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Leserbrief zu E. oder Die Insel: Der Gestrandete auf der Muldeinsel und die Abgründe der Leipziger Kindermedizin im 20. Jahrhundert

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    Sehr geehrter, lieber Herr Julke, jedes Mal, wenn ich eine Rezension aus Ihrer „Feder“ lese, fühle ich mich davon in ganz besonderer Weise angesprochen. So auch heute wieder, wo Sie sich mit dem Thema Euthanasie beschäftigt haben. Als ich zu Beginn des Jahres 1991 nach Leipzig kam, hatte ich gerade dafür zu sorgen gehabt, dass eine Riesenzahl von Hirnschnitt-Präparaten, die NS-Forscher von KZ-Opfern zu „Forschungszwecken“ hatten herstellen lassen, endgültig eine würdige Ruhestätte auf dem Münchner Waldfriedhof gefunden haben.

    Der Nachfolger von Otto Hahn im Amt des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Adolf Butenandt, zweifellos einer der größten Forscher des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Entdeckungen zu Konzeption und Schwangerschaft inzwischen das Leben der Menschheit auf der ganzen Welt verändert haben, hatte sich mit aller Kraft dagegen gewehrt, über Figuren wie Mengele (Mitarbeiter am Kaiser-Wilhelm-Institut) oder Catel ein Urteil zu sprechen.

    Ja, er habe – das kann ich aber nicht belegen, sondern beruht auf Erzählungen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, der ich damals angehörte – mit Beiträgen aus seinem Privatvermögen verhindert, dass entsprechende Publikationen erschienen, um auf seine „hehre“ Wissenschaftsorganisation keinen Schatten eines Fehlverhaltens fallen zu lassen. Sein Nachfolger, der Heidelberger Chemiker Heinz A. Staab beauftragte mich dann – sicher auch auf den öffentlichen Druck hin, der seinerzeit entstanden war – wenige Monate vor meinem Wechsel nach Leipzig, für eine würdige Zeremonie zur Bestattung der Opfer zu sorgen.

    Dass ausgerechnet ich diesen Auftrag erhalten habe, lag wohl daran, dass ich das damals brachliegende Gebiet der ethischen Probleme der biologischen Forschung an mich gezogen hatte. Anfangs ging es dabei um die eher vordergründigen Probleme der Forschung mit Versuchstieren. Dann aber wurden Fragen laut, in denen es um molekularbiologische Probleme und deren ethische Dimensionen ging: um Forschung zur menschlichen Keimbahn und an menschlichen Embryonen.

    Zu jener Zeit habe ich die Max-Planck-Gesellschaft bei den Anhörungen des Bundestages zu den einzelnen Gesetzgebungsverfahren auf diesem Gebiet vertreten. Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, dass die Forschung auf diesen Gebieten nicht beliebig frei sein kann, sondern gerade hier besondere ethischen Grenzen zu beachten sind (wobei ich mir bewusst bin, dass es gegen die Überschreitung dieser Grenzen keine sicheren Mittel gibt).

    Noch unter dem Eindruck dieser Veranstaltung erfuhr ich in meinem Leipziger Amt vom Tun Catels (und anderer). Es traf sich gut und war kein Verdienst der Universität, dass sie damals die Klinik in Dösen verlassen musste. Zu erfahren, dass Catel seine Verbrechen vor allem auch an der Kinderklinik in der Oststraße verübt hatte, war für mich ein Schock, der noch größer wurde, als ich begann, mich mit ihm zu beschäftigen.

    Denn in der alten Bundesrepublik hatte es zwar eine Diskussion über die Euthanasie an Kindern gegeben, aber davon habe ich in München damals nichts mitbekommen. Uns beschäftigten die Vorgänge in der psychiatrischen Klinik Eglfing/Haar bei München, von der aus nicht nur mindestens 2400 Kranke in Tötungsanstalten des Euthanasie-Programms verbracht wurden, sondern wo es ein Haus gab, in dem man missgestaltete Kinder verhungern ließ.

    Mich erschüttert, dass es angesichts des Zutageliegens der Freveltaten der Nationalsozialisten trotzdem eine offenbar immer noch steigende Zahl von Anhängern dieser menschenverachtenden Ideologie gibt, die sich heutzutage nicht scheuen, sich ganz offen zu solchen Verbrechern zu bekennen – und – lassen wir ihnen dazu die Möglichkeit — dieses verbrecherische Tun fortsetzen werden. Deshalb ist es so notwendig und wichtig, dass wir alle aufpassen und vor allem die Journalisten, ihr Amt als Wächter der Demokratie, solche Vorgänge immer wieder öffentlich aussprechen und vor Irrwegen warnen.

    Dafür, dass Sie dies tun, bin ich dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Peter Gutjahr-Löser

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