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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 72, ab 25. Oktober 2019 im HandelHaha! Verarscht! Früher geboren, Vertrauen verloren, mit 62 Schluss gemacht, ausgelacht. Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor zehn Jahren immer und immer wieder demonstrieren war. Für eine gemeinsame Rentenkasse für wirklich alle, also Selbstständige, Ärzte, Beamte, Rechtsanwälte und Angestellte. Eine Mindestuntergrenze bei 2.000 Euro und eine Maximalgröße bei 4.000 Euro sollte es sein.

    Weil wer verdient hat, hat eh schon im Alter. Und höhere Steuern für diese verschwiegenen und flüchtigen Superreichen, eine Erbschaftssteuer und eine Transaktionssteuer. Nicht nur, um endlich ordentliche Renten zu haben, aber vor allem das. Ich gebe zu: ich wollte zwar alt, aber nicht arm werden.

    So richtig ist mir der Hut geplatzt, als sie diese „kapitalgedeckte Rente“ rumgereicht haben, wie gammeliges Brot. Dieses staatlich hochsubventionierte Renditeprogramm für abgekackte Versicherungsunternehmen mit diesem neoliberalen Fatzke Riester als Paperboy für Frühvergreiste. Haben die doch eh alles in die eigene Tasche und die Börse gestopft; bin ja gespannt, was passiert, wenn bei Riesters Kassensturz ist. Dann gibt’s wieder leere Gesichter und zerkrümelte Brotrester.

    Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 72, Ausgabe Oktober 2019. Foto: LZ (zum Vergrößern klicken)
    Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 72, Ausgabe Oktober 2019. Foto: LZ (zum Vergrößern klicken)

    Was habe ich randaliert, Schilder gezeigt und gerufen: Rente von allen für alle! Zettel verteilt, mobilisiert, ja, auch auf Facebook (gut, der Gruppennahme „Solidarisch gegen ein Zweiklassensystem im Alter, Altersarmut und für eine gerechte Belastung aller“ war zu ambitioniert) und alle und jeden angeschrieben, der ein Mailpostfach sein eigen nannte.

    Bis ich bemerkte, dass wir auch bei der zehnten Demo noch immer zu dritt waren. Klaus und Martha von gegenüber und ich allein auf dem Augustusplatz, ich glaube beim letzten Mal hat irgend so eine Promenadenmischung Klaus sogar ans Bein gepinkelt. Das war der gleiche Tag, als mir ein SPDler (Name vergessen) aus dem Bundestag zurückschrieb: Muss so, weil geil für alle.

    Der Rest war irgendwas von Arbeitgeberentlastung wegen Arbeitsplätzen. Und mir mein kurdischer Nachbar riet, „musst kleines Haus kaufen, haste keine Miete mehr“.

    Das war’s! Martha, Klaus und ich los, alles zusammengekratzt und in Ungarn ein Häuschen gekauft. Und mit 62 ausgestiegen. Zusammen reicht’s, für grad mal 40.000 Euro Kaufpreis ein Zimmer für jeden und einmal im Jahr geht’s an die Ostsee zum Arschbräunen.

    Derzeit plane ich mein rentenverträgliches Frühableben mit rund 80 Jahren. Bis dahin rufe ich Euch festangestellten Idioten zu: Durchhalten! Einzahlen! Ich brauche pro Jahr rund 2 Prozent mehr (die Salami hier wird auch immer teurer!). Natürlich könntet ihr auch jetzt mal demonstrieren, wo sie Euch die Schufterei bis 69 reindrücken.

    Aber was sag’ ich, wählt einfach weiter CDU oder gleich AfD. Jeder für sich, keiner für alle!

    Schwarwel im Netz

    Fratzscher gibt sich seit gestern Mühe, in der „Zeit“ das Wort Gerechtigkeit zu erklären.

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