht und während der unsicheren Lebenssituation in den Ankunftsländern aus.

Aber es sind nicht nur die gesundheitlich geschwächten Geflüchteten, die von der Krankheit heimgesucht werden.

Denn auch die einheimischen Bevölkerungsgruppen, die sich aus verschiedensten Gründen kein gesundes Leben organisieren können, werden Opfer der Tuberkulose. Im Kartentext heißt es dazu: „Zu den Personen mit einem erhöhten Risiko zählen Drogenabhängige, Alkoholkranke, Obdachlose und sozial benachteiligte Menschen. Auch Migranten und Asylsuchende zählen dazu, da sie häufig aus Ländern kommen, in denen TB weiter verbreitet ist als in Deutschland. Diese Menschen haben sich in der Vergangenheit bereits in ihrem Heimatland mit TB infiziert, und erst viel später bricht die Krankheit dann unter den schwierigen Lebensumständen auf der Flucht und während der unsicheren Lebenssituation in den Ankunftsländern aus.“

Tuberkulose ist also ein Symptom für die real existierende Armut im Land.

In der Gruppe der deutschen Staatsangehörigen erkranken Alkohol- und Drogenabhängige sowie sozial benachteiligte und ältere Menschen häufiger an TB als Personen mit intaktem Immunsystem, so die Experten des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes.

In Leipzig ist die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen wieder gesunken. Wurden 2016 noch 45 Neuerkrankungen registriert, waren es 2017 noch 39.

Insgesamt ist die Erkrankung in Deutschland dank guter Versorgung und Hygiene selten geworden und spielt als Todesursache eine untergeordnete Rolle. 2017 erkrankten je 100.000 Einwohner 6,7 Personen neu an Tuberkulose. Als Folge der weltweiten Zunahme von Migrationsbewegungen sind in Deutschland die Zahlen 2015 und 2016 nach längeren Jahren der Stagnation erstmals wieder gestiegen.

Die Tuberkulose ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Sie wird durch Bakterien hervorgerufen, die meist die Lunge befallen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts steht mit der Entdeckung und breiten Verfügbarkeit von Antibiotika eine wirksame Therapie zur Verfügung. Dennoch sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO immer noch jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen an Tuberkulose, so viele wie durch keine andere Infektionskrankheit.

Welttuberkulosetag am 24. März

Vor 137 Jahren, am 24. März 1882, gab Robert Koch seine Entdeckung des Tuberkulose-Erregers bekannt, ein Meilenstein in der Medizingeschichte. Der Welttuberkulosetag am 24. März ehrt die Leistung des Wissenschaftlers und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, die Erkrankung konsequent zu bekämpfen.

NationalatlasTuberkulose
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